Berlin intern: Steinbrück sitzt mögliche Kanzlerkandidatur aus

kolumneBerlin intern: Steinbrück sitzt mögliche Kanzlerkandidatur aus

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SPD-Politiker Peer Steinbrück

Kolumne von Cornelia Schmergal

Peer Steinbrück kommt an einer Kanzlerkandidatur kaum vorbei. Da hilft es auch nichts, wenn er sich erst mal in den Urlaub verabschiedet.

Kein Zappeln, kein Patzen, keine Terminprobleme: Ein derart diszipliniertes Modell hat selten im Atelier des Künstlers Johannes Heisig Platz genommen. An acht Nachmittagen drückte sich Peer Steinbrück hier auf einen Stuhl, um sich in Öl verewigen zu lassen. Am Ende entstand ein Porträt à la Leipziger Schule, das einen Staatsmann in Nadelstreifen zeigt. Wie der Künstler den Politiker sieht? "Als jemand, der gern ein öffentlicher Mensch ist", sagt Heisig.

Seit 2008 hängt das Gemälde mit dem verschwommenen Strich in der Ministerpräsidenten-Galerie der Düsseldorfer Staatskanzlei. Der Kontakt zwischen Maler und Modell ist geblieben. Inzwischen brachte Heisig auch das Ehepaar Steinbrück auf die Leinwand, ein ganz privater Auftrag. Am 23. August eröffnet der Politiker nun eine Heisig-Ausstellung in der Berliner SPD-Zentrale. Schließlich hat der Künstler alle großen Männer der Sozialsemokratie porträtiert: Willy Brandt, Johannes Rau, Egon Bahr. Und niemand würde daran zweifeln, dass Steinbrück sich von dieser Reihe gut gerahmt fühlt.

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Steinbrück ist ein Mann, der die Mitte begeistert

Für ihn dürfte es der erste Auftritt nach seiner persönlichen Sommerpause werden. Spitzengenossen raten ihm zu etwas mehr Zurückhaltung, seit Steinbrück sich mit einer nur halb unbedachten Bemerkung in einem Radio-Interview als Kanzlerkandidat ins Spiel brachte. Nun wird es stiller. Demnächst urlaubt Steinbrück in Cornwall.

Mehr Ruhe empfehlen die Wohlmeinenden und die Neider. Schon beim Fest der SPD-Bundestagsfraktion drängten sich die Korrespondenten in Dreierreihen um Steinbrück, auch wenn es wenig zu vermelden gab: Was der Mann trinkt (Weißwein), wer ihn begleitet (seine Tochter Anna), wie seine Laune ist (offensiv blendend). Andere potenzielle Kanzlerkandidaten konnten den Abend weitgehend ungestört verbringen. Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier beäugten den Auflauf von ferne. Mit anderen Überraschungsinteressenten für die Kanzlerkandidatur rechnet ohnehin niemand. Olaf Scholz zieht nichts aus Hamburg weg, Klaus Wowereit käme nur infrage, wenn ihm bei der Berlin-Wahl ein überwältigender Erfolg gelänge. Was keiner mehr glaubt.

In der Parteispitze heißt es, die SPD könne nur dann Wahlen gewinnen, wenn sie es aushalte, einen Kandidaten wie Steinbrück aufzustellen. Einen Mann, der die Mitte begeistert, aber für einen gestandenen Parteifunktionär schon deshalb eine Zumutung ist, weil er Klartext spricht. Steinbrücks Lieblingsvokabel lautet "Anstrengung".

Zwei Varianten möglich

Um Steinbrück gegen die Vorbehalte linker Folkloristen durchzusetzen, gäbe es nur zwei Wege. Variante eins: SPD-Chef Gabriel drückt seine Parteireform durch, sodass auch Nichtmitglieder in einer Urwahl über den Kandidaten entscheiden können. Variante zwei: Steinbrück selbst buhlt um die Basis. Dazu müsste er sich neu erfinden.

Auch Maler Heisig hat sein Steinbrück-Porträt einst neu erschaffen. Irgendetwas störte ihn, als das Bild zum ersten Mal an der Wand hing, und er nahm es noch einmal mit in sein Atelier. Er begann mit einer kleinen Korrektur in einer Ecke. Am Ende hat er das Porträt vollständig übermalt.

Mit seinem Steinbrück in Öl ist er heute sehr zufrieden.

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