Berlin intern: Kein gemachtes Nest

Berlin intern: Kein gemachtes Nest

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

von Henning Krumrey

Wer schnell sein will, muss leiden. Selbst das Hohe Haus, der Bundestag, kennt niedere Probleme.

Kennen Sie das? Der Vormieter zieht nicht aus, und plötzlich steht man mit Sack und Pack auf der Straße, weil die neue Bude noch nicht frei ist. Dann heißt es: irgendwo unterkriechen und die Zeit der Obdachlosigkeit überbrücken.

Genau so ergeht es gerade Dutzenden Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Jede Neuwahl löst eine Umzugswelle aus: Abgewählte räumen das Feld, Neulinge rücken ein. Die Bundestagsverwaltung muss binnen weniger Wochen die unglaubliche Zahl von 1500 Umzügen schaffen. Denn nicht nur die MdBs wechseln. Die Verträge der Abgeordneten-Mitarbeiter enden mit Ablauf der Legislaturperiode; sie können sich bei den Neulingen wieder für vier Jahre bewerben.

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Es ächzen vor allem die Parlamentarier der FDP. Die liberale Fraktion zählt 32 Abgeordnete mehr als beim letzten Mal, jeder bekommt zwei Mitarbeiter und eine Sekretärin. Doch den zusätzlichen blau-gelben Trakt, die vierte Etage im Jakob-Kaiser-Haus, bewohnte bis zum 31. Oktober die SPD. Denn da erst endete die alte Legislaturperiode.

Die SPD-Genossen haben zwar pünktlich ihre Zimmer geräumt, aber es gebe „unglückliche Ketten“, sagt Christian Ahrendt, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP. Jeder Raum ist neu zu streichen, die Möbel sind raus- und reinzuräumen. Die Rechner müssen neu eingerichtet werden. Das dauert.

Untermieter bei der FDP

Also mussten die FDP-Neulinge bei alteingesessenen Parteifreunden unterkriechen. Zahlreiche Liberale beherbergen nun Untermieter in ihren Büros, die dort stundenweise am Katzentisch sitzen und zu arbeiten versuchen. Was nicht einfach ist. Zwar sind die neuen Laptops schon geliefert, aber ins interne Netz des Bundestages können sie die Geräte nicht einstöpseln. Denn die Buchsen in den Büros sind namentlich codiert.

„Abgeordnete mögen manche Privilegien haben, aber sie haben auch ganz normale Probleme“, beruhigt Ahrendt: „Das muss man sportlich nehmen.“ Stephan Thomae, seinen persönlichen Untermieter, freut gar, „dass wir so von der Erfahrung der älteren Kollegen profitieren“.

Die Ursache des Zimmerstaus liegt im schnellen Start der neuen Regierung. Die Kanzlerinnenwahl erfolgte noch im Oktober, vergangene Woche hielt Angela Merkel schon die erste Regierungserklärung, und die Fraktionen brachten das sogenannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz auf den Weg. Vor vier Jahren wurde Merkel erst acht Wochen nach der Wahl vereidigt. Als das Parlament die Arbeit aufnahm, saßen fast alle Abgeordneten schon im endgültigen Büro.

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