Berlin intern: Wer viel Macht hat, braucht wenig Schlaf

kolumneBerlin intern: Wer viel Macht hat, braucht wenig Schlaf

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Bundeskanzlerin Angela Merkel - Vergleich mit einem Duracell-Häschen!?

Kolumne von Gregor Peter Schmitz

Kanzlerin Merkel kann Schlaf speichern wie ein Kamel. Aber macht sie das zur nüchternen Verhandlerin?

Darf man Dr. Angela Dorothea Merkel, Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, mit einem Duracell-Häschen vergleichen? Man muss es sogar. Denn so wie das Häschen in der legendären Werbung läuft Merkel und läuft und läuft...

Der Montag nach dem historischen Ringen um einen Griechen-Kompromiss war dafür ein Paradebeispiel. Erst verhandelte die Kanzlerin in Brüssel rund 27 Stunden am Stück mal in einer Viererrunde, dann zu zweit, schließlich in großem Kreis. Finanzminister Wolfgang Schäuble ließ sich zum Schlafen entschuldigen, im Pressezentrum sackten Korrespondenten auf ihre Tastaturen. Rund um den Tagungssaal sah man hochrangige Berater in Ecken herumliegen, denn Couchen waren Mangelware. „Wir sind alle Zombies“, stammelte ein Diplomat.

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Nur eine halt nicht, unsere Kanzlerin. Ihre knallharte Tagesroutine: Sie verhandelte bis zum (je nach Interpretation) bitteren oder glücklichen Ende, gab eine Pressekonferenz, flog nach Berlin und nahm, wenn auch stark geschminkt, am Treffen des CDU-Präsidiums teil. Anschließend hielt sie nachmittags noch eine Rede, dass weibliche Führung Chefsache werden müsse, und schüttelte am Abend die Hände von nicht weniger als 100 ausländischen Botschaftern. Schlappmachen gilt nicht. „Da ist sie eisern“, sagt eine Mitarbeiterin ehrfürchtig. Christoph Heusgen, Merkels Chefberater auf Außenpolitikgipfeln, bekannte mal, noch nie einen Menschen getroffen zu haben, der so wenig Schlaf brauche.

Wie macht Merkel das? Sie hat in einem Interview von ihrer kamelartigen Gabe erzählt, Schlaf zu tanken. „Ich kann mal ganz lange schlafen und mir einen Vorrat aufbauen, um dann wieder kürzere Nächte durchzustehen“, sagte sie. Merkel ist zudem zwar kein Fitnessfreak, aber hält sich bei Alkohol und Leckereien zurück. Außerdem dreht sich natürlich immer alles um die Belange der Kanzlerin. Eine Assistentin steht etwa immer parat, um Merkels Make-up oder ihre Haare nach einer durchwachten Nacht wieder in Form zu bringen.

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Schlafforscher zweifeln dennoch an Merkels Kamelthese. Sie verweisen darauf, dass die Fähigkeit des Schlaftankens längst widerlegt sei, auch wenn Menschen sie sich zutrauten. Psychologe Peter Spork erklärt der „Bild“: „Die Beeinträchtigung nach 17 Stunden ohne Schlaf hat eine Wirkung vergleichbar mit einem halben Promille Alkohol im Blut.“ Laut Untersuchungen gäben müde Entscheider leichter nach und prüften Resultate nicht so genau. „Im Endeffekt ist der Politiker, der nach 17 Stunden Verhandlungsmarathon seine Unterschrift unter einen Entschluss setzt, nicht mehr Herr seiner Sinne“, so der Psychologe.

Insofern sind Zweifel erlaubt, wie nüchtern unausgeschlafene Entscheidungen ausfallen. Zugleich wird so eine ganz andere Seite der scheinbar so unprätentiösen Kanzlerin sichtbar. Sie eifert starken Männern nach, die aus Schlaflosigkeit eine Tugend machen. Helmut Kohl hielt Nickerchen nur auf langen Fahrten, Barack Obama hält wenige Stunden Ruhe für ausreichend. Napoleon, nicht für Kompromisse bekannt, sagte einst: „Vier Stunden schläft der Mann, fünf Stunden die Frau, sechs ein Idiot.“

Wer viel Macht hat, braucht wenig Schlaf. Diese Gleichung zelebriert Frau Kanzlerin genauso entschlossen wie Alphamänner.

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