Berlin intern: Umweltminister Röttgen muss seine Koffer packen

kolumneBerlin intern: Umweltminister Röttgen muss seine Koffer packen

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Der Umweltminister hat seine Position gewechselt – rein räumlich. Ein mühsamer Regierungsumzug an Ort und Stelle und zum Wohle des Steuerzahlers.

"Was tun, wenn der Strom ausfällt", hieß die WiWo-Titelgeschichte der vergangenen Woche. Norbert Röttgen hat die Erfahrung just am Erscheinungstag schon mal gemacht – im eigenen Haus. Als der Bundesumweltminister sein neues Amtsgebäude bezog, funktionierten selbst im Ministerbüro nicht alle Steckdosen. Während er und seine Sekretärinnen versuchten, an ihren neuen Schreibtischen zu arbeiten, wuselten Handwerker um sie herum. In einigen Zimmern des Trakts fehlten noch Schalter, hingen lose Strippen aus den Anschlussdosen. Am Abend von Röttgens erstem Wirken stellte seine Mannschaft fest, dass sich nicht einmal sein Büro abschließen ließ – die Schlösser waren leer. Hans Mager, Leiter des Referats Innerer Dienst, musste gegen 20 Uhr noch Schließzylinder auftreiben, damit die vertraulichen Unterlagen auch vertraulich blieben. Immerhin: Deutschland- und Europafahne standen schon im polierten Ständer auf dem Flur vor Röttgens Büro.

Bauten – und insbesondere öffentliche – werden ja nie so pünktlich fertig wie versprochen. Wenn etwas nicht funktioniert „sagen wir nur noch: Bundesbauverwaltung“, üben sich die Bediensteten in Galgenhumor. Der Betreff von Magers Erklärungsmail klingt da schon fast zynisch: „Herzlich willkommen im neuen Dienstgebäude“.

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Im Hintergrund erklingt die Sinfonie des Handwerks: Kreissägen, Trennschleifer, Hämmer, Bohrer, Staubsauger liefern den Klangteppich, vor dessen akustischer Kulisse die Beamten des Umweltressorts derzeit arbeiten müssen. In manchen Büros stapeln sich die Umzugskartons, weil die Büromöbel fehlen. In den Registraturen im ersten Stock stehen schon die Aktenordner in den Regalen, aber mal fehlen die Einbauschränke, mal die Fensterbretter. Die elektronische Zutrittskontrolle ist noch nicht in Betrieb. In einem Flügel des Hauses gab es gar keinen Strom, im Haupttrakt ringeln sich Verlängerungskabel mit Mehrfachsteckdosen über den Flur und in einzelne Büros. Die Rechner funktionierten in den ersten Tagen nicht, ebenso muckten die Telefone. An manchen Ecken stehen Linoleumrollen-Reste, im fünften Stock verkleben die Handwerker noch den Bodenbelag.

Schwer erträgliche Arbeitsbedingungen

Die skurrilste Baustelle freilich findet draußen statt. „Sie werden sich sicherlich wundern, warum der Außenputz am Erdgeschoss der Straßenfront wieder abgeschlagen wird“, griff Ministerialrat Mager die Fragen der staunenden Kollegen auf. Auf ganzer Breite des Altbaus schaut der Passant auf den rohen Beton. Der Grund: Das Landgericht Berlin hatte in einem Eilverfahren auf Betreiben des Architekten die Bundesbauverwaltung verpflichtet, „die bis zu 5 m hohe Erdgeschosszone des denkmalgeschützten Altbaus in natursteinartigem Putz ausführen zu lassen und insbesondere den bereits vorhandenen Kalkzementputz zu ersetzen“. Schlappe zwölf Wochen werden die Bauarbeiten dauern.

Zumindest die nächsten Tage müssen die Aktivisten des BMU vom Pförtner bis zum Minister noch unter schwer erträglichen Arbeitsbedingungen leiden. Und sie tun dies sogar zum Wohle des Steuerzahlers. Denn der Mietvertrag im alten Domizil am Alex hätte sich um ein halbes Jahr verlängert, wenn Röttgens Truppe nicht rechtzeitig zum Potsdamer Platz abgerückt wäre.

Anstelle des DDR-Plattenbaus, den Textzeilen aus dem Döblin-Roman „Berlin Alexanderplatz“ zierten, entstehen die Ökogesetze und -verordnungen nun ganz fortschrittlich in einem Niedrigenergie-Passivhaus. So passiv, dass in manchen Steckdosen kein Strom fließt.

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