Berlin intern: Mammon statt Mumie

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Wolfgang Ischinger: Als Botschafter in Washington brillierte er.

Kolumne von Henning Krumrey

Deutsche Diplomaten drängen in die Wirtschaft. Nach der Pensionierung wollen sie ihren schwarz-rot-goldenen Dienst versilbern.

Früher war das Pensionärsleben der Ex-Diplomaten überschaubar. Man war Mitglied in den Freundesgesellschaften jener Länder, in denen man stationiert gewesen war, schaute vielleicht gelegentlich bei Veranstaltungen der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik vorbei und engagierte sich ehrenamtlich für Fragen der Bildung oder Völkerverständigung. Und einmal im Jahr ging man zum „Mumientreff“, so heißt das Seniorenkränzchen des Auswärtigen Dienstes despektierlich unter den Aktiven im Ministerium.

Heute ist alles anders. Die Ex-Diplomaten sind rüstig, voller Tatendrang – und stoßen auf wachsenden Bedarf der Wirtschaft. Wer den Erfahrungsschatz zwischen Etat und Etikette anzapfen will, klickt einfach auf „Diploconsult.de“ , und schon öffnet sich die Expertise für den zahlenden Kunden.

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Auf der gemeinsamen Internet-Seite verdingen sich 26 Ruheständler des Auswärtigen Dienstes als Experten für ihre früheren Stationierungsorte, für Fachprobleme und fürs Protokollarische. Manche von ihnen betreiben auch eigene Firmen. Bernd Mützelburg beispielsweise, der Sicherheitsberater von SPD-Kanzler Gerhard Schröder und zuletzt Botschafter in Neu-Dehli, hat die „Ambassadors Associates – International Networking GmbH“ gegründet. Bernhard Edler von der Planitz bietet mit seiner Firma Planitz&Partner auch Schulung in gesellschaftlicher Etikette, schließlich war er jahrelang Protokollchef der Bundesregierung.

Als Einzelkämpfer empfiehlt sich Michael Gerdts, der im Herbst 2012 aus dem Amte schied. Gerade hat der frühere Pressesprecher von Außenminister Klaus Kinkel eine größere Studie über Investitionsmöglichkeiten in Kenia für ein großes deutsches Industrieunternehmen fertiggestellt. Nairobi war nämlich Gerdts’ erste Auslandsstation nach der aufreibenden Zeit an der Seite Kinkels. Später kamen noch Auslandsposten in Polen und Italien dazu. „Wir Diplomaten sind darauf getrimmt, uns in die Mentalität des Gegenübers einzudenken“, wirbt er für den Erfahrungsschatz seiner Zunft. „Der größte Fehler deutscher Unternehmen besteht darin, ganz geradeaus einen fairen Vorschlag auf den Tisch zu legen und zu erwarten, dass die Gesprächspartner den auch gut finden müssen.“

Exponent diplomatischer Wiederverwertung ist Wolfgang Ischinger. Als Botschafter in Washington brillierte er und konnte Schröders Nein zum Irakkrieg fast in eine politische Glanzleistung ummünzen. Ischinger blieb einfach in seiner internationalen Mission und wechselte 2008 nur den Arbeitgeber – vom Auswärtigen Amt zur Allianz SE. Noch heute ist er dort zuständig für die Regierungsbeziehungen in aller Welt.

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Joachim Bitterlich tat es ihm bald nach. Den Sicherheitsberater von Helmut Kohl verschlug es 1998 nach dem Regierungswechsel zu Rot-Grün aus dem Kanzleramt zunächst zur Nato nach Brüssel und dann nach Madrid. Aus dem einstweiligen Ruhestand verdingte sich der gebürtige Saarländer, verheiratet mit einer Französin, beim französischen Wasser- und Verkehrskonzern Veolia, wo er bis 2012 blieb.

Auch die Deutsche Bank sicherte sich mit Thomas Mattussek die Dienste eines Spitzendiplomaten, der vom Büroleiter Kinkels zum Botschafter in Großbritannien, bei den Vereinten Nationen und in Indien aufgestiegen war. Das Frankfurter Geldhaus machte den Junggebliebenen zum Cheflobbyisten. Heute leitet er die Alfred-Herrhausen-Gesellschaft, den gesellschaftspolitischen Arm der Bank. Ganz diplomatisch.

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