Berlin intern: Nachwuchs für die Wirtschaftsverbände

kolumneBerlin intern: Nachwuchs für die Wirtschaftsverbände

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Kurzer Weg zur Macht - DIHK-Favorit Schweitzer hat die große Politik vor der Tür

Kolumne von Henning Krumrey

Die Spitzenorganisationen der Wirtschaft stecken mitten im Generationswechsel. Nur die Arbeitgeber bilden den demografischen Wandel perfekt ab.

Es geht um vieles, aber stets um das eine. Es wird geflüstert und gesäuselt, manches läuft im Hinterzimmer, es geht um Gunst – und natürlich um Geld. Es ist das älteste Gewerbe, das von und mit der Politik lebt: der Lobbyismus. In die professionelle Einflussnahme, die stark auf Erfahrung basiert, kommt nun ein Schuss Jugendlichkeit. Denn die großen Wirtschaftsverbände stehen vor einem Generationswechsel. Bei dreien ist die Verjüngung schon beschlossen.

Den Anfang machte der Bundesverband der Deutschen Industrie. Präsident Hans-Peter Keitel, 64, verzichtet auf die Ausnahme einer dritten Amtszeit. An seine Stelle tritt der erst 52-jährige Familienunternehmer Ulrich Grillo. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag wird es im November voraussichtlich mit einem Zahlendreher versuchen: Beste Chancen auf die Nachfolge des ebenfalls 64 Jahre alten Hans Heinrich Driftmann hat Eric Schweitzer, 46. Er führt zusammen mit Bruder Axel die Entsorgungs- und Rohstoffgruppe Alba. Sein Vorteil: Mit Firmensitz in Berlin kann er jederzeit Politiker, Ministeriale und Abgeordnete treffen, und als Präsident der heimischen Kammer hat er die letzten acht Jahre genutzt, enge Kontakte auch zur Bundesebene aufzubauen. Auf Wunsch der Kanzlerin sitzt er im Rat für nachhaltige Entwicklung.

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Zwar hielt er jüngst die Zwangsmitgliedschaft in den Kammern für nachrangig, was ihm Gegenwind in der eigenen Gefolgschaft einbringt. Aber sein möglicher Konkurrent Paul Bauwens-Adenauer, Präsident in Köln, hat es nach umstrittenen Grundstücksgeschäften mit dem Land NRW noch schwerer. Und: Für den Fall eines Regierungswechsels ist ein Ex-FDP-Mitglied für einen Spitzenverband immer noch günstiger als ein Altkanzler-Enkel und Vorsitzender des CDU-Wirtschaftsrates an Rhein und Ruhr.

Die Satzungskeule der ZDH

Handwerks-Meister Otto Kentzler trifft, selbst wenn er noch bleiben wollte, gleich doppelt die Satzungskeule, die es nur beim bodenständigen Zentralverband ZDH gibt: Ein Präside darf bei seiner Wahl höchstens 68 Jahre alt sein, der Chef höchstens zwei Mal wiedergewählt werden. Der 70-jährige Kentzler amtiert aber schon seit 2004. Der Klempner nimmt die Regierung nur noch bis Ende 2013 in die Zange.

Bleibt, wie schon so lange, Dieter Hundt. 16 Jahre – eine Zeitspanne, nach der selbst Helmut Kohl abgelöst wurde – führt der 73-Jährige bereits die Arbeitgebervereinigung BDA. Zwei Mal dachte er ans Aufhören, aber dann ging es nicht und er auch nicht. Wegen der Wirtschaftskrise, wegen der unsicheren politischen Lage, heißt es im Hause. Draußen dagegen wird spekuliert, er habe vor allem einen ganz bestimmten Nachfolger verhindern wollen: Martin Kannegiesser, Vormann des Branchenbundes Gesamtmetall. Der gilt als äußerst gewiefter Tarifpolitiker und Brückenbauer. Bevor Kannegiesser nicht alle Stege abgebrochen habe, werde Hundt nicht weichen.

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Nun aber könnte sich der Schwabe aufs Altenteil vorbereiten. Denn auch Gesamtmetall tauscht Erfahrung gegen Erfolgshunger. Kannegiesser hat sich entschieden, bei der Wahl im September nicht wieder anzutreten. Als Nachfolger schlägt der 70-Jährige der Mitgliederversammlung den Präsidenten des Regionalverbands Südwest vor: Rainer Dulger, gerade mal 48 Jahre alt. Infrage kommt nur, wer schon einen bundesweit wichtigen Pilotabschluss zustande gebracht hat. Da kann der Mann aus Heidelberg auf die Tarifverhandlungen dieses Frühjahrs verweisen. Der Name von Dulgers Firma lässt jedenfalls erwarten, dass er perfekte Lobbyarbeit liefern wird: ProMinent Dosiertechnik.

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