Berlin intern: Warum Kauder nicht mehr Muttis Liebling ist

kolumneBerlin intern: Warum Kauder nicht mehr Muttis Liebling ist

Kolumne

In der CDU ist Angela Merkel ein Gegenspieler erwachsen: Fraktionschef Volker Kauder findet seine Rolle und will verhindern, dass die Union zum Kanzlerwahlverein degeneriert.

Bislang galt er als einer der treuesten Vasallen von Angela Merkel. Als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, soll Volker Kauder die eigenen Truppen ruhig halten. Das machte er so gut, dass Kritiker ihn schon mal als „Muttis Liebling“ bezeichnen. Das Unbehagen in dieser Rolle war dem Schwaben anzumerken, vor allem wenn er wiederholt bei Auftritten an den Revers seines Sakkos zupfte. Unbehaglich fühlt er sich aber nicht nur als Manager einer großen Koalition, also mit einem Partner, dessen sozialdemokratische Wertvorstellungen dem engagierten Christen hier und da schwer nachvollziehbar erscheinen. Unbehaglich ist ihm auch immer wieder die eigene Parteichefin und Kanzlerin, deren Kompassnadel aus seiner Sicht zu weit vom magnetischen Nordpol der Union abweicht. Kurz und gut: Kauder leidet an der großen Koalition, Merkel hingegen lebt diese Verbindung.

Lange hat der Fraktionschef seinen Frust in sich hinein gesogen, doch offenbar ist bei ihm jetzt der Knoten geplatzt. Er hielt auf dem Stuttgarter CDU-Parteitag vorletzte Woche die einzige Rede, die die Delegierten in Wallung brachte. Nicht Merkel, nicht der eigentlich für die Abteilung Angriff zuständige CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, wurden bejubelt, sondern Volker Kauder. Während Merkel inzwischen von vielen unterstellt wird, sie wolle die ewige Kanzlerin der großen Koalition bleiben, gab Kauder klare strategische Ansagen. Er kündigte für 2009 einem „Richtungswahlkampf“ mit einem bürgerlich-konservativen Bündnis aus Union und FDP an. Und er nahm sich die SPD mal so richtig zur Brust.

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Dieser Auftritt soll, so hört man in der Unions-Spitze, der Kanzlerin wenig gefallen haben. Auch dass Kauder von Richtungswahl sprach, wird von vielen aus dem Berliner Merkel-Club nicht gut geheißen. Man dürfe sich nicht zu sehr an die FDP anlehnen. Diese stehe schließlich für „neoliberale“ Traditionen und dieser Begriff sei nicht mehr vermittelbar.

Anders als früher kümmert den Fraktionschef diese Kritik nicht mehr. Gut gelaunt leistet er sich mehr und mehr Unabhängigkeit und kleine Frechheiten gegenüber Merkel. Als Anfang vergangene Woche zwei CDU-Fraktionschefs und Merkel-Kritiker aus den Ländern, der Hesse Christean Wagner und der Baden-Württemberger Stefan Mappus, für die Fraktionsvorsitzenden-Konferenz der Union ein Konjunkturprogramm gegen die Wirtschaftskrise forderten, wurden sie von Kauder unterstützt. Das Programm wurde – sehr zum Ärger des Kanzleramts – beschlossen. Interessant war dabei, so die Beteiligten, dass ausgerechnet Kauders Parlamentarischer Geschäftsführer, Norbert Röttgen, in Abwesenheit seines Chefs versuchte, den Beschluss zu verhindern. Nach Wirtschaftsminister Michael Glos will mit Kauder offenbar ein weiterer, einst überloyaler Mitstreiter Merkels nicht länger „Muttis Liebling“ sein.

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