Berlin intern: Lange Leitung statt kurzer Draht

kolumneBerlin intern: Lange Leitung statt kurzer Draht

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Angela Merkel betreibt zwar mit Energie Machtpolitik, aber leider nicht mit Macht Energiepolitik.

Das Gespräch im Kanzleramt war ein Erfolg. Nicht dass man sich inhaltlich nähergekommen wäre. Aber es hat wenigstens stattgefunden, endlich einmal. Seit Monaten herrschte Funkstille zwischen der Energiewirtschaft und der Bundeskanzlerin.

Es ist kein einfaches Verhältnis zwischen Angela Merkel und den Vorstandsvorsitzenden der großen Energieversorger. RWE-Chef Jürgen Großmann ist genau der Typus Manager, dem Merkel skeptisch gegenübersteht. Denn Großmann ist nicht nur Kumpel ihres SPD-Vorgängers Gerhard Schröder, sondern auch dem Altkanzler ähnlich: extrem selbst- und genussbewusst. Die Lebemann-Attitüde ist nichts für die still-raffinierte Frau aus Templin.

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Peter Villis, der Herr über den südwestdeutschen Versorger Energie Baden-Württemberg (EnBW), sitzt nicht nur weit weg von Berlin. Sein Unternehmen wird maßgeblich vom französischen Staatskonzern Électricité de France (EdF) beherrscht und steht schon deshalb unter besonderer Beobachtung.

Tuomo Hattaka hat Merkel sogar nachhaltig verärgert. Mitten in den Wahlkampf der Union hinein hatte Hattakas Vattenfall-Konzern mit der amateurhaften Nichtbewältigung der Störfälle in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel den Pro-Nuklear-Kurs der bürgerlichen Parteien zum politischen Risiko gemacht. Dabei hatte Merkels damaliger Generalsekretär und heutiger Kanzleramtschef Ronald Pofalla die Kernkraft sogar kurz mal als Öko-Energie gepriesen.

Der frühere E.On-Lenker Wulf Bernotat hatte auch keinen kurzen Draht zur Regierungschefin. Vom Nachfolger Johannes Teyssen hat Merkel noch kein genaues Bild.

Aber die Kanzlerin hat ohnehin seit Jahren Vorbehalte gegen die gesamte Energiebranche. Zu oft sah sie sich schon als Umweltministerin im Kabinett Helmut Kohl von den Stromern düpiert – beim Klimaschutz genauso wie bei der Atomkraft. Dass die großen vier später mit Rot-Grün den Atomausstieg vereinbarten, hat ihr Misstrauen noch gesteigert.

Da war es nicht verwunderlich, dass sie erst mit Verzögerung und nur zaghaft ihren Bundesumweltminister zur Ordnung rief, als der ein schnelles Ende der Kernenergie in Aussicht stellte. Zu welcher Laufzeit-Verlängerung sie tendiert, hat die Bundeskanzlerin noch nicht preisgegeben. Merkel betreibt mit Energie Machtpolitik, aber nicht mit Macht Energiepolitik.

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