Berlin intern: Wirtschaftsnachrichten auf Englisch

kolumneBerlin intern: Wirtschaftsnachrichten auf Englisch

Kolumne von Henning Krumrey

Aus der Hauptstadt in die Welt. Internationale Mitarbeiter von Daimler, Siemens und Co. bekommen tägliche Wirtschaftsnachrichten auf Englisch.

Regelmäßige Leser dieser Kolumne wissen: Anglizismen gibt’s hier selten. Gerade neulich kam stattdessen der Geistschreiber vor, der Helmut Kohls Memoiren formulierte. Früher war auch schon mal von einer Sprechmeisterin die Rede.

Aber heute triumphiert das Denglisch, denn es geht um ein Projekt, das Marktwirtschaft und Insiderwissen über deutsche Unternehmen in die englischsprachige, also in die weite Welt tragen will. Gut, der Ort wirft erst mal Fragen auf. Die „Global Edition“, die internationale Ausgabe des Handelsblatts, wird ausgerechnet im Französischen Dom am Gendarmenmarkt präsentiert. Aber seit die Franzosen den Kampf gegen die Sprachinvasion von der anderen Seite des Ärmelkanals verloren haben, zeigt das Restaurant im Souterrain der ehemaligen Kirche, dass die Globalisierung eben auch vor der Grande Nation nicht haltmacht.

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Für die Präsentation eines derart weltumspannenden Projektes ist es zwingend, als Gastredner einen Deutschen aus Amerika einzufliegen und einen Amerikaner aus dem übernächsten Häuserblock herbeizurufen. Also sprechen Ex-Wirtschafts- und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der inzwischen in New York eine Beratungs- und Finanzierungsfirma für Start-ups gegründet hat, und der amerikanische Botschafter in Berlin, John B. Emerson.

Der erinnert daran, dass 1,2 Millionen Amerikaner und Deutsche in Firmen des jeweils anderen Landes arbeiten. Und freut sich, dass ihm nun die tägliche Lektüre erleichtert werde. „It takes me one to one and a half hour to read it in German.“ Freilich würde nun auch das Training fehlen. Ebenso wundert sich Guttenberg über das „strange feeling“, in Berlin eine Rede auf Englisch zu halten, und empfiehlt Emerson, doch mal in Washington auf Deutsch zu sprechen. „That would be a very short speech“, kräht der dazwischen.

Guttenberg konzentriert sich auf die politischen Gräben zwischen Europa und den USA: den Streit um das Freihandelsabkommen TTIP, die Neuordnung der internationalen Organisationen, die Sicherheitspartnerschaft über den Atlantik hinweg. Und natürlich auf das unterschiedliche Verständnis von Wirtschaften.

Künftig können Leser rund um den Erdball etwas über die deutsche Sicht auf die Welt erfahren. Jeden Mittag um sechs Uhr New Yorker Zeit (12 Uhr mittags hierzulande) lässt sich die neue Ausgabe anklicken. Sie bietet Übersetzungen ausgewählter Artikel aus dem Handelsblatt, aber auch der WirtschaftsWoche, der Zeit und des Berliner Tagesspiegels. Die Digitalversion empfiehlt sich als „your second opinion on Europe“ und richtet sich vor allem an die Mitarbeiter deutscher Unternehmen in aller Welt. So hat beispielsweise die Daimler AG 20 000 digitale Zugänge gebucht, die für Führungskräfte und später auch ausgewählte Kunden freigeschaltet werden.

Weitere Artikel

Handelsblatt-Verleger Dieter von Holtzbrinck schreibt dem Herausgeber der einzigen deutschen Wirtschafts-Tageszeitung, Gabor Steingart, die Vaterschaft zu. „Ich begnüge mich mit der Rolle des Großvaters.“ Allerdings hatte er schon vor 30, 40 Jahren damit gehadert, dass eine englischsprachige Ausgabe wegen des aufwendigen Versands nicht zu finanzieren war. „Erst durch die Digitalisierung hat sich das geändert.“ Dem Global-Team bleibt die Hoffnung, dass Großväter in den ersten Jahren immer etwas Schönes mitbringen, wenn sie zu Besuch kommen.

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