Berlin intern: Süße Mäuse - in der Wirtschaft ein Kündigungsgrund

kolumneBerlin intern: Süße Mäuse - in der Wirtschaft ein Kündigungsgrund

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Die Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends wirft Partei Sexismus vor.

Kolumne von Gregor Peter Schmitz

Die Berliner CDU hat ein Sexismusproblem, das belegen die Schrift von CDU-Politikerin Behrends und vor allem die Reaktionen darauf. Kaum eine Überraschung: Politik ist eben schlüpfriger als Wirtschaft.

Das Bundesfamilienministerium tat am Montag, was seine Aufgabe ist: Es verurteilte Sexismus, in aller Form. „Viele Frauen erleben Sexismus im Alltag und am Arbeitsplatz“, verkündete eine Ministeriumssprecherin. Es sei mutig, wenn Frauen dies offen ansprächen. Weniger mutig war vom Ministerium, nicht direkt anzusprechen, was die Wortmeldung ausgelöst hatte: eine seltsame Sexismusdebatte in der Berliner CDU.

Die offenbart nämlich mal wieder, dass die verdruckstesten Arbeitsplätze offenbar noch immer in der deutschen Politik zu finden sind. Schon die (An-)Klageschrift der jungen CDU-Politikerin Jenna Behrends, 26, liest sich wie ein Groschenroman. Behrends berichtet in einem offenen Brief, ihr sei unterstellt worden, sich politisch hochschlafen zu wollen. Auch schildert sie einen Senator – mittlerweile als CDU-Mann Frank Henkel enttarnt – der sie als „große süße Maus“ begrüßt und einen Kollegen vor ihrer Nominierung gefragt habe: „Fickst du die?“ Trost von ihrem Ortsvorsitzenden erfuhr Behrends anscheinend nicht. Der habe nur erklärt, solche Vorfälle seien Teil des politischen Auswahlprozesses. Wer damit nicht klarkäme, sei für kein politisches Amt geeignet.

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Die Reaktionen ließen den Groschenroman endgültig schmierig werden. Der ertappte Henkel nannte, eher beleidigt-vorwurfsvoll, die ganze Angelegenheit enttäuschend, man habe Quereinsteigerin Behrends schließlich eine Chance gegeben. CDU-Generalsekretär Peter Tauber freute sich erst, endlich würden Namen genannt, was Ermittlungen sonst erschwere. Dann musste er zugeben, selbst mit Behrends „geflirtet“ zu haben, natürlich rein freundschaftlich. Dass Tauber, wie unterdessen herauskam, früher mit Parteifreunden im Main-Kinzig-Kreis E-Mails ausgetauscht hatte, welche Nachwuchsfrau für die Partei ein optischer Gewinn sei, half seinem Gesamteindruck ebenfalls nicht.

Diese Länder haben den höchsten Anteil von Frauen in Führungspositionen

  • Moldawien

    44,1 Prozent

  • Bahamas

    44,4 Prozent

  • Guatemala

    44,8 Prozent

  • Lettland

    45,7 Prozent

  • Weißrussland

    46,2 Prozent

  • Panama

    47,4 Prozent

  • Phillipinen

    47,6 Prozent

  • Santa Lucia

    52,3 Prozent

  • Kolumbien

    53,1 Prozent

  • Jamaika

    59,3 Prozent

In den meisten Unternehmen wäre so ein Verhalten ein Kündigungsgrund. Vor allem börsennotierte Konzerne verstehen keinen Spass, sobald es schlüpfrig wird. Die Liste von Topmanagern, die für Affären mit Untergebenen, Belästigung oder sonstiges unziemliches Gebaren gehen mussten, reichen von HP bis BP. Ein Boeing-Chef, der sich in eine Mitarbeiterin verguckt hatte, verlor ebenfalls den Job. Ihm fehle das „nötige Urteilsvermögen“. Selbst der lange unantastbare Gründer des höchst profitablen US-Senders Fox, Roger Ailes, musste gerade seinen Posten räumen, nachdem Moderatorinnen ihm sexuelle Belästigung vorgehalten hatten (freilich erhielt Ailes 40 Millionen Dollar Entschädigung).

Natürlich sind auch Unternehmen keine Mädchenpensionate. Doch schon aus wirtschaftlichem Interesse besteht mehr Transparenzdruck. In Frankreich und Italien, bei uns als Machokulturen verschrien, gab es von Politikerinnen Aufschrei-Bewegungen nach ähnlichen Standards. In Deutschland war der nur kurz 2013 zu hören, nachdem FDP-Urgestein Rainer Brüderle einer jungen Journalistin bescheinigt hatte, sie könne ein Dirndl auch ausfüllen. Die liberale Vorzeigefrau Katja Suding sagt nun nach den Vorfällen in Berlin, in ihrer Partei habe das zu einer neuen „Sensibilität“ bei dem Thema geführt. Immerhin. Braucht es also in der deutschen Politik ein, zwei, viele Aufschreie?

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