Berlin intern: Wir, Wums und Blöd

kolumneBerlin intern: Wir, Wums und Blöd

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne

Die Slogans zur Europawahl klingen, als wollten die Parteien schon vorher die schwache Wahlbeteiligung erklären.

Wer derzeit durch die Straßen geht, vermutet ein Kartell der Wahlkämpfer: Lasst uns die schlechten Ideen bei der Europawahl ’raushauen, lautet wohl die Absprache, dann stören sie nicht im September, wenn’s um Bundestag und Kanzlerschaft geht.

Die Liberalen werben wieder mit ihrer langmähnigen Spitzenkandidatin, aber ohne Inhalte: „Wählen Sie Ihr Europa“ – aber was die Freidemokraten oder Silvana Koch-Mehrin darunter verstehen, sagt die FDP nicht.

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Die SPD attackiert die Konkurrenz (die Grünen greift sie nicht an) mit Unterstellungen über Dumpinglöhne, Finanzhaie und heiße Luft. Das Anti-Linkspartei-Plakat der Sozialdemokraten mit dem Haartrockner animierte den FDP-Europakandidaten Michael Theurer zu dem Gag: „Ich hab gedacht, die wollen mir sagen: Wer SPD wählt, kriegt ’nen Föhn.“ Vor lauter Attacke vergisst die SPD mitzuteilen, was sie selbst will.

Der alte Wahlkampffuchs der SPD und heutige Geschäftsführer der WAZ-Verlagsgruppe, Bodo Hombach, warnte stets: Negative Campaigning funktioniert nicht. Das Niedermachen des Gegners schrecke die Wechselwähler ab. Aber der SPD genügt es in ihrer derzeitigen Verfassung, die alten Stammwähler zu mobilisieren.

Die CDU setzt dem ein Zusammengehörigkeitsgefühl entgegen, aber keine Substanz: „Wir in Europa“ kopiert genau die Hombach’sche Antwort auf frühere Angriffe der Schwarzen. In seiner Heimat NRW hatte er einst als Wahlkampfmanager von Johannes Rau den rüden CDU-Sprüchen die Kampagne „Wir in Nordrhein-Westfalen“ entgegengesetzt – mit durchschlagendem Erfolg. Nun vermittelt die CDU-Kuscheln in der Krise, aber mehr nicht. Ob die Christdemokraten den richtigen Weg aus der Krise wüssten – man erfährt es nicht.

Im Fernsehspot grüßt überraschend die Kanzlerin, die gar nicht kandidiert. Bei der Schwesterpartei bestreitet der Vorsitzende Horst Seehofer sogar allein die TV-Werbung (er kämpft ja auch ums eigene politische Überleben). „Handeln auch Sie beherzt“, fordert er die Zuschauer auf, „wählen Sie die CSU.“ Das scheint derzeit ganz schön Mut zu erfordern.

Noch kryptischer und graswurzeliger schreiben die Grünen – in jeder Hinsicht schräg – „Wums*“ auf ihre Plakate. Im Internet gibt’s eine Graffiti-Vorlage (aber natürlich nur mit Moos an Häuserwände malen, angeklebt mit Bier oder Buttermilch!, mahnt die Partei). Das Kleingedruckte hinterm Sternchen, das kein vorbeibrausender Autofahrer erkennen kann, erklärt das Comic-Deutsch: Die vier Buchstaben stehen für „Wirtschaft & Umwelt, menschlich & sozial“. Die Grünen hätten auch „Blöd“ nehmen können: „Bildung & Liberalität, ökologisch & demokratisch.“

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