Berlin intern: Terrasse statt Balkon

kolumneBerlin intern: Terrasse statt Balkon

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Endlich wieder Steuererhöhungen. Schwarz-Gelb kassiert im Sparpaket, da will auch die SPD mehr Abgaben.

Es ist enttäuschend: Sigmar Gabriel, der sonst so erfindungsreiche politische Frontkämpfer, der auf die Titulierung „Rampensau“ stolz ist, schlägt für den Parteitag am Wochenende gerade mal eine läppische Erhöhung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent vor.

Auf ihrer Reise in die eigene Vergangenheit der Vor-Schröder-Zeit fallen den Genossen wieder nur Steuererhöhungen ein. Und nicht mal originelle, sondern im alten Tarif-Trott. Dabei gäbe es so schöne Varianten, die Besserverdiener zu erwischen – wenn man seiner Fantasie nur mal freien Lauf lässt.

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Wieso nur wollen die gleichmacherischen Sozis den Geschäftsführer eines Mittelständlers genauso behandeln wie den Millionenverdiener? Die Reichensteuer, die derzeit ab einem Einkommen von 250 000 Euro (500 000 Euro bei Verheirateten) noch einmal drei Prozentpunkte mehr nimmt, fällt im SPD-Programm weg. Die Parteilinken würden den Zuschlag, wegen der zusätzlichen Stufe im Tarif „Balkonsteuer“ genannt, gern beibehalten, doch die Führung will den einheitlichen Spitzensatz schon ab 100 000 Euro. Darüber sind alle gleich.

Ideen fehlen

Zwar möchte die SPD auch die Vermögensteuer wiederbeleben (obwohl deren früheres Aufkommen jetzt im Wesentlichen aus der Erbschaft- und der Grundsteuer in die Staatskasse fließt). Aber auch hier fehlt es an pfiffigen Ideen; man verharrt im Althergebrachten. Dabei weist doch der Begriff Balkonsteuer den Weg.

Wer wohlhabend ist, kann sich einen Balkon leisten – da lässt sich anknüpfen. Der arme Schlucker schaut aus dem Fenster oder in jeder Hinsicht in die Röhre. Deshalb hatten die Belgier früher eine Fenstersteuer, die sich nach der Breite bemaß. Die Reaktion der gequälten Häuslebauer: Statt der breiten Glasfront entstanden fast raumhohe Schießscharten.

Noch besser lässt sich die Leistungsfähigkeit deshalb bei Villenbesitzern abmessen. Die Terrassensteuer ist das Gebot der Stunde, pro Quadratmeter abzudrücken. Und die Belastung bitte nach der Himmelsrichtung staffeln: Westterrasse mit Abendsonne bringt den Spitzensatz, im Süden vielleicht nur 75 Prozent, Morgensonne im Osten ergibt die Hälfte. Aber Achtung: Wer ein Solarpaneel montiert, bekommt den Ökofreibetrag.

Die Erhebung der Terrassensteuer wäre einfach: Statt Betriebsprüfung oder Hausdurchsuchung genügt ein Klick im Internet: Bei Google Earth kann jeder Finanzbeamte nachmessen, ob sein Kunde ehrlich war. Und bei manchem wird dann vielleicht auch noch die Pool-Abgabe fällig.

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