Berlin intern: Trend zum Drei-Liter-Auto

kolumneBerlin intern: Trend zum Drei-Liter-Auto

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Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat den größten Spritfresser in der deutschen Staatskarosse.

Kolumne von Henning Krumrey

Lack und Leder spielen im Leben eines Spitzenpolitikers eine große Rolle, und mancher ist dabei ein rechter Fetischist.

Nein, nicht was Sie jetzt denken – es geht um die Dienstwagen. Denn schon der legendäre englische Premierminister Sir Winston Churchill wusste nach seinem Ausscheiden aus dem Amt, was er am meisten vermisste: „Transportation!“

Weil die Wagen der Staatslenker stets Anlass für Neid und damit auch Aufmerksamkeit sind, fragt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) regelmäßig die Ressorts ab, welche Dienstwagen die Häuser für ihre -Minister nutzen. In ihrer Rangliste nach Kohlendioxidausstoß werten sie stets das Fahrzeug mit der höchsten Schadstoffemission. Inzwischen lässt sich ablesen, welchen Erfolg das Nachbohren der Ökoquälgeister hat. Denn fast alle Minister verbrauchen mit ihren aktuellen Karossen weniger als mit den Vorgängermodellen.

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Sparsamkeits-Spitzenreiterin und damit auch Ökosiegerin ist Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Die FDP-Frau hat den Drei-Liter-Phaeton von Vorgängerin Brigitte Zypries (SPD) abgeschafft und begnügt sich mit einem Zwei-Liter-Audi A 6. Sie ist damit das einzige Regierungsmitglied, das mit der gehobenen Mittelklasse auskommt und vergleichsweise umweltfreundlich unterwegs ist.

Zwar hat auch ihr Parteifreund Rainer Brüderle (Wirtschaft) statt der S- eine E-Klasse von Mercedes geordert, aber seinen Spitzenplatz aus dem Vorjahr eingebüßt. Da hatte er nämlich ganz bescheiden einen E 220 CDI in Betrieb und war mit 144 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer der Saubermann im Kabinett. Mit seinem neuen 350er rutscht er auf den vorletzten Platz. Allerdings haben die Ressorts Innen, Außen, Verteidigung und Finanzen sowie das Kanzleramt aus Sicherheitsgründen gar keine Angaben gemacht. Auf Öko setzt – das Amt verpflichtet – Umweltminister Norbert Röttgen. Der Christdemokrat aus Nordrhein-Westfalen fährt wie etliche Kollegen ein Drei-Liter--Auto. Hubraum natürlich, nicht Verbrauch. Der Audi A8 mit 3,0-Liter-Motor ist der beliebteste Leiter-Wagen der schwarz-gelben Koalition.

Bei ihren Recherchen kam die Deutsche Umwelthilfe sogar einer Skurrilität auf die Schliche – oder einer denkbar faulen Ausrede. Bei der Befragung aller Landesregierungen landete zunächst der hessische Innenminister Boris Rhein auf dem letzten Platz: Sein Audi A8 6,0 puste indiskutable 353 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft. Prompt regte sich Protest aus Wiesbaden: Die Ökoaktivisten hätten die Daten falsch ausgewertet, lautete der Vorwurf aus dem Innenministerium. Dann kam der Rückzieher: Der Spritschlucker sei nur versehentlich auf die Fuhrparkliste gelangt. „Es handelt sich um ein Fahrzeug der Polizei“, lautet nun die Auskunft. „Der Wagen ist nicht der Dienstwagen des Ministers und wird auch nicht für ihn bereitgehalten.“ Alltäglich nutze Rhein einen A8 mit 4,2-Liter-Motor, als Ersatz stehe ein kleineres Modell bereit.

Bleibt die Frage, warum die Polizei einen Zwölf-Zylinder-Luxusdienstwagen (Listenpreis ohne Extras rund 130 000 Euro) angeschafft haben soll. Dazu mag das Landespolizeipräsidium keine Auskunft geben und verweist ans Ministerbüro. Nun ist die Sache nicht mehr eine Recherche der Umwelthilfe wert, sondern ein Fall für den Landesrechnungshof.

Und wer hat nun den größten Stinker im Bundeskabinett? Es ist ausgerechnet der Gesundheitsminister, der sich einen VW Phaethon mit 224 Gramm Auswurf leisten lässt. Ist zwar nur ein Sechs-Zylinder, verbraucht aber mehr als die größeren Staatskarossen der Konkurrenz. Gute Besserung, Philipp Rösler!

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