Berlin Intern: Philipp Rösler setzt auf Transparenz

kolumneBerlin Intern: Philipp Rösler setzt auf Transparenz

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Der Wirtschaftsminister will ein klareres Profil für sein Ressort: Wachstum, Technik, Marktwirtschaft. Ein neuer Führungsstil und kreative Beamte sollen ihm dabei helfen.

Um den neuen Ton zu vermitteln, schlüpfte Philipp Rösler beim FDP-Kollegen Guido Westerwelle unter. In der Villa Borsig, dem Gästehaus des Auswärtigen Amtes, versammelte der Wirtschaftsminister am Mittwoch vorvergangener Woche Staatssekretäre und Abteilungsleiter zum ersten "Führungskräftedialog" in der Geschichte des Hauses. Von 10 Uhr in der Früh bis nach dem Abendessen saß die Spitze zusammen und erarbeitete ein Leitbild, das Rösler dem Ressort im Stil fortschrittlicher Managementkultur verpasst: "Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie steht für eine wachstumsorientierte, ordnungspolitische Ausrichtung der Wirtschaftspolitik in Deutschland und Europa. Mit offenen Märkten, Wettbewerb und einer stabilen Währung. Mit gut ausgebildeten Fachkräften, bezahlbahrer Energie, Akzeptanz für neue Technologien und neue Märkte", schrieb Rösler den rund 1800 Mitarbeitern.

Beim Führungstreff musste jeder Abteilungsleiter das wichtigste Thema für das Haus nennen. Kleines Handicap: Der eigene Bereich, schon zur Sicherung der Planstelle natürlich unverzichtbar, war tabu. Die Spartenchefs sollen Kästchendenken gegen den Blick fürs Ganze tauschen. Jürgen Streeck erschreckte seine Kollegen mit dem Vorstoß, pfiffige Ideen direkt bei der Hausleitung anzulanden. Der Mann hat gut frei denken, schließlich führt er die Verwaltung, keine Fachabteilung. Gänzlich auf den Dienstweg will Rösler freilich nicht verzichten – "dazu war ich zu lange Soldat". Ideen für den eigenen Bereich nehmen die übliche bürokratische Eskalationsleiter: Referats-, Unterabteilungs- und Abteilungsleiter, Staatssekretär.

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Der Geistesblitz für das Geschäft der Nachbarn aber ist künftig nicht mehr beim Zuständigen einzuspeisen. Denn ob der ihn dann beförderte, als seinen eigenen ausgab oder niederschlug, erfuhr niemand. Hier wird der Dienstweg neu gepflastert: Künftig sollen die Einfallsbeamten inhaltliche Querschläger der neuen Leitungsabteilung unter dem Rösler-Vertrauten Stefan Schnorr melden.

Der junge Minister – bald 100 Tage im Amt, aber noch selten im Rampenlicht – setzt auf Transparenz. Teile seines Terminkalenders schickt er den Abteilungsleitern, damit diese wissen, was läuft. "Die Vorgänger haben da immer ein Geheimnis draus gemacht, das fand ich doof", erinnert sich einer der Spitzenbeamten. "Da hieß es: Wenn ein Beitrag gewünscht wird, dann wird er abgefordert." Nun sind ungefragte Tipps willkommen.

Schon zwei Tage nach dem Führungstreffen ruft Rösler die rund 100 Unterabteilungs- und Referatsleiter in der Aula des Ministeriums zusammen, bald darauf jene am Dienstsitz Bonn. Der neue Ton kommt gut an. Etliche Referatsleiter melden sich zu Wort, wittern die Chance, mit frischen Ideen vorzustoßen. Vergangenen Mittwoch schließlich fügte die‧Führungscrew die Versatzstücke zum neuen Leitbild zusammen. "Vier Schwerpunktbereiche" definiert das Ressort nun für sich: "Deutschland und Europa am ordnungspolitischen Kompass orientieren, Kompetenz und Kreativität der Menschen nutzen, Innovationsfreude und Technologieoffenheit fördern und Rahmenbedingungen für weltweit erfolgreiche Unternehmen gestalten."

Röslers Ziel: "Wir wollen künftig noch klarer wahrgenommen werden." Muss er nur noch in der Koalition durchsetzen.

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