Berlin intern: Ursula von der Leyen - die filigrane Frau Rambo

kolumneBerlin intern: Ursula von der Leyen - die filigrane Frau Rambo

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Gescheit, gescheiter, fast gescheitert. Von der Leyen beeindruckt und verprellt

Kolumne von Henning Krumrey

Ursula von der Leyen steht an einer Weggabelung ihrer Karriere: Wenn es weiter nach oben gehen soll, muss sie sich endlich um Verbündete bemühen.

Breitbeinig steht die zierliche Frau da, mit verschränkten Armen, trotzig und entschlossen. Nein, ändern werde sie sich nicht. "Zwei Drittel haben mich gewählt, für die mache ich jetzt weiter Politik." Ursula von der Leyen will sich nicht beugen.

Die Arbeits- und Sozialministerin hat auf dem CDU-Parteitag die schwerste Niederlage ihrer so steilen Karriere erlitten. Klar, auch bisher hatte sie nicht jede Abstimmung gewonnen. Aber früher ging es um Sachfragen, diesmal um Machtfragen: um sie selbst. Gerade mal 69 Prozent hat sie bei der Wahl der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden eingeheimst, satte 16 Prozentpunkte weniger als beim letzten Mal.

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Egoistisch, ideologisch und uneinsichtig

Die Gründe für ihren Absturz sind nicht schwer zu finden, sie wurden auf den Gängen des Parteitags offen besprochen: zu egoistisch, zu ideologisch, zu uneinsichtig.

  • Zu egoistisch: Jedes Thema muss bei ihr in der Inszenierung der Protagonistin enden. Die Arbeitslosenzahlen kommentierte sie schon mal, bevor die Experten von der Bundesagentur für Arbeit die Daten überhaupt veröffentlicht hatten. Der Novizin Kristina Schröder, ihrer Amtsnachfolgerin im Familienministerium, ließ sie anfangs keinen Raum, behielt einfach ihre alten Ressortthemen besetzt. Erst mühsam – und mit Merkels Hilfe – konnte sich die junge Frau aus Hessen gegen die Medienmatadorin aus Hannover durchsetzen.
  • Zu ideologisch: Mit dem umgetauften Mindestlohn verprellte sie den Wirtschaftsflügel der Partei. Der Armutsbericht der Bundesregierung kam schon an die Öffentlichkeit, bevor das Dokument überhaupt mit den Kollegen der übrigen Ressorts abgestimmt war. Und auf wundersame Weise fanden die vorinformierten Journalisten genau jene Punkte berichtenswert, die zu den politischen Plänen der Ministerin passten.
  • Zu uneinsichtig: Schon früher hatten ihr Wohlgesinnte geraten, sich Verbündete zu suchen und zu sichern – im Kabinett, in der eigenen Partei und Fraktion, beim Koalitionspartner. Doch die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten setzt weiter auf Alleingänge. Selbst die Förderin und Chefin Angela Merkel hat mehrmals die Geduld mit ihr verloren, ihr Niederlagen bei Zuschussrente oder Frauenquote zugefügt. Nicht mal die eigenen Landsleute hat von der Leyen geschlossen hinter sich. „Ist doch kein Wunder“, brummt ein niedersächsischer Bundestagsabgeordneter, „die ist ja auch nur zwei- oder dreimal im Jahr bei uns in der Landesgruppe.“
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