Berlin intern: Schnaps und Straps

kolumneBerlin intern: Schnaps und Straps

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Statt Weihnachtsgrüße zu versenden spendet die DEKRA 200.000 Euro an "Ärzte ohne Grenzen".

Kolumne von Henning Krumrey

Weihnachtsgrüße erzählen vom Absender und der Stimmung im Land. Eine Botschaft des Jahres 2011: Früher war nicht nur mehr Lametta, sondern auch mehr Humor.

Wie gut oder schlecht die Zeiten sind, kann man am ifo-Konjunkturtest ablesen, an Frühjahrs- oder Herbstgutachten des Sachverständigenrates, oder einfach an den Weihnachtskarten, die im Hauptstadtbüro anlanden.

Derzeit sind die Zeiten offensichtlich ernster, denn selten gab es so wenige fröhliche, originelle Grüße zum Feste Christi Geburt wie in diesem Jahr. Aber ein paar witzige sind schon dabei. So meldet die Pressestelle des Deutschen Handwerks neben dem erleuchteten Häuschen am nächtlichen Horizont: "Esel beschlagen, Stall gebaut, Krippe gezimmert. Nur der Stern war nicht unser Werk."

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Hoch politisch warnt die Kommunikationsagentur MANNbeisstHUND vor einer festlichen Überinszenierung. Da posiert ein strahlender Weihnachtsmann Peer Steinbrück, begleitet von Helmut Schmidt im Schnee, über der protzigen Zeile "Er kann es." Das Kleingedruckte folgt im Innenteil der Klappkarte : "Es ist schon toll, einen Fürsprecher zu haben. Aber schlecht, wenn er einem die Show stiehlt." Und weiter: "Inszenieren Sie sich nicht zu perfekt. Irgendwo liegt immer ein Schachbrett verkehrt herum." Denn auf dem Einband von Steinbrücks neuem Buch passte die Spiel-Optik nicht zum schlauen Zug.

Geschmackvolle und geschmacklose Präsente

An die Barmherzigkeit in eigener wie in fremder Sache appelliert die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. "Alles schläft, eine wacht" – die junge Apothekerin, die in tiefer Nacht mit verklärtem Blick aus ihrem Schaufenster ins Schneegestöber sinniert, die Hände an einem Kaffeebecher wärmend. Bei der Wahl zwischen Grippe oder Krippe hat sie offensichtlich den Kürzeren gezogen und den Notdienst am Heiligen Abend erwischt.

Die DEKRA, Konkurrenz des TÜV, spendet zwar lobenswert anstelle von Präsenten 200.000 Euro an "Ärzte ohne Grenzen", glänzt aber zum Fest mit gequälten Reimen: "Es riecht nach Schnee, es fall’n die Blätter, die Straß’ wird langsam glatt und glätter, ich fahre sicher, bleib in der Spur, dank DEKRA ist Fahren Sicherheit pur."

Ein geschmackliches Kettensägenmassaker verschickt der Weltmarktführer Stihl. Leicht bekleidete Damen räkeln sich neben Sägen oder Motorsensen in Wald und Flur, eine Art Pirelli-Kalender für Waldschrate. Merke: Der Werkzeugfabrikant schreibt Stil mit "h". Wie viel netter ist da die kulinarische Aufmunterung von Gerda Hasselfeldt für den harten Redaktionsalltag. Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe schickt Schinken und eine Flasche Pflaumenbrand – ganz persönliche Gaben für geschätzte Journalisten. Denn das Räucherfleisch stammt aus der Metzgerei der elterlichen Familie, den Schnaps hat Ehemann Wolfgang Zeitlmann destilliert. Der frühere CSU- Innenpolitiker, einst selbst jahrelang Bundestagsabgeordneter, hat damit sogar die magische Marke von 40 Prozent + x überschritten (genau: 42 Prozent). Das ist doch eine deutlich appetitlichere Vetternwirtschaft als beim Bundespräsidenten.

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