Berlin intern: Kongress oder Kreißsaal

kolumneBerlin intern: Kongress oder Kreißsaal

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Die AfA hat kein offenes Ohr für den Vorschlag des Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. Den Vorsitz der Vereinigung soll Klaus Barthel übernehmen.

Kolumne von Cornelia Schmergal

Der Arbeitnehmerflügel der SPD galt schon immer als störrisch. Nicht mal von Parteichef Gabriel lassen sich die Genossen einen neuen Vorsitzenden empfehlen.

Soll noch mal einer behaupten, die SPD sei eine humorbefreite Zone. Es gab eine Zeit, in der ironiebegabte Genossen eine „Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten in der SPD“ gründeten, weil sie sich durch die Hartz-Reformen verraten fühlten. Noch heute frotzeln Vertraute von IG-Metall-Chef Berthold Huber darüber, dass die Arbeitnehmerpartei ihre Traditionsthemen in die „Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen“ (AfA) outsource. So gesehen kann die Gewerkschaft es verschmerzen, dass keiner ihrer Funktionäre diesen linken Parteiflügel künftig steuern wird. Geplant war das allerdings ganz anders.

Ein neuer Chef für die AfA

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In drei Wochen wählt die Vereinigung auf ihrem Bundeskongress in Bonn einen neuen Chef, der langjährige Vorsitzende Otmar Schreiner zieht sich zurück. Nur zu gern hätte SPD-Chef Sigmar Gabriel den hessischen IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild als künftigen AfA-Vorsitzenden präsentiert. Wer aber nicht antreten wird – ist Schild. Gabriel selbst hatte den Metaller Ende 2011 vorgeschlagen, auf einer vertraulichen AfA-Vorstandssitzung zog der Gewerkschafter seine Kandidatur jedoch zurück. Sie wäre aussichtslos gewesen. Die AfA, die parteiintern als besonders renitent gilt, lässt sich ungern etwas vorschreiben. Schon gar nicht vom Parteivorsitzenden.

Stattdessen will sie ein Eigengewächs ins Rennen schicken: den Bundestagsabgeordneten und bayrischen AfA-Chef Klaus Barthel. Auch der hat einen Funktionärshintergrund, allerdings einen Verdi-affinen – und kaum jemand in Berlin weiß davon. Seit 35 Jahren ist Barthel Gewerkschaftsmitglied, vor seinem Politikerleben arbeitete er sechs Jahre lang beim ÖTV-Landesbezirk Bayern. Dort hinterließ er Spuren: Dass heute auch Auszubildende an Warnstreiks teilnehmen dürfen, hatte mit seiner Arbeit zu tun. Zur Funktionärsprominenz zählte er dennoch nie. Auch sonst dürfte Gabriel mit ihm wenig Vergnügen haben. Als Erstes hat Barthel sich vorgenommen, die wichtigste Reform des Genossen Franz Müntefering zu stoppen: „Die AfA hat ihren Frieden mit der Rente mit 67 nicht gemacht“, sagt er.

Zweites Scheitern

Schon zum zweiten Mal ist Gabriel nun damit gescheitert, einen hochrangigen Gewerkschafter an die SPD-Spitze zu binden. Mit Blick auf die Superwahljahre 2012 und 2013 hätte es ja nicht geschadet, den Draht ins Arbeitnehmerlager zu verbessern. Erst im Herbst wollte Gabriel DGB-Chef Michael Sommer in den Parteivorstand holen. Der war zunächst nicht abgeneigt, zog aber zurück, nachdem die Chefs der Einzelgewerkschaften gemurrt hatten. Sie fürchteten um die politische Unabhängigkeit des Gewerkschaftsbundes. Schließlich haben die Chefs von IG Metall, Verdi, IG BCE und Co., die sich an jedem ersten Montag im Monat zum Abendessen in Berlin treffen, längst verabredet, dass sie vor der Wahl 2013 keine Empfehlung abgeben werden.

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Sigmar Gabriel jedenfalls hat anklingen lassen, er sei noch nicht völlig sicher, ob er beim AfA-Kongress selbst ein Grußwort sprechen könne. Um Gerüchten vorzubeugen: Mit Rache hat das nichts zu tun. Wirklich nicht. Im April wird Gabriel Vater – und der errechnete Termin fällt in die Nähe der Barthel-Wahl. Es gibt eben Dinge im Leben, die einfach wichtiger sind. Gewerkschafter haben dafür Verständnis. Als Berthold Huber im Sommer 2003 zum IG-Metall-Vize gewählt wurde, war seine Frau hochschwanger. Um sich nicht zwischen Kreißsaal und Kongresshalle entscheiden zu müssen, ließ Huber für die Delegierten ein Bewerbungsvideo vorbereiten, sicherheitshalber. Vielleicht sollte sich Gabriel noch einmal mit Huber beraten.

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