Berlin intern: Lästige Familienunternehmer

kolumneBerlin intern: Lästige Familienunternehmer

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Sein Vorgänger hatte einen großen Namen. Der künftige Verbandspräsident Lutz Goebel kann sich ihn jetzt machen.

Wie heißt er gleich noch, der Nachfolger von Adenauer? Na? Ach, vergessen Sie doch Ludwig Erhard! Der Nachfolger von Adenauer heißt Lutz Goebel.

Vorige Woche wählten „Die Familienunternehmer“ ihren neuen Präsidenten, den Erben von Patrick Adenauer. Einziger Kandidat: eben jener Lutz Goebel, der dem Verband schon als Vize dient. Er vertritt nun 5000 Mitglieder. Die Truppe, die früher ASU hieß, Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Unternehmer, ist in Berliner Amts- und Abgeordnetenstuben gleichermaßen geliebt und gelitten. Geliebt, weil ihre Mitglieder und Repräsentanten das Rückgrat des deutschen Mittelstandes abbilden: echte Eigentümer, keine angestellten Manager oder Verbandsfunktionäre.

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Das freilich macht die Herren und wenigen Damen so mühsam für Beamte und Politiker. Denn „Die Familienunternehmer“ können ihnen ganz schön lästig werden. Es verbindet sich Sachkenntnis mit persönlichem Engagement. Und dann kommt noch die nervtötende Ordnungspolitik dazu! Unter Adenauers Führung attackierte der Verband Steuern und Staatsschulden, Subventionen und Euro-Lavieren. Mit Goebel dürfte das nicht anders werden. „Ich bin manchmal mit meiner Meinung zu direkt“, sagt der 56-Jährige. „Politische Diplomatie muss ich erst noch üben.“ Das verspricht nicht nur viel Schall, sondern auch Rauch.

Kampf um Bewerber

Der Inhaber der Firmengruppe Henkelhausen aus Krefeld, die Industriemotoren veredelt und wartet sowie kleine Blockheizkraftwerke und Notstromaggregate liefert, erlebt mit seinen 170 Mitarbeitern fast alles, was Eigentümer-Unternehmer beunruhigt. „Fachkräftemangel ist unser größtes Problem.“ Also hat er nicht nur fast 20 Prozent Auszubildende, er müht sich auch um Lernschwache. Zwei pensionierte Berufsschullehrer machen die Nachzügler fit in den prüfungsrelevanten Fächern. Goebels Erfahrung: „Die besten Lehrlinge sind die Kinder von Landwirten, die haben mit sechs Jahren schon ihr Überlebenstraining gemacht.“ Das Handwerk hält Goebel hoch. „Bei uns verdient ein Monteur mit 25 Jahren mehr als ein kaufmännischer Angestellter – aber er hat eben schwarze Hände.“

Der Kampf um die Bewerber ist schwer genug. „Wir konkurrieren mit Autohäusern, mit Porsche, Daimler, BMW. Das ist Glamour pur.“ Also tingelt Goebel durch die Schulen, erzählt vom Unternehmerdasein, hat nun eine Partnerschaft mit einer Gesamtschule geschlossen. Die Firma spendet Motoren für den Physikunterricht, bietet ein Bewerbertraining an. Und weil er in seiner Werkhalle auf Erfahrung nicht verzichten will und kann, sind zwölf seiner Mitarbeiter älter als 65 Jahre; der Senior zählt gar 78 Jahre. Ein guter Familienunternehmer, so Goebels Credo, „sorgt für die Firma und seine Mitarbeiter wie für seine Familie“.

Niederlagen als Mahnung

So viel Gesamtverantwortung erwartet der Spross einer Sippe mit 500 Jahren Unternehmertradition auch von der Politik: „Ich hoffe, dass die Wahltaktiererei aufhört. Man hat ja zweimal ganz massiv die Quittung bekommen.“ Die schwarz-gelben Niederlagen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sieht er als Mahnung. Und nennt es „erschreckend, wie wenig die Bundesregierung vom Koalitionsvertrag umgesetzt hat – nämlich fast nichts“. Für seine Klientel fordert er „keine Privilegien, sondern nur faire Rahmenbedingungen für alle“.

Immerhin, einmal hat Goebel jüngst schon vom Geschehen im Bundestag profitiert. Als dort unlängst der Strom ausgefallen war, riefen sofort etliche seiner Kunden an, um Wartungsverträge für ihre Notstromaggregate abzuschließen.

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