Berlin intern: Verein in alle Ewigkeit

kolumneBerlin intern: Verein in alle Ewigkeit

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Der BDI kommt nicht zur Ruhe. Deutschlands wichtigstem Wirtschaftsverband fehlt schon wieder ein Hauptgeschäftsführer.

Beim Bundesverband der Deutschen Industrie ist es wie früher bei Borussia Dortmund: "Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu", stöhnte einst Fußballprofi Jürgen "Kobra" Wegmann. Beim BDI herrscht seit Jahren Unruhe, nun ist er schon wieder kopflos. Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf trat zurück, weil über ein internes Sitzungsprotokoll Äußerungen von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle in die Öffentlichkeit gelangten.

Seit Jahrzehnten werden bei BDI-Präsidiumssitzungen Protokolle geschrieben. Traditionell geben Büroleiter oder Büroleiterin des Hauptgeschäftsführers den Text frei. Und seit Jahrzehnten war es so, dass bei Politikerbesuchen lediglich berichtet wurde, welche Themen der Gast angesprochen hatte. Über den internen Kanal "BDI direkt" gehen diese Zusammenfassungen an einen umfangreichen Verteiler.

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"Wer einmal verliebt war, weiß..."

Diesmal hatte der Protokollant auch den Sitzungsverlauf referiert: Auf die Frage von BDI-Präsident Hans-Peter Keitel, was es mit dem gerade verkündeten Kernkraft-Moratorium der Bundesregierung auf sich habe, wies Brüderle "erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien".

Von einem "Protokollfehler" sprach hinterher der BDI, ohne den genauer zu erläutern. Muss wohl heißen: Nicht im Text steckt der Fehler, sondern den Text so zu schreiben und freizugeben war ein Fehler. Wörtlich hatte Brüderle es blumiger gesagt: "Wer einmal verliebt war, weiß: Nicht alles im Leben ist rational." Insgesamt hatte Brüderle zwar klargemacht, dass seine Regierung wegen der anstehenden Wahlen so hastig und radikal reagiert hatte. Mit keinem Wort jedoch hatte er einen groß angelegten Wählerbetrug beschrieben, als würden nach dem 27. März alle Reaktoren wieder angeschaltet. So aber kam es – auch durch das Protokoll – in den Medien rüber.

Wie im Ortsverein

Im FDP-Präsidium erregte sich Brüderle über das "Ortsvereinsniveau", nach dem beim wirtschaftspolitischen Spitzenverband gearbeitet werde. Dass dort Protokoll geführt werde, habe er nicht gewusst. Allerdings ist es auch leichtsinnig, in einer Runde von rund 40 Personen zu offen zu reden.

Weil das Protokoll unkorrigiert und mit seinem Begleitschreiben sein Büro verließ, sank Schnappaufs Chance, den Verband gegenüber der Politik glaubwürdig zu vertreten. Zudem hatte es in der Vergangenheit immer wieder Differenzen zwischen ihm und Keitel gegeben. Zwar bestritt Keitel im Leitungskreis des BDI "einen grundlegenden Dissens. Die Interpretationen, die Sie jetzt in der Presse lesen können, sind falsch." Allerdings erinnern sich aktive und frühere Präsidiumsmitglieder auch kritischerer Töne Keitels.

Der BDI-Präsident, verärgert über die Unterbrechung seines Skiurlaubs, sucht nun einen neuen Geschäftsführer. Er telefoniert in der Wirtschaft herum und sammelt Vorschläge. Klar ist: Der oder die Neue soll von außen kommen, die Industrie kennen und politisches Gespür mitbringen. Früher war der Verband mit ehemaligen Staatssekretären gut gefahren – die sind es gewohnt, in der zweiten Reihe zu bleiben, hinter dem Präsidenten. Der ehemalige Wirtschafts-Staatssekretär Walther Otremba käme da in Frage, aber auch Hildegard Müller, heute Geschäftsführerin beim Energie- und Wasserverband bdew. Besondere Merkel-Nähe ist aber nicht mehr zwingend – wegen der ungewissen politischen Zukunft. Gebraucht wird ein Profi, der Ruhe in den Laden bringt.

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