Berlin Intern: Pomp, Geld und Elefanten

kolumneBerlin Intern: Pomp, Geld und Elefanten

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Kanzlerin Angela Merkel zusammen mit Chinas Premierminister Wen Jiabao bei einer Pressekonferenz.

Kolumne von Christian Ramthun

Beim Besuch von Wen Jiabao ging es hauptsächlich ums Geschäft. Die Menschenrechte nervten den Botschafter, der sich in ein Gleichnis flüchtete und verhedderte.

Großes Kino erlebte die Hauptstadt. Im Vorgarten des Kanzleramtes erklangen „Einigkeit und Recht und Freiheit“ sowie der Marsch der Freiwilligen („Steht auf! Alle, die keine Sklaven mehr sein möchten!“). Angela Merkel und Wen Jiabao schritten die Ehrenformation der Bundeswehr ab. Dann zogen sich die Bundeskanzlerin und der chinesische Ministerpräsident mit Teilen ihrer Kabinette zu den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen zurück. Für das Reich der Mitte war es ein Novum in seiner 5000-jährigen Geschichte, dass die Regierung erstens im Ausland und zweitens zusammen mit einer anderen tagte. Berlin und Peking waren einander nie näher.

Copy and Past

Vor allem ökonomisch. Die inzwischen zweitgrößte und die noch viertgrößte Wirtschaftsmacht unterzeichneten in Berlin drei Dutzend Verträge und Abkommen über 15 Milliarden Euro. Der bilaterale Handel, der 2010 bei 130 Milliarden Euro lag und in diesem Jahr 140 Milliarden erreichen kann, soll bis 2015 auf 200 Milliarden Euro klettern. Schon jetzt hat China die USA als größten außereuropäischen Handelspartner Deutschlands überholt. Nur mit Frankreich betreiben unsere Unternehmen einen noch umfangreicheren Austausch.

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Die Rolle des Billiglöhners streifen die Chinesen allmählich ab. In Berlin begründeten Merkel und Wen eine „Strategische Partnerschaft für E-Mobilität“, bei Umweltschutz, Krankenhausmanagement oder Biowissenschaften kooperieren beide Länder ebenfalls. Auch wenn die wirtschaftliche Zusammenarbeit „der wichtigste Pfeiler der deutsch-chinesischen Brücke“ (Merkel) ist, so kommen doch weitere tragende Elemente dazu.

Die ältesten Pfeiler sind – man möge staunen – der juristische und wissenschaftliche Austausch. Den Rechtsdialog gibt es nicht erst seit dem Jahr 2000, als der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einen solchen vorgeschlagen hatte, sondern er reicht ins 18. Jahrhundert bis Friedrich den Großen zurück. Bei Vergleichen mit dem 1794 verkündeten Preußischen Allgemeinen Landrecht, es gilt als Meilenstein europäischer Gesetzgebung, fand der Sinologe und Rechtsgelehrte Karl Bünger heraus, dass ganze Passagen identisch mit chinesischen Rechtstexten aus der Tang-Zeit (618 bis 907) sind. „Copy and paste“ würde man das heute nennen.

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