kolumneBerlin intern: Unter Bayern

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne

Ein bisschen Frieden? Mitnichten. Nach ihrem Europa-Erfolg dreht die CSU wieder auf.

Strahlend, entspannt, losgelöst – selten fühlten sich Politiker aus CDU und CSU so einig wie nach der Europawahl, bei der die Bayern schon wieder nah an die 50-Prozent-Marke kamen. Erleichterung bei den Christsozialen, weil sie ihre Stoiber-Beckstein-Huber-Schwäche so schnell abgeschüttelt haben. Erleichterung aber auch bei der Schwester, weil die Freunde aus dem Süden nun ohne Existenzangst das gemeinsame Wahlprogramm ganz konstruktiv durchwinken würden.

Ein riskanter Trugschluss.

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In der Heimat übt sich die einstige Staatspartei weiter in Demut vor dem Wähler. Keinesfalls dürfe schon wieder der Eindruck entstehen, ihr gehöre der Freistaat ganz allein. Aber für das Berliner Geschäft hat die Parteiführung einen kraftstrotzenden Schlachtplan parat.

CSU bleibt unkalkulierbar

Unverwunden ist bei den CSUlern, wie das frühere Führungsduo Günther Beckstein und Erwin Huber – rechtschaffene, aber glücklose Amtsverweser des stillgelegten Edmund Stoiber – bei Angela Merkel um Unterstützung im heiklen Landtagswahlkampf betteln mussten und kühl abgewiesen wurden. Jetzt ist alles anders. "Wir sind wieder wer in Berlin", schallt es wörtlich aus dem CSU-Präsidium. Der europa-stabilisierte Parteichef Horst Seehofer "ist kein Bittsteller". Und dazu kommt der "Guttenberg-Faktor". Schon feixen bayrische Euro-Parlamentarier, wie die Kollegen aus Nordrhein-Westfalen, Hessen oder Niedersachsen über wahlverweigernde Bauern jammern. In Bayern haben sie die Landwirte doch noch an die Urne gelockt. Und schon wieder heißt es: "Von der CSU lernen heißt, siegen lernen" – als wäre die Partei bestoibert wie eh und je.

Das soll sich im Wahlprogramm der Schwestern niederschlagen. Intern suchte die CSU-Führung bereits nach Themen, die sie ins gemeinsame Konzept pressen will: konkretere Versprechen in der Steuerpolitik, beispielsweise nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Dienstleistungen im Tourismus. Dazu die Autobahnmaut, ein alter Springteufel aus Bayerns Verhandlungskiste.

"Seehofer schreibt sein Programm wie eine Bierzeltrede", frohlockt ein Mitstreiter. Die CDU-Spitze müsse doch endlich verstehen, dass solche Schaukämpfe beiden nutzten, klingt Verzweiflung aus München durch. Das habe doch jahrzehntelang gut funktioniert. Aber die Vorsitzende Angela Merkel mag keine testosteron-gesteuerten Schlachten. Raufbolde aus den bayrischen Niederungen stören das Bild der Präsidial-Kanzlerin.

Das Verlässliche an der CSU bleibt ihre Unkalkulierbarkeit. Unsicher ist bloß, ob Gerüchte über Seehofers Rückkehr zur Freundin nur die Bayern-Partei erschüttern oder die ganze Union.

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