Berlin intern: Lesen in der Filtertüte

kolumneBerlin intern: Lesen in der Filtertüte

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Wochenlang galt jede noch so abstruse Spekulation als heiße Nachricht. Ein Beispiel medialer Volksverdummung.

Jetzt sind die Namen endlich raus, das heitere Ministerraten ist zu Ende. Frank-Walter Steinmeier, der scheidende SPD-Außenminister, hatte sich schon im Wahlkampf amüsiert, dass es mit Guido Westerwelle und Karl-Theodor zu Guttenberg zwei sichere Nachfolger gebe: „Was wird das für ein Getümmel an meinem Schreibtisch.“

Sein Genosse Peer Steinbrück sah gleich fünf angeblich gesetzte Bewerber für das Amt des Finanzministers durch Gazetten und Sender geistern. Nicht nur die heißen Aspiranten Thomas de Maizière und Hermann Otto Solms, sondern auch die Kollegen zu Guttenberg (Wirtschaft), Wolfgang Schäuble (Innen) sowie Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch.

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Allerdings galten Letztere auch schon als EU-Kommissar, Koch teilte sich zudem noch das Wirtschaftsressort mit zu Guttenberg und dem FDP-Mann Rainer Brüderle. Der wiederum avancierte auch zum Chef bei Verkehr sowie Verbraucherschutz und leitete – vielleicht halbtags? – die FDP-Fraktion. Natürlich zusammen mit den ebenfalls genannten Solms, FDP-General Dirk Niebel und Präsidin Birgit Homburger. Andererseits wusste man, dass Kanzleramtschef de Maizière gern ein ausgewachsenes Ressort hätte, der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Norbert Röttgen, ihn gern beerben oder als Bildungsminister grüßen wollte, und CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer das Verkehrsressort anpeilte.

Verwirrung komplett

Wer nun verwirrt ist, denkt ganz gesund und normal.

Die Auflösung des Chaos ist einfach. Es waren Gleichungen mit viel zu vielen Unbekannten – trotz der bekannten Namen. Mehr als Plausibilitätsüberlegungen hatte kaum jemand zu bieten – und plausibel ist vieles.

Beispiel Finanzressort: Für de Maizière sprach das enge Vertrauensverhältnis zu Merkel, für Koch und Schäuble Verhandlungsstärke sowie finanzpolitische Detailkenntnis. Solms war als politischer Erfinder des Stufentarifs bei den Liberalen gesetzt. CSU-Vorsitzender Horst Seehofer fände vielleicht Gefallen daran, den Strahlemann zu Guttenberg erst mal für ein paar Jahre mit riskanter Detailarbeit als Rivalen ruhigzustellen.

Keine direkten Zusagen

Solange nicht einmal der Zuschnitt der Häuser klar war, reichte es kaum für Kaffeesatzleserei. Meist blieb es beim Blick in eine leere Filtertüte. Wie weit die Unwissenheit reichte, zeigten die Fragen angeblich gesetzter Bewerber, was denn der Journalist so höre?

Denn eines hat sich Westerwelle von Angela Merkel abgeschaut: Direkte Zusagen hatten beide nicht gemacht.

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