Berlin intern: Schüssel-Erlebnis mit Helmut Kohl

kolumneBerlin intern: Schüssel-Erlebnis mit Helmut Kohl

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

80 Jahre Helmut Kohl. Wer den "Dicken" näher kennt, nutzt die Gelegenheit, um etwas von der Prominenz auf sich zu lenken - und aufs Geschäft.

Gleich zwei Biografien kommen nun auf den Markt, obwohl es bereits 28 gibt plus sechs Bildbände. Als wüsste man nicht längst alles Wichtige über den Mann aus Oggersheim, den Kanzler der Einheit, den Einiger Europas, den Parteispendengesetzesbrecher.

In seiner „Nahaufnahme“ schlachtet der frühere stellvertretende Kanzlerbüro-Leiter Stephan Eisel sein Tonbandtagebuch aus, schildert nicht nur politische Historie, sondern vor allem Kohls Charakterzüge in zahlreichen kleinen Begebenheiten. Wie der Kanzler Tennis-As Steffi Graf nicht nach dem Wimbledon-Sieg, sondern der -Niederlage ins Kanzleramt einlud; wie sein Redenschreiber erst die Religion bemühen musste („Als Christen glauben wir auch an ein Leben vor dem Tod“), um am Nikolausabend zu seiner Familie zu dürfen; wie der als „Birne“ Verspottete als Wahlkampfanzeige ein Foto drucken ließ, auf dem er herzhaft ins Obst beißt.

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Überdimensionaler Bademantel

Altmeister Mainhardt Graf von Nayhauß, Kolumnist verschiedener Blätter und drei Jahre älter als Kohl, hat den gesamten politischen Lebensweg des Jubilars begleitet – und manche Reise des Kanzlers. Seit Jahren erzählt die Medienbranche jene Anekdote, die Nayhauß vehement bestreitet: Auf einem der Kanzler-Trips soll er – vielleicht angestachelt durch die berühmte Kohl-Sentenz „entscheidend ist, was hinten raus kommt“ – richtig Maß genommen haben: an der angeblich überdimensionalen Toilettenschüssel, die Kohl in den Regierungs-Airbus habe einbauen lassen. Als er gerade mit dem Maßband in der Hand das Porzellan taxierte, habe man ihn erwischt, und er sei für eine ganze Weile aus der Gnade des Herrn und von der Passagierliste gefallen. Ob echt oder gut erfunden: Der Graf hatte ob der Örtlichkeit eine höchst unfeine Verballhornung seines Nachnamens weg.

Wirklich überdimensional war jedenfalls der Kanzler-Bademantel, der sich nach seinem Abtritt im Flieger fand. Der damals noch ganz neue Wirtschaftsminister Werner Müller machte sich auf einer seiner ersten Reisen den Spaß, das zeltartige Erb- und Kleidungsstück überzustreifen.

Offiziell gefeiert wird übrigens auch, aber erst Anfang Mai. Und nicht in Berlin, sondern in Ludwigshafen, Kohls Heimat. Denn mehr lässt der Gesundheitszustand des Seniors nicht zu. Staat und Partei richten einen gemeinsamen Festakt aus. Ehrenvorsitzender wird er an diesem Tage jedoch nicht wieder. Die wahnwitzige Idee von Senioren- und Mittelstands-Union hat Kohl selbst gestoppt: Das Thema sei für ihn erledigt.

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