Berlin intern: Szenen einer Ehre

kolumneBerlin intern: Szenen einer Ehre

Bild vergrößern

Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Zwei Seiten einer Freiheitsmedaille: Die Zeremonie erlaubte tiefe Einblicke in das Ansehen der deutschen Politiker – hinter Angela Merkel kommt lange nichts.

Wo sonst Squirrels hoppeln, die possierlichen grauen Eichhörnchen, liegt schwerer Teppich. 22 Zehnertische verdecken die Blumenrabatten. Der sonst so idyllische Rosengarten, nach dem Oval-Office das protokollarisch Allerheiligste im Weißen Haus, ist nicht wiederzuerkennen. US-Präsident Barack Obama hat zum State Dinner geladen, zum festlichsten Bankett.

Die Freiheitsmedaille, die er Kanzlerin Angela Merkel überreicht, ist Amerikas höchste zivile Auszeichnung, meist für Einheimische. „Nur wenige andere haben sie erhalten“, preist Obama, „Papst Johannes Paul II., Nelson Mandela, Helmut Kohl.“ In der Tat eine stattliche Ahnenreihe. Obama berichtet vom „Mädchen namens Angela“, das in der DDR wegen des kirchlichen -Elternhauses nicht Sprachen studieren durfte. So sehr überschlägt er sich, dass die Wahrheit verpurzelt. „In der Nacht, als die Mauer fiel, ging sie über die Grenze, so wie viele andere“, berichtet der Hausherr den ergriffenen Gästen. In Wahrheit hörte Merkel nach einem Saunabesuch die Nachricht von der Grenzöffnung und ging dann schlafen. Erst am nächsten Tag machte sich die stets lange Abwägende auf den Weg.

Anzeige

"Es klickt nicht mehr"

Ein bunter Strauß von Gästen sitzt im Rosengarten beisammen. Google-Chef Eric Schmitt ist dabei, auch der oberste Richter der Vereinigten Staaten. Merkel hat den Fernsehunterhalter Thomas Gottschalk im Gepäck, der aus Berlin anreist, nicht von der Wahlheimat Malibu. Der offiziellen Kleiderordnung folgt der extravagante Blondschopf auf seine Weise: Statt des vorgeschriebenen Smokings trägt er seine gemusterte schwarze Ausgeh-Lederhose samt Cowboy-Stiefeln.

Der Umgang mit den Gästen lässt tief blicken. Merkel sitzt natürlich am Ehrentisch ganz vorn; die mitgereisten deutschen Kabinettsmitglieder dagegen ziemlich weit hinten. Wirtschaftsminister Philipp Rösler ist in die vorletzte Reihe verbannt, kann aber davon profitieren, dass der Amerikaner am Tisch oder bei Empfängen glaubt, Vizekanzler sei so wichtig wie Vizepräsident. Rösler amüsiert das eher.

Am härtesten trifft es Außenminister Guido Westerwelle, beim letzten Besuch in Washington selbst noch die Nummer zwei, auch er in vorletzter Reihe. Tischdame und US-Kollegin Hillary Clinton ist bereits nach dem Apfelstrudel verschwunden und hat Westerwelle einfach sitzen lassen. Nach längerer Einsamkeit erbarmt sich die Verlegerin Liz Mohn und wechselt an die Seite des obersten deutschen Diplomaten. Der hatte schon auf dem Weg zum Bankett erlebt, dass die Fotografen ihre Kameras nicht hochreißen. „Es klickt nicht mehr“, fassen mitgereiste deutsche Journalisten den Abstieg aus dem Aufmerksamkeitsolymp kühl zusammen.

Deutliche Erwartungen

Und doch hat sich mit diesem Besuch eine Aufwertung Deutschlands in der amerikanischen Wahrnehmung verbunden. Erstmals stellen die US-Journalisten in der Pressekonferenz – den Gast ignorierend – keine innenpolitischen Fragen an ihren Präsidenten. Früher nutzten sie gern – wie manchmal auch deutsche Journalisten daheim – solche Gelegenheiten, um zu fragen, wie das Hochwasser am Tennessee zu bekämpfen sei oder ob der Präsident zum Superbowl zu gehen gedenke. Diesmal galten die Fragen ausschließlich den Gesprächen der beiden, der Euro-Krise und der Verantwortung, die Deutschland in der Welt übernehmen will. Die Erwartungen sind deutlich formuliert. Die Freiheitsmedaille, sagt Obama, sei schon für Merkels bisherige Leistungen gerechtfertigt. Aber: „Glücklicherweise ist sie auch noch in Zukunft dabei.“

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%