Berlin intern: Reisen bildet - Gefahr

kolumneBerlin intern: Reisen bildet - Gefahr

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Der Außenminister ist wieder daheim - was bleibt vom Wirbel um Guido Westerwelles Reisebegleiter?

Drei Aspekte führten zur seitenfüllenden Aufregung:

Auffällig viele Teilnehmer kannte Westerwelle schon vor Amtsantritt.Stets begleitete ihn sein Lebenspartner, der Sportmanager Michael Mronz.Auf zwei der drei größeren Touren war sein Freund und Berater Cornelius Boersch dabei, zudem Leute aus dessen Konglomerat. Ein Exmitarbeiter Boerschs koordiniert im Auswärtigen Amt die Wirtschaftskontakte.

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Dass der eigenen Person oder Partei wohlgesonnene Unternehmer im Regierungsflieger sitzen, ist keine Seltenheit. Westerwelles Vorgänger Frank-Walter Steinmeier begrüßte elf Mal den SPD-nahen Verleger Detlef Prinz. SPD-Kanzler Gerhard Schröder nahm gern Jürgen Grossmann an Bord. Der damalige Vorstand des Stahlunternehmens Georgsmarienhütte und heutige RWE-Chef hatte vorgeschlagen: „Du nimmst mich mit, ich bringe dafür guten Wein mit.“ Auf der Kanzlerreise nach Südamerika im Februar 2002 beispielsweise konsumierte das VIP-Abteil des Regierungs-Airbus Wein im Werte von 18 000 Mark; in Argentinien klinkte sich Grossmann aus dem Programm aus, um Nachschub für den Rückflug zu organisieren. CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos, von Beruf Müllermeister, nahm gern seinen Freund und Kollegen Klaus Engelke aus Hildesheim mit, einen der größten Mühlenbesitzer Deutschlands.

Partner mal zu Hause zu lassen

Allerdings: Die laxe Handhabung anderer ist kein Freibrief, noch großzügiger zu sein. Bei Westerwelle ist vieles übertrieben, eben auch die Reisebegleitung. Was auffällt: Seit er politisch aktiv ist, war er stets 150-prozentig vorsichtig. Lautstark, aber hyperkorrekt. Umso merkwürdiger, dass nun die Akkuratesse abhanden kam. Etliche Freunde mahnten ihn in den vergangenen Tagen, bei Reisen mehr Fingerspitzengefühl zu zeigen und auch Partner Mronz öfter mal zu Hause zu lassen. Seine spezielle Freundin Angela Merkel hält das Trommelfeuer für den Test von Medien und Opposition, wie viel Westerwelle aushält. Der SPD hat die FDP signalisiert, sie recherchiere die Reisen der roten Regierungsmitglieder der vergangenen elf Jahre – für alle Fälle.

In die Reiseplanung hat das Auswärtige Amt inzwischen eine zusätzliche Kontrollinstanz eingebaut. Die Liste der Wirtschaftsdelegation geht künftig über den Schreibtisch des Staatssekretärs und Westerwelle-Vertrauten Martin Biesel, der bisher nicht damit befasst war. Wenn am Ende Unternehmer nicht mehr mitreisen, weil sie Sorge haben, kompromittiert zu werden, nimmt der Standort Deutschland Schaden.

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