Berlin intern: Wowis Nachfolger hat es schwer

Berlin intern: Wowis Nachfolger hat es schwer

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Der regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), tritt zum 11. Dezember zurück.

von Max Haerder

Der größte Bewunderer von Klaus Wowereit war immer Klaus Wowereit selbst. Der Stadt war das egal. Wer immer ihm folgt, hat es deshalb leicht und schwer zugleich.

Er war einmal... So heben sie jetzt an, die vielen wehmütigen Früh-Nachrufe auf Klaus Wowereit (SPD). Was dem dienstältesten deutschen Landes-Regierungschef nun nachgesungen wird, ist ein bemerkenswerter Sound aus vorgezogener Nostalgie und ziemlich gnädiger Nachsicht. Waren es nicht 13 schöne Jahre am Ende, irgendwie? Dafür, dass Berlin sonst eine ziemlich ruppige Danke-für-jarnüscht-Attitüde nach außen kehrt, hat die Stadt ganz schön den Bürgermeister-Blues.

Die leichte Depression hat natürlich auch mit denen zu tun, die Wowereit nachfolgen wollen (und damit, dass eher kein sozialdemokratischer Richard von Weizsäcker mehr um die Ecke biegen wird, der alle mitreißt). Die zwei Kandidaten, SPD-Landeschef Jan Stöß und Fraktionsvorsitzender Raed Saleh, gelten selbst unter Genossen – vor allem an der Bundesspitze – nicht als die hellsten Kerzen auf dem Geburtstagskuchen. Politisch gesehen, jetzt. Dass im Sommer heimlich EU-Parlamentspräsident Martin Schulz als Kandidat gelockt werden sollte, macht es noch schlimmer.

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Das waren noch Zeiten, Klaus Wowereit umjubelt und in Siegerpose. 2011 entstanden diese Bilder, seine SPD hatte gerade die Berliner Abgeordnetenhauswahl gewonnen, auch wegen seines Einsatzes. Ein Dank für ihn und seinen Lebenspartner.

Dabei ist der Verwaltungsrichter Stöß durchaus ein klug argumentierender Zeitgenosse, aber er hat ein Faible für den guten alten SPD-Traditionalismus. Saleh kam als Kind aus dem Westjordanland, er kämpfte sich vom Burger-King-Grill bis an die Fraktionsspitze empor. Beeindruckend, ohne Frage. Aber einer von beiden als, wie die Berliner sagen, Regierender? Daran müssten sie sich erst gewöhnen.

Niemand weiß das besser als der Noch-Amtsinhaber. Seine Rücktrittserklärung war noch einmal großes Kino. Man konnte spüren, wie sich Wowereit auf seinen VIP-Tribünenplatz freut, um mit einem Glas Champagner zuzusehen, wie Stöß und Saleh sich im Staub wälzen. Fehlte nur noch, dass er ihnen ein süffiges „Jetzt macht den Dreck mal schön alleine“ nachrief.

Wer aber wie Klaus Wowereit glaubt, dass Berlin seinen Aufstieg zur Hauptstadt von Cool Germania zuallererst Klaus Wowereit zu verdanken habe, verwechselt Ursache mit Wirkung. Er sollte sich lieber selbst bei seiner geliebten Metropole bedanken. Ja, Wowereit konnte Döner genauso wie Fashion Week, Christopher Street Day genauso wie „Sparen, bis es quietscht“. Das muss ihm erst mal jemand nachmachen. Die Metamorphose Berlins zum globalen Sehnsuchtsort hat er als Regierender Botschafter kongenial begleitet. Aber sonst?

Und hier nun liegt die Chance für Stöß und Saleh: weniger prickelnder Weltzeitgeist, dafür mehr lokaler Tatendrang. Jenseits des BER-Desasters bleibt schließlich genug zu tun in Berlin: Die Stadt mag zwar immer wohlhabender werden, aber sie ist und bleibt eine Hartz-Hauptstadt. Die Schulen sind bestenfalls mangelhaft, der Alexanderplatz in manchen Nachtstunden eine tödliche No-go-Area. Und dann war da noch Wowereits geradezu sagenhaftes Desinteresse für die zarte, aber so spannende Berliner Start-up-Szene. Was für ein Fehler!

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Jetzt, wo er geht, wird das Berghain zehn Jahre alt. Das Berghain ist einer der berühmtesten, berüchtigtsten Elektroclubs der Welt mit einem Ruf wie Donnerbass. Dieser ausschweifende Erwachsenenspielplatz hat wahrscheinlich mehr für den globalen Berliner Aufschwung getan als jedes beflissene Förderprogramm. Was wäre das für eine Aufgabe für den kommenden Berliner Bürgermeister: die Grundlagen dafür legen, dass der nächste Wachstumsbringer kein Berghain ist, sondern ein neuer Borsig. Oder das nächste Facebook.

Alles andere macht dieser herrliche Moloch eh von janz alleene.

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