Berlin intern: Wirtschaftskenner verlässt Röslers Ministerium

kolumneBerlin intern: Wirtschaftskenner verlässt Röslers Ministerium

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Mit dem Staatssekretärswechsel im Wirtschaftsministerium endet eine Ära. Die weltweiten Kontakte von Bernd Pfaffenbach werden erst mal fehlen.

Wenn der gesellschaftliche Wandel so flott ginge wie der festgesellschaftliche, müsste einem um Deutschland nicht bange sein. Eingeladen hatte noch Rainer Brüderle als Hausherr, doch „die Ehre“ gab sich schon sein Nachfolger. Philipp Rösler musste einen Mann verabschieden, mit dem er nie zusammengearbeitet hat – und der seinen Dienst im Bundesministerium für Wirtschaft angetreten hat, als das namenlose Waisenkind aus dem Kinderheim in Vietnam noch gewickelt wurde.

Mit der Pensionierung von Staatssekretär Bernd Pfaffenbach endet eine Ära. Beim Aufbau Ost unter Helmut Kohl hat er mitgefummelt, an der Agenda 2010 unter Gerhard Schröder. Beim Wechsel von Schwarz zu Rot „sahen einige mich schon auf dem Abstellgleis“, erinnert sich Pfaffenbach. Aber der Sozi machte den Karrierebeamten zum Abteilungsleiter und wirtschaftspolitischen Berater, später zum Sherpa für die Weltwirtschaftsgipfel. Für Angela Merkel inszenierte er den G8-Gipfel in Heiligendamm als Ökohochamt. „So wurde ich zum überzeugten Klimaschutzkämpfer“, erklärt er seinen Wandel.

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Rösler erinnerte an Pfaffenbachs Start im Referat „Grundsätze der Energiepolitik“. Da lacht der Saal, angesichts des zickzackigen aktuellen Regierungskurses. Bevor Rösler dem Abgänger das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse – noch etwas hakelig – anheftet, zitiert er aus der „Berliner Zeitung“, die einst über den Hobby-Gitarristen nach einem Gastauftritt mit Rockstar Bob Geldof schrieb: „Bernd Pfaffenbach ist eine coole Sau.“

Der Auftritt des Neuen verführt Ex-Hausherr Michael Glos zum Scherzen: „Vor dem Ministerium stellen wir jetzt ein Schild auf: Wir bilden aus.“ So lernt er gleich seinen zufälligen Nebenmann kennen, Röslers jungen Staatssekretär Stefan Kapferer. Der zählt aus Glosens Sicht zu jenen Azubis, hat Rösler aber schon im niedersächsischen Wirtschafts- sowie im Bundesgesundheitsministerium als Staatssekretär gedient.

CSU-Mann Glos, der „heute lieber als damals“ ins Haus kommt, hat Spuren hinterlassen – seine Flaschen sind noch da. Beim Empfang schenkt das Ministerium Frankenwein aus dem Glos’schen Wahlkreis aus. Die Chefs haben in den vergangenen Jahren schneller gewechselt, als die Vorräte leer getrunken werden konnten. Spitzbübisch rechnet der Christsoziale vor, dass er – sollte die Wahl 2013 schlecht ausgehen – der längstgediente Ressortchef unter den letzten fünf sein werde.

Die neue Führung muss nun die Geschäfte ordnen. Kapferer fällt als „Außenminister des Hauses“ aus, weil er für den FDP-Vorsitzenden Rösler die Arbeit der liberalen Minister koordinieren muss. Bernhard Heitzer ist das ordnungspolitische Gewissen; Jochen Homann verwaltet unter anderem die Streit- und Krisenbranchen. Enge Kontakte in die Welt haben alle drei nicht.

Globales Netzwerk gesponnen

Pfaffenbach hatte als Sherpa und durch seine Dauer-Reiserei über die Jahrzehnte ein globales Netzwerk gesponnen, das dem Ministerium nun fehlt. „Die deutsche Wirtschaft wünscht sich auch künftig eine so starke Konzentration auf die Außenwirtschaft“, umschreibt der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen, Anton Börner, seine Sorge. Schließlich werde „Deutschlands Wohlstand im Außenhandel erwirtschaftet“.

Wie Neu-Pensionär Pfaffenbach seine brillanten Kontakte künftig nutzt, verrät er nicht. Aber er neigt dazu, als Türöffner aktiv zu bleiben – nicht fest angestellt, sondern offen für viele Kunden, die an Staatsaufträgen in aller Welt interessiert sind.

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