Berlin intern: Titelverteidiger i. e. R.

kolumneBerlin intern: Titelverteidiger i. e. R.

Kolumne von Henning Krumrey

Karl-Theodor "Xerox" zu Guttenberg macht es seinen Abgeordnetenkollegen schwer, ihn zu unterstützen.

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Die Bundeswehr in Afghanistan hat ihre Taktik geändert. Im Kampf gegen die Taliban setzt sie jetzt Aufklärungs-Ohnen ein – das „Dr“ musste sie leider streichen.

Die nächsten Wochen muss der oberste Dienstherr der Truppe mit derlei Spott leben. Karl-Theodor zu Guttenberg gehört zu den wenigen Politikern – in der jüngeren Vergangenheit gab es da nur Helmut Kohl und Rudolf Scharping –, die es zu einer eigenen Witz-Kategorie gebracht haben.

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Der bislang unaufhaltsame Aufsteiger hat sich für das Karrieremodell Roland Koch entschieden: Sturm und Anfeindungen aushalten und den Ansehensverlust mit politischer Hornhaut überdecken – es darf bloß nichts mehr dazukommen.

Und nun das: neuer Skandal bei Adels. Jetzt wird bekannt, dass „KT“ gar nicht im Stall von Bethlehem geboren ist, sondern im Kreiskrankenhaus von Bamberg.

Guttenberg verliert Rückhalt in der Partei

Beim jüngsten Witz bleibt den meisten Unionsabgeordneten dann doch das Lachen im Halse stecken. Denn mit Schrecken registrieren sie , dass der Baron aus Oberfranken mit seiner gescheiterten Titelverteidigung vorerst doch nicht zu dem Messias taugt, als den ihn nicht nur die Mehrheit der Deutschen, sondern auch die Kollegen gesehen haben. „Wir machen uns doch lächerlich, wenn wir ihn jetzt verteidigen müssen“, stöhnt ein CDU-Mann. Ein Parteikollege ergänzt: „Sein Auftreten und sein Verhalten – das geht an unsere Ehre als Abgeordnete.“ Manche sagen offen: „Ich halte den Mund, aber ich verteidige ihn auch nicht mehr.“

Für die Kollegen schwer erträglich ist die Selbstverständlichkeit, mit der zu Guttenberg seine Versäumnisse vorträgt. Nachdem er „gravierende handwerkliche Fehler“ entdeckt hat, lobt er sich noch dafür, wie richtig es war, dass er drei Tage zuvor auf das Führen des Doktortitels verzichtet habe, wenn auch „vorübergehend, ich betone vorübergehend“. Auch jede neue Wendung präsentiert der bisherige CSU-Aufsteiger im Brustton der Überzeugung, im Stile einer Tatsache. Nur dass sich die Tatsachen täglich ändern.

Doch einen Rückzug ihres seit knapp zwei Wochen zu verteidigenden Ministers kann Kanzlerin Angela Merkel derzeit überhaupt nicht brauchen. Denn eine Kabinettsumbildung brächte die gesamte Statik der Koalition ins Wanken. Die CSU könnte nur schwerlich einen Nachfolger für Guttenberg aufbieten. Auch in der CDU würde dies schwierig. Allzweckwaffe Thomas de Maizière käme zwar infrage, aber der soll – bei Bedarf oder nach der Bundestagswahl – schon Finanzminister Wolfgang Schäuble beerben. Wechselte de Maizière in den Bendlerblock, dürfte die CSU den Innenminister stellen. Am ehesten käme der derzeitige Amtsinhaber in München infrage, Joachim Herrmann. Der hat inzwischen Verwaltungserfahrung. Ärger brächte das freilich in der CSU-Landesgruppe, die bei der Postenvergabe leer ausginge.

Andererseits: Die Opposition verzettelte sich in der aktuellen Stunde im Bundestag mit Fragen nach dem richtigen Briefbogen (für Guttenbergs Abdankungsschreiben an die Universität Bayreuth) und die Nutzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Parlaments als Ideenlieferant der Doktorarbeit. Wichtiger wäre die Frage, wie belastbar ein Verteidigungsminister ist, der – nach eigener Aussage – bei seiner Promotion durch zu hohe Belastung den Überblick verloren hat; der sich in den vergangenen Tagen mehrfach korrigieren musste; und der das im Bundeskabinett von ihm mitbeschlossene Einsparvolumen inzwischen unrealistisch nennt. Guttenberg bleibt auf absehbare Zeit: bedingt abwehrbereit.

Bedingt abwehrbereit Minister zu Guttenberg wird den Kampfanzug noch brauchen

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