Berlin intern: Wir lieben uns doch alle

kolumneBerlin intern: Wir lieben uns doch alle

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Klassenkampf war gestern. Arbeitgeber, Gewerkschaften und Regierung kuscheln sich durch die Krise.

Auf dem Höhepunkt der Heuschrecken-Debatte griff der FDP-Vorsitzende zur großen Keule. Die „wahre Plage in Deutschland“ seien die Gewerkschaftsfunktionäre, schnaubte Guido Westerwelle. Das war vor genau fünf Jahren, Ende April 2005. Heute ist alles anders: Für den DGB-Bundeskongress Mitte Mai unterbreiteten die Liberalen den Arbeiterführern ein revolutionäres Angebot. Wie die Konkurrenz würden sie gern einen „Parteiabend“ ausrichten: eine Art sozialpolitischen Kontakthof zwischen Freidemokraten und Gewerkschaftern.

Im Gegenzug verfasste DGB-Chef Michael Sommer erstmals ein schriftliches Grußwort an die Delegierten des FDP-Bundesparteitages in Köln. Schon im Januar hatte der Gewerkschaftsbund den Oberliberalen zu seiner Vorstandsklausur eingeladen – ebenfalls eine Premiere.

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Der organisationsübergreifende Kuschelkurs symbolisiert aufs Schmusigste das neue Klima im politisch-industriell-gewerkschaftlichen Komplex. Die Kanzlerin meidet jede Konfrontation mit den Gewerkschaften, Sommer nimmt dafür Angela Merkel gegen Angriffe aus dem Arbeitgeberlager in Schutz.

Vor zehn Jahren schrieben Politikwissenschaftler und Soziologen über den Korporatismus, also den Verbändestaat, in dem Arbeitgeber und Gewerkschaften (und im Weiteren etliche andere Interessengruppen) von Konfrontation auf Kooperation umschalten. Dann kamen einige harte Wahlkämpfe, doch jetzt ist das große Unterhaken wieder richtig in Mode.

Die Krise schweißt zusammen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall und die einstigen Gegner von der IG Metall, traditionell in schwersten Schlachten verkeilt, schmiedeten diesmal ohne Streik einen Tarifvertrag. Den wiederum der Staat absichert, was die Unterhändler schon mal vorausschauend einkalkuliert hatten. Gerade hat die Bundesregierung erneut jene Kurzarbeiterregelung verlängert, die es den Firmen verbilligt, bewährte Fachleute auf Sparflamme weiter zu beschäftigen, statt sie zu entlassen – und damit vielleicht auch für den späteren Aufschwung zu verlieren.

Die IG Chemie, die stets besonders kooperativ mit den Arbeitgebern verhandelt, stimmte bereits in der ersten überregionalen Verhandlungsrunde einem Kompromiss zu, der keine prozentuale Lohnerhöhung vorsieht, sondern nur Einmalzahlungen. Klamme Firmen kommen sogar mit der Hälfte der vereinbarten Summe weg.

Jetzt wartet der DGB nur noch auf die Rücknahme der „Rente mit 67“.

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