Berlin intern: Parteien greifen nach den Sternchen

ThemaWahlen 2017

kolumneBerlin intern: Parteien greifen nach den Sternchen

Kolumne von Henning Krumrey

Was jedem Markenartikler recht ist, ist den Parteien billig. Zur Werbung setzen sie auf große Namen und prominente Gesichter: Du bist ein Star, bring mich hier rein.

Beim Einseifen greift Bundestrainer Jogi Löw zu Nivea, Olli Kahn empfiehlt die Gelenksalbe Mobilat, wenn’s schmerzfrei zugehen soll. Die Parteien machen es im Wahlkampf genau umgekehrt: Zum schmerzfreien Einseifen des Wahlvolks setzen sie auf prominente Persönlichkeiten.

Die SPD hat vor Jahren angefangen, weil sie immer Schriftsteller, Schauspieler und Wissenschaftler mit sozialdemokratischer Neigung an der Hand hatte, Linksintellektuelle genannt. Nicht alle hielten auf Dauer, was sich die Genossen davon versprachen. Einer hatte sogar vergessen, dass er bei der SS war – voll Grass. Aber dafür konnte die SPD ja nix. Diesmal hält sich Deutschlands älteste Partei noch zurück und umgab sich auf ihrer Berliner Geburtstagssause mit Sangeskünstlern, die der Vorsitzende Sigmar Gabriel noch aus seiner Zeit als Pop-Beauftragter der Genossen zu kennen schien: Dauerröhre Nena, die Prinzen (für den Ostfaktor) und – als größter Schlager im SPD-Programm – Roland Kaiser.

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Tauchsieder Der Plural als Wahlkampfformel

Am 22. September ist Bundestagswahl. Neu ist diesmal, dass wir nicht mal wieder wählen gehen, um uns regieren zu lassen. Sondern dass wir regiert werden, um uns mal wieder wählen zu lassen.

Ich, Du, ErSieEs, Wir, Ihr, Sie - das sind ja nicht nur Platzhalter, die ein echtes Nomen ersetzen ( pro nomen eben), sondern auch: Wahlkampfformeln. Quelle: dpa

Die Union dagegen tat sich früher schwer mit vorzeigbaren Namen. Beim Stoiber-Wahlkampf 2002 hatten seine Helfer schon stolz angekündigt, diesmal werde man die Sozi-Riege in den Schatten stellen – aber dann sahen die Schwarzen keine Sonne. Still und heimlich beendeten sie das Projekt.

Angela Merkel kann da 2013 schon mehr vorweisen. Heiner Lauterbach zum Beispiel, obwohl die Kanzlerin eigentlich nicht in das Beuteschema des Macho-Mimen passt. Oder Promi-Frisör Udo Walz, der seinem berühmtesten Bob die Treue hält. Auch die Boxerinnen Ina Menzer und Regina Halmich sind dabei, von denen die CDU-Chefin den fiesesten Schlag gelernt hat: Mit etlichen linken Haken hat Merkel dem Kontrahenten Peer Steinbrück seine Themen aus der Hand geschlagen.

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Die Unterstützerriege der FDP liest sich wie ein deutsches Firmenverzeichnis. Es sind vor allem Patriarchen, die inzwischen aus der aktiven Führung ausgeschieden sind: Der Pharmaunternehmer und frühere DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun ist dabei, Jürgen Heraeus, Aufsichtsratschef des gleichnamigen Technologiekonzerns, und August Oetker, 28 Jahre lang geschäftsführender Gesellschafter der Back- und Puddingholding. Komplettiert wird der Bund der Bellheims durch Berthold Leibinger, Seniorchef des Maschinenbauers Trumpf, und den früheren BDI-Präsidenten Michael Rogowski. Besonders auffällig: Ex-Bundesbank-Vorstand und Euro-Rettungskritiker Jürgen Stark, einst Staatssekretär des CSU-Bundesfinanzministers Theo Waigel. Aktuelle Chefs und angestellte Manager wagen meist kein politisches Bekenntnis, weil sie um öffentliche Aufträge oder Einfluss fürchten. Zwei immerhin trauen sich, die Unternehmensberater Jochen Kienbaum und Roland-Berger-Chef Burkhard Schwenker. Bei Strategie und Personal waren sie der FDP aber wohl nicht behilflich. Sie alle unterstützen die Anzeigenkampagne („Deutschland braucht die Liberalen“) der Düsseldorfer Anwältin Hergard Rohwedder, die für die FDP-Zweitstimme wirbt.

Sogar einen hauptberuflichen Schauspieler können die Liberalen vorweisen. Sky du Mont, der schon Werbespots und Telefonwarteschleifen für die Partei sprach, lädt zusammen mit Gleichgesinnten zum Spendensammeldinner. Kleiner Schönheitsfehler: In seiner bekanntesten Rolle, im „Schuh des Manitu“, spielte er den geldgierigen Fiesling Santa Maria. Statt Gangstern nähme man doch besser Verdiener.

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