Berlin intern: Übergroße Sehnsucht nach neuen Partnern

Berlin intern: Übergroße Sehnsucht nach neuen Partnern

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Christian Ramthun

Nach der SPD gerät auch die Union aus dem Tritt. Profitieren könnten am Ende die Sozialdemokraten - mit einer Dreierkoalition in den Varianten rot-rot-grün oder rot-gelb-grün.

Volker Kauder, Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wacht jeden Morgen schweißgebadet auf. Das berichten zumindest enge Mitarbeiter, und es klingt plausibel: In Wählerumfragen schwächelt die Union mittlerweile bei 33 Prozent, selbst in Kauders schwarzer Heimat Baden-Württemberg kommt die Landes-CDU nur auf 35 Prozent, und die CSU bangt um den Einzug ins Europaparlament im Juni.

So ernst ist die Lage, dass sogar Angela Merkel nicht mehr sakrosankt ist. Der Wirtschaftsflügel und die Wertekonservativen murren über „Mutti“. Zwar hat sich die CDU-Vorsitzende nun per „Bild-Zeitung“ groß zu Wort gemeldet. Doch es fehlte eine Botschaft, an welche die verprellten Unions-Anhänger so gerne glauben würden. Die Kanzlerin will noch immer keine klare Kante gegen ihren Koalitionspartner SPD zeigen.

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So wachsen bürgerlicher Frust und die Gefahr, dass Kauders Albtraum bei der Bundestagswahl wahr wird. Eine 33-Prozent-Union brächte nicht genügend Gewicht auf die Waage, um mit einer 15-Prozent-FDP (die Marke 18 scheint zu ambitioniert) zu koalieren. Es bliebe bei der großen Koalition.

Vorerst. Denn die Ehe zwischen Unionisten und Sozialdemokraten ist zerrüttet, die Sehnsucht nach neuen Partnern übergroß. Was also geschehen kann, hat „Bild“-Kolumnist Hugo Müller-Vogg im Buch „Volksrepublik Deutschland“ durchgespielt: Die SPD wage am 27. September 2009 zwar noch keinen Ypsilanti-Wahlbetrug, doch nach einem schwierigen politischen und wirtschaftlichen Jahr sei die Bevölkerung Ende 2010 so weit, eine rot-rot-grüne Koalition als kleineres Übel zu akzeptieren.

Die „Volksrepublik Deutschland“ könnte nur einer verhindern: Guido Westerwelle, indem er selbst mit Sozialdemokraten und Grünen koaliert. Für die Union das Grauen. Sie wäre aus der Regierung raus, Wirtschafts- und Wertekonservative könnten sich von der ausgelaugten Union abspalten. Ein unmöglicher Albtraum? „Democratia Christiana“, raunen einige CDUler mit Blick auf die einst stolze Schwesterpartei in Italien, die von der Volks- zur Splitterpartei abstürzte.

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