Berlin intern: Verlorene Generation

kolumneBerlin intern: Verlorene Generation

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Wirtschaft, signalisiert die CDU, ist ein Metier für ältere Herren. Nach Koch gibt’s nicht mal Küchenjungen.

Der CDU-Wirtschaftsrat kann sich über den Rückzug von Roland Koch freuen: Nun drückt ein neuer Schwall Anmeldungen zum Wirtschaftstag am 9. Juni herein. Mehr als 2000 Interessenten, über 1000 Zuschauer haben sich schon für das Forum mit ihm entschieden. Einmal noch Koch gucken – wie die Safari zum sterbenden Elefanten.

Die Lücke, die er hinterlässt, definiert sich nicht aus Kochs Fähigkeiten, sondern aus dem Fehlen der Alternativen. Wirtschaftspolitiker in der CDU – das ist die Arbeitsgemeinschaft 60+.

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Ökonomisches Quartett

Gerade mal ein Quartett repräsentiert für eine breite Öffentlichkeit das ökonomische Engagement der Union: An erster Stelle Wolfgang Schäuble, aber der Bundesfinanzminister muss sich auf Krise, Euro und Sparhaushalt konzentrieren. Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung führt Josef Schlarmann. Der 70-jährige Steuerberater ist zwar ein streitbarer Ordnungspolitiker, aber gerade deshalb in der Parteiführung und vor allem bei der Kanzlerin ein ungelittener Gesprächspartner. Kurt Lauk (Wirtschaftsrat der CDU) hat gerade seinen 64. Geburtstag gefeiert. Michael Fuchs weiß mit dem Parlamentskreis Mittelstand zwar die stärkste Gruppe innerhalb der Bundestagsfraktion hinter sich, muss aber das Große und Ganze im Blick behalten, seit er zum Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden avancierte. Er ist der Nachwuchsstar in der Riege – mit 61 Jahren. Schäuble, nebenbei bemerkt, ist ab September ein 68er.

Dahinter tut sich Leere auf. Es gibt keinen CDU-Nachwuchs-Ökonomen mittleren Alters, der in der Öffentlichkeit sichtbar wäre. Der Haushälter Steffen Kampeter ist als Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium gebunden. Gerade mal in fünf der 16 Bundesländer verwaltet die Union das Wirtschaftsressort; Christa Thoben, 68, wird einem künftigen Kabinett in Nordrhein-Westfalen nicht mehr angehören. Der Rest ist Schweigen.

Koch, der in jedem seiner Ämter der Jüngste war, scheidet nun mit 52 Jahren aus. Friedrich Merz, der andere jüngere Wirtschafts-Matador, schmiss mit 54 hin. Ein Großteil der wirtschaftsnahen Realo-Grünen verabschiedete sich schon mit Ende 30, Mitte 40 in die lukrativere Privatwirtschaft. Auch bei den Genossen von der SPD gibt es freiwillige Aussteiger mittleren Alters, die sich als Unternehmensberater verdingen.

Früher haben alle Beobachter wortreich beklagt, dass Unternehmer und Wirtschaftsleute nicht für die Parlamente kandidieren. Heute flüchten schon die Politiker aus der -Politik.

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