Berlin intern: Steinmeiers Notenwechsel

kolumneBerlin intern: Steinmeiers Notenwechsel

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Ob Bundesverteidigungsministerin Von der Leyen und Außenminister Steinemeier außenpolitisch zusammenarbeiten oder sich ein Wettrennen nach Afrika liefern ist noch unklar

Kolumne von Henning Krumrey

Das Außenministerium lobpreist seine Kulturpolitik. Aber die Intonierung Deutschlands klingt seit dem Amtsantritt der großen Koalition dröhnender als früher.

Einst ließen sich die Blockflöten der DDR-Volksparteien hier den Takt vorgeben, nun treten Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters auf. Wo früher das Zentralkomitee der SED dirigierte, bittet Frank-Walter Steinmeier zum „winterlichen Konzert“. Aus dem einstigen Kongresssaal der Kommunisten, noch früher Kassenhalle der Reichsbank, wird an diesem Abend im Auswärtigen Amt ein Musiksalon.

Der wiedergekehrte Hausherr ist bester Laune. Im heimischen Garten blühten schon Krokusse, insofern sei der Titel nicht so recht passend. Deshalb habe man „am Eingang etwas Winter vorgegaukelt“, gesteht Steinmeier. Eisblaues Licht, Glassteine, nachempfundene Birken in rustikaler Bretterbauweise. „Sie können sich vorstellen, wie schwer es einem Haus voller Diplomaten fällt, die Dinge schöner zu reden, als sie sind.“ Gelächter, dann wird es ernst.

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Kultur sei die dritte Säule der Außenpolitik, zitiert Steinmeier seinen früheren Parteichef und noch früheren Amtsvorgänger Willy Brandt. Außenpolitik sei „die Fähigkeit, die Welt mit den Augen anderer zu sehen“. Überall auf der Welt wüchsen neue einflussreiche Mitspieler heran. „Ich bin überzeugt, dass sich die Welt nicht nur um die europäische Sonne drehen wird“, sagt Deutschlands Außenminister. Er erwartet „Traditionen und Kulturen im Wettbewerb“.

Beliebter Steinmeier Der Höhenflug des Silberschopfs

Kanzlerin Merkel, die ein starkes Wahlergebnis holte und seitdem nichts Böses, allerdings auch sonst nichts verkündete, rutscht in der Beliebtheit auf Platz zwei. Ausgerechnet Steinmeier übernimmt. Wie kann das sein?

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) überrascht mit starken Beliebtheitswerten. Quelle: dpa

Er preist die Institutionen der auswärtigen Kulturpolitik, vom Deutschen Akademischen Austauschdienst über die Goethe-Institute und die Deutsche Welle, die das Konzert mit organisiert, bis zu den über 100 Auslandsschulen. Sie alle hülfen einander zu verstehen, „wenn Vermerke und Formeln, die zwischen Außenministerien ausgetauscht werden, wenn das alles versagt“. Und er ergänzt: „Wie breit die auswärtige Kulturpolitik ist, werden Sie hoffentlich bald sehen, wenn das Morden in Syrien aufhört und das Deutsche Archäologische Institut eingeladen wird, die gefährdeten historischen Stätten zu retten.“ Die Altertümler gehören organisatorisch zu Steinmeiers Reich.

Wettlauf oder Koalition?

Im Publikum sitzt auch Bassam Abdullah, der Botschafter der Syrischen Nationalen Koalition. Den freut natürlich die freundliche Erwähnung, aber noch mehr als die Rettung der Kulturgüter interessiert ihn stärkere Unterstützung für die Opposition gegen Schlächter Assad. „Aber die Kontakte werden enger“, sagt er in perfektem Deutsch. Seit neun Jahren arbeitet er als Mediziner in Berlin, baut seinen Facharzt.

Die verbindenden Worte Steinmeiers und die friedliche Musik des Abends kontrastieren mit dem neuen Leitbild einer aktiven – sprich: offensiveren – Außenpolitik, das der Minister auf der Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Januar gezeichnet hatte. Mit Rückendeckung von Bundespräsident Joachim Gauck, der ähnlich argumentiert, wirbt Steinmeier für ein stärkeres – zur Not auch militärisches – Engagement, insbesondere an der Seite Frankreichs. Nicht ganz klar identifizierbar ist, ob die beiden zusammen mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die im neuen Amt ebenfalls rhetorisch expandiert, eine Koalition der Entschlossenen gebildet haben oder sich einen Wettlauf nach Afrika liefern.

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Das musikalisch-politische Schwergewicht des Abends jedenfalls ist das Streichquartett op. 10 von Claude Debussy, der kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges starb, „unter schwerem Beschuss der deutschen Frühjahrsoffensive“ (Steinmeier).

Wer weiß, vielleicht stehen beim nächsten Winterkonzert schon Werke afrikanischer Komponisten auf dem Programm.

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