Berlin Intern: Täglich grüßt Punxsutawney Wulff

kolumneBerlin Intern: Täglich grüßt Punxsutawney Wulff

Kolumne von Henning Krumrey

Bis Weihnachten, sagte der Bundespräsident zu seinen Mitarbeitern, sei die Affäre um den dubiosen Hauskredit vergessen. Wohl nicht, wenn es so weitergeht.

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Das Murmeltier Punxsutawney Phil hat neulich sechs weitere Wochen Winter vorausgesagt. Wie steht es mit der Zukunft von Bundespräsident Christian Wulff?

Gerade war Murmeltiertag, und wie jedes Jahr klopfte der Präsident des Brauchtumsvereins der Kleinstadt Punxsutawney im amerikanischen Pennsylvania an die Höhle, in der das berühmte Murmeltier Phil haust. Der possierliche Nager sah seinen Schatten und sagte so sechs weitere Wochen Winter voraus. Kennen wir alles aus dem Film „Täglich grüßt das Murmeltier“.

Unser Murmeltier heißt Christian Wulff, und Schatten gibt’s reichlich: Der Bundespräsident grüßt auch regelmäßig, mit immer neuen Rechtfertigungs-Wendungen für die zahlreichen Freundschaftsdienste, die er in Anspruch genommen hat. Jetzt geht es wieder mal um Einladungen durch Menschen, die er nicht aus Jugendzeiten kennt, sondern die nach seinem politischen Aufstieg seine Nähe suchten. Auch für Christian Wulff geht die frostige Zeit damit weiter. Und täglich grüßt die Schnäppchengier.

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Seit dem journalistischen Niveautiefpunkt Bobbycar – die „Berliner Zeitung“ hatte Wulff vorgeworfen, von einem Autohändler ein Rutschauto für seinen kleinen Sohn angenommen zu haben – nimmt das Gewicht der Fragen und Vorwürfe wieder zu. Jetzt geht es erneut um – zumindest anfänglich – gesponserte Urlaubstage auf Sylt – nachdem der Gönner das Hotel vergattern wollte, ja nichts davon zu erzählen.

Wer lässt sich schon mehrfach Urlaubs- oder Partywochenenden von einem Freund erst organisieren und bezahlen, um dann den Preis in bar zurückzuerstatten – weil er ja sowieso immer selbst zahlen wollte? Das macht nur einer. Noch in den Räumen des Hotels, so stellt es der bedauernswerte Anwalt des Staatsoberhauptes dar, habe Wulff dem Freunde das Geld in die Hand gedrückt. Wird ein niedersächsischer Ministerpräsident auf Sylt nur gegen Vorkasse untergebracht? Und wenn es eine im Voraus zu bezahlende Buchung – beispielsweise über das Internet – war: Warum begleicht der Kumpel aus der Politik seine Schuld dann nicht gleich nach der Reservierung, sondern wartet, bis er am Urlaubsort endlich Scheine rüberschieben kann?

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