Berlin intern: Vaterfreuden bei der SPD

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kolumneBerlin intern: Vaterfreuden bei der SPD

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Eltern unter sich. Schon kurz nach der Geburt seiner Tochter Marie dachte Sigmar Gabriel laut darüber nach, ob er das Wickelmobiliar von Andrea Nahles nutzen dürfe

Kolumne von Cornelia Schmergal

Überalterung der Volksparteien? Ach wo! Die SPD macht ihren Nachwuchs einfach selbst. Bleibt nur ein Problem: Für Parlamentarier gibt es keine Elternzeit.

Soll noch mal einer behaupten, die SPD verschrulle und vergreise. In Berlin jedenfalls produziert die Partei reichlich Junges: Mitte Juli war es Bundestags-Fraktionsvize Hubertus Heil, der Vaterfreuden vermeldete. „Leonard ist fast eine Woche auf der Welt. Danke für alle Glückwünsche“, twitterte er. Verglichen mit anderen Politikerkollegen, blieb der Wirtschaftsexperte indes zurückhaltend. Noch keine Homestory, keine Kinderwagen-Fotos, keine Exklusiv-Absprachen. Nur einen leicht anrüchigen Hinweis konnte Heil sich via Twitter nicht verkneifen: „An alle, die überlegen, Vater zu werden: Wickeln ist ganz toll :-).“

Dass das Private immer auch politisch ist, macht niemand schöner vor als die SPD. Auch in der Parteizentrale wird das Eltern-Kind-Zimmer im dritten Stock derzeit rege genutzt. Noch nie hat es eine Volkspartei gegeben, in der Vorsitzender und Generalsekretärin zeitgleich die Windeln ihrer Sprösslinge wechseln. Vermutlich hätte es auch nie einen Volkspartei-Chef gegeben, der darüber so bereitwillig berichtet wie Sigmar Gabriel. Schon kurz nach der Geburt seiner Tochter Marie im April dachte er laut darüber nach, ob er das Wickelmobiliar von Andrea Nahles nutzen dürfe. Inzwischen durften Politikinteressierte auch lernen, dass der SPD-Vorsitzende selbst den Besuch von Damentoiletten nicht scheut, wenn der Zustand von Mariechens Windel das erforderlich macht. „Sie können sich vorstellen, wie entgeistert mich die Damen dort angesehen haben“, erzählt Gabriel. Auf dem stillen Örtchen für den Herrn gebe es nun mal kein Wickelbord.

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Leben zwischen Politik und Baby

Drei Monate lang will sich Sigmar Gabriel in diesem Sommer für seinen Nachwuchs zurücknehmen. Papiere zur Bankenspaltung schreibt er trotzdem, selbst Twitter-Interviews aus dem heimischen Wohnzimmer sind drin. Allerdings ist es für Mandatsträger auch unmöglich, ihr Leben mit Baby politikfrei zu organisieren. Anders als normalen Arbeitnehmern steht Bundestagsabgeordneten keine Elternzeit zu (und auch kein Elterngeld). Zwar können sie sich ihr Arbeitspensum selbst einteilen – und dürfen in Ausschusssitzungen schon mal einen Vertreter schicken. Bei namentlichen Abstimmungen geht das aber nicht. „Dies folgt aus dem Grundgesetz, das es verbietet, ein Mandat ganz oder teilweise ruhen zu lassen, aus welchen Erwägungen auch immer“, heißt es in der Bundestagsverwaltung.

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Auch die jungen Mamas unter den Abgeordneten ziehen sich maximal für die Zeit des gesetzlichen Mutterschutzes zurück. Linkspartei-Chefin Katja Kipping nutzte diese acht Wochen, um sich mit ihrer Neugeborenen etwas Ostsee-Wind um die Nase wehen zu lassen. „Ein weiter Horizont kann niemals schaden“, sagt sie. CSU-Vize-Generalsekretärin Dorothee Bär erwartet im September bereits ihr drittes Kind als MdB, als Mitglied der Babyfraktion. Auch sie stieg nach Nummer zwei nur acht Wochen aus. Ob Abgeordnete übrigens das von der CSU ersehnte Betreuungsgeld beantragen können, wenn sie Oma und Opa an der Wickelkommode einsetzen, ist nach Angaben des Familienministeriums noch offen.

Hubertus Heil wird davon ohnehin nicht profitieren. Er sucht für seinen Sohn schon einen Kitaplatz für 2013. Wenigstens hat der Fraktionsvize gerade Zeit dafür. Sein Nachwuchs kam in der parlamentarischen Sommerpause zur Welt – und hat jetzt Priorität. Die obligatorische Sommerreise durch den Wahlkreis jedenfalls fällt in diesem Jahr aus. „Mein Sommer heißt Leo“, sagt Heil. Jedenfalls solange der Euro durchhält.

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