Berlin intern: Shitstorm gegen die Präsidentengattin

kolumneBerlin intern: Shitstorm gegen die Präsidentengattin

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Barbara Scheel, Ehefrau des Ex-Präsidenten Walter Scheel, steht zunehmend in der Kritik.

Kolumne von Henning Krumrey

Wieder einmal gibt es Wirbel um Präsidentengattin Barbara Scheel. Diesmal könnte der Aufruhr das greise Staatsoberhaupt Büro und Dienstwagen samt Fahrer kosten.

Kleine Tiere können großen ganz schön gefährlich werden. Das kennt man von der Maus und dem Elefanten. Diese Geschichte beginnt mit einem Stubenküken. Nun ja, richtig flauschig war es nicht mehr, eher würzig angebraten, eingekuschelt in Trüffel aus dem Perigord. Komponiert hatte das kulinarische Kunstwerk der Sternekoch Alfred Klink. Mit dem Galadiner im Freiburger Hotel Colombi, veranstaltet von der gastronomischen Gesellschaft „Chaîne des Rôtisseurs“, heimste der Pfannenmagier lauten Beifall der Gäste ein.

Nur eine ganz feine Schmeckerin mäkelte am köstlichen Federvieh herum: Barbara Scheel, Ehefrau von Altbundespräsident Walter Scheel. Der Küchenchef verteidigte sein Oeuvre, die Kritikerin schalt ihn einen „arroganten Schnösel“. Andere Gäste buhten Scheel aus. Schließlich entschwand sie in der Chauffeurslimousine des Gatten.

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Kaum hatte die „Badische Zeitung“ den Eklat zum Dessert aufgetischt, brach in deren Leserbriefspalten ein Sturm der Entrüstung los. „Es ist eine Schande, wie sich diese Dame in der Gesellschaft darstellt“, schreibt Karl-Heinz Frank. „Der Mann im Heim, Barbara allein zu Haus. Vermutlich wird der bedauernswerte Chauffeur mit ihr künftig Dinner for One spielen müssen“, ätzt Hartmut Maier. Werner Ketterer schimpft: „Es wäre folgerichtig, wenn man mal im Pflegeheim nach einem freien Plätzchen nachschaut und die Frau zu ihrem eigenen Schutz aus dem Verkehr zieht.“

Georg Ruch empfiehlt: „Vielleicht kann man die third Lady mieten, um auf festlichen Banketts mal was zu erleben. ,Feierliches 5-Gänge-Menü mit abfälligen Einlagen gegen Koch und Kellner, mit anschließendem 10-zylindrigem Abgang auf Phaeton an rot angelaufenem Chauffeur‘.“ Wahrscheinlich, mutmaßt Patrick Winter, sei Barbara Scheel auch empört gewesen, weil sie ihr Essen selber bezahlen sollte. In der Vergangenheit hatte das Ehepaar öfter bewiesen, dass es clever mit dem Geld anderer umgehen kann.

Scheel selbst bestreitet ihre Wortwahl nicht, bloß den Adressaten. Der Küchenchef habe „leider auf meine Kritik gar nicht reagiert. Da habe ich zu mir selber gesagt: So ein arroganter Schnösel.“

Aufgeschreckt durch den Wirbel prüft das Bundespräsidialamt, ob Scheels Büro in Bad Krozingen geschlossen und nach Berlin zurückverlegt wird; eventuell ließen sich die abnehmenden Aufgaben dort günstiger leisten. Zum „Büro“ gehören neben den Räumen auch die Ausstattung mit Büroleiter, Fahrer und Dienstwagen. Kosten im Schnitt der letzten drei Jahre: 180 000 Euro.

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Im Mai wird Staatssekretär David Gill ins Breisgau reisen und sich selbst ein Bild von der Lage machen. Ob ein Gespräch mit dem bald 95-jährigen früheren Staatsoberhaupt möglich ist, ist offen. Scheel, der seit rund zwei Jahren in einem Pflegeheim lebt, hat Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden. Ernsthafte Gespräche sollen kaum noch möglich sein. Allerdings lässt er sich noch einmal pro Woche in sein Büro fahren.

Nach Auskunft des Präsidialamtes steht den Partnern ehemaliger Staatsoberhäupter das Fahrzeug für private Alleinfahrten nicht zu. Auch eine Art „Vertretung“ für den Präsidenten, die Barbara Scheel für sich in Anspruch nimmt, gibt es nicht. Schon gar nicht als Aushilfsesserin für den Ehrenpräsidenten der „Chaîne des Rôtisseurs“.

Für Bad Krozingen wäre der Rückzug des Büros zumindest ein finanzieller Verlust. Die Stadt kassiert für die zweieinhalb Räume mit 80 Quadratmetern Miete.

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