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kolumne Berlin intern: Höhlers seltsamer Feldzug gegen die Kanzlerin

Kolumne von Henning Krumrey

Die martialische Warnung der Abkanzlerin Gertrud Höhler vor einem Marsch in ein totalitäres Regime treibt Journalisten an die Seite Angela Merkels. Szenen einer merkwürdigen Verbrüderung.

Gertrud Höhler Quelle: dapd
Die Literaturwissenschaftlerin, Publizistin und Unternehmensberaterin Gertrud Höhler bei der Vorstellung ihres Buches "Die Patin. Wie Angela Merkel Deutschland umbaut". Quelle: dapd

Der Verlag hatte keinen großen Saal für die Buchvorstellung gemietet, damit es nicht komisch aussieht, „wenn dann nur fünf Leute kommen“. Angemeldet haben sich aber nun über 80, so dass die Gastgeber die zum Termin heranbrandende journalistische Laufkundschaft abwimmeln möchten. Doch die lässt sich nicht vertreiben, und am Ende ist man froh, dass einige Angemeldete nicht kommen. Der Schweizer Verlag Orell Füssli hat eingeladen zu einem großen Missverständnis.

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Protagonisten der Dissonanz sind die Unternehmens- und Politikberaterin Gertrud Höhler und etwa sieben Dutzend politische Journalisten. Die Präsentation des Werkes „Die Patin – wie Angela Merkel Deutschland umbaut“ entwickelt sich schnell zu einem Hochamt der kommunikativen Unvereinbarkeit. Höhler möchte über Deutschlands Schicksal unter dieser Regierungschefin sprechen, die Journalisten fragen aber nach dem Verhältnis der Autorin zur Kanzlerin. Ob ihr Buch vielleicht ein Rachefeldzug sei (Rache wofür auch immer)?

Höhler klagt über die Medien und ihre „Reduzierung des Themas auf einen Konflikt zwischen Personen“, obwohl sie doch mit Merkel gar nicht im Streit liege. Nun ist das nicht verwunderlich, wenn der Titel die Hauptperson zur Mafiosa stempelt. Aber die Pressekonferenz wandelt sich auf merkwürdige Weise zu einem Tribunal über die Autorin: Warum sie ein Fernseh-Interview abgesagt habe? Warum sie ein Tageszeitungs-Gespräch beinahe abgebrochen hätte?

Auf der Strecke bleibt dabei die Auseinandersetzung mit den inhaltlichen Vorwürfen, die Höhler gegen „die Patin“ auflistet:

  • Die Parlamente würden entmachtet, wenn milliardenschwere Rettungspakete oder Hilfsverpflichtungen im Hauruck-Verfahren durchgestimmt werden.

  • Merkel habe gezielt die traditionellen Werte der CDU herausoperiert und dann per „Ideen-Leasing“ vor allem Thesen der SPD implantiert. Höhler beklagt deren „Werteneutralität“ und „Leidenschaftslosigkeit“.

  • Deutschland sei immer mehr auf dem Weg in die Staatswirtschaft, insbesondere in der Energieversorgung, in der immer mehr reglementiert und subventioniert werde.

  • Die Regierung breche gezielt die Verfassung, wenn sie vom Parlament beschlossene Gesetze einfach außer Kraft setzt – bei der Energiewende genauso wie bei der Wehrpflicht und erst recht bei der Euro-Rettung. Den Buchtitel findet Höhler passend, „weil legale Strukturen infiltriert werden durch illegales Verhalten“.

Eine spanische Kollegin fragt: „Sie wissen genau, dass Merkel schon die Chefin ist in Italien, Spanien, Griechenland. Wer könnte denn noch Widerstand leisten?“ Das Wort Widerstand will sich Höhler aber nicht zu eigen machen, denn das sei historisch aus einer früheren Epoche besetzt. Ist Deutschland in einer Übergangsphase zur Diktatur? „Das Wort Diktatur kommt in meinem Buch nicht vor“, blafft Höhler zurück, aber in einer Übergangsphase sei Deutschland unter Merkel bestimmt. „Ist sie eine Demokratin? Wir wissen es nicht“, lautet ihr Fazit.

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Statt jeden Vorwurf abzuprüfen, nehmen die Journalisten nun aber die CDU-Matadorin in einer Weise in Schutz, die es früher (Kohl!; Schröder!) nicht gegeben hätte: Warum Höhler, fragt einer staatstragend, „die Kanzlerin aller Deutschen“ in die kriminelle Ecke stelle? Am Ende kapituliert Höhler dann doch vor der Inquisition und wird unwirsch: „Ach, lesen Sie doch das Buch und streichen Sie alle Stellen an, die Sie verdächtig finden.“

Höhler will ihr Produkt verkaufen, aber nicht ihre Selbstachtung.

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.08.2012, 17:06 UhrMargrit

    Gerodsau
    Bingo. Endlich sagt es einer. Sie sprechen ir aus der Seele
    Aber usnre Presse ist zum größten Teil stramm links, deswegen kommt ja auch die Stasiakte von Merkel nicht auf den Tisch

  • 28.08.2012, 17:04 UhrMargrit

    Sie wissen doch, die große Mehrheit, ich glaube mehr als 90%, so ergab mal eine Studie, sind links
    Was erwaren wir da? Und Krumrey gehört zu denen. Bei ihm it noch die Mischung, stramm links, aber sehr neoliberal. Das ist halt sozialistisch. Den Oberen alles, dem Volk nichts

  • 28.08.2012, 17:02 UhrMargrit

    Das ist nicht haßerfüllt.
    Hitler wollte sich Europa untertan machen durch Kriege, Merkel will das mittels Geld.
    Wo ist der Untrschied?
    Merkel it bei Väterchen Stalin in der DDR groß geworden. Diktatur kennt sie von Kindnesbeinen an. Sie hat nie was andres gelernt

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