ThemaWahlen 2017

kolumneBerlin intern: Zimmer frei!

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Am 22. September 2013 sind die Bundesbürger aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Einige Politiker werden danach ihre Büros wechseln müssen.

Kolumne von Henning Krumrey

Mit der Bundestagswahl heißt es für manchen Amtsinhaber: umziehen. Zu vergeben sind derzeit die schönsten Büros der Hauptstadt.

Der Blick ist unbezahlbar – und nicht mal käuflich. Acht Jahre lang hat Angela Merkel diese Perspektive genossen: die große Rasenfläche vor dem Haus, dahinter, mächtig, der Reichstag mit der gläsernen Kuppel und die Schlange der wartenden Demokratietouristen. Und zur Seite der Blick über den Tiergarten bis hin zu den nachts magisch erleuchteten Hochhäusern am Potsdamer Platz. Das Amtszimmer der Kanzlerin ist auch ansonsten das schönste Büro der Stadt und das größte aller Regierungsbauten. Auf 140 Quadratmetern finden Platz: der Designerschreibtisch des Vorgängers, etwas Kunst und jede Menge Aussitzgelegenheiten – ein Besprechungstisch mit acht Stühlen, dazu eine üppige Ledergarnitur vor dem Fenster. Merkel arbeitet lieber an der großen Tafel als am Schreibtisch.

Als wäre es protokollarisch so geregelt, darf sich der aktuelle Vizekanzler auch über die zweitgrößte Bürofläche freuen. 88 Quadratmeter. Im architektonisch pompösesten Gemach residiert der Wirtschaftsminister. Perfekt restaurierte Stuckdecken schmücken den kleinen Saal. Zwei Türen weiter befindet sich die kleine Kemenate, in der sich der junge Familienvater und Berlin-Neuling Philipp Rösler sein Nachtlager einrichtete. Ein Minister auf Montage.

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Umso eleganter das (er)bauliche Umfeld. Vor dem Büro im ersten Stock erstreckt sich eine mit Steinbalustraden eingefasste Terrasse, von der der Dienstherr huldvoll die Mitarbeiter grüßen könnte. Macht er natürlich nicht. Rechts vom Schreibplatz, wo andere Ablagefächer platzieren, ist die Stereoanlage eingebaut, die Musikkenner und Klavierkönner Werner Müller einst orderte; später vergnügte sich dank ihrer CSU-Mann Michael Glos morgendlich mit Anna Netrebko. Unter Glos’ Ägide durfte die Quadratmeterzahl des imposanten Arbeitsraums übrigens nicht genannt werden – „aus Sicherheitsgründen“, wie es hieß.

Kaum kleiner ist das angestammte Vizekanzlerbüro, das Refugium des Außenministers. Der erste Hausherr in Berlin, der Grüne Joschka Fischer, ließ sich auf den 78,2 Quadratmetern einen aufwendigen Terracotta-Boden zu Füßen legen, doch schon Nachfolger Frank-Walter Steinmeier (SPD) wollte lieber auf dem Teppich bleiben. So hielt es auch Guido Westerwelle (FDP). Ebenfalls recht großflächig versorgt: die Minister für Verteidigung, Inneres, Verbraucherschutz und Umwelt.

Residenzielles Mittelmaß bieten die klassischen Ressorts Justiz und Finanzen. Aber auch hier sind rund 50 Quadratmeter zu bespielen. Die Solidaritätsministerien Gesundheit und Soziales geben sich mitfühlend bescheiden. Aber Ursula von der Leyen und Daniel Bahr brauchten aufgrund ihres Körperbaus ja auch nicht viel Platz. In derselben räumlichen Spielklasse tummeln sich die Ressortleiter für Bildung, Familie sowie Verkehr und Städtebau.

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Entwicklungsminister Dirk Niebel residiert zwar im hässlichsten Gebäude, hat aber beste Aussichten (rein optisch natürlich). Dabei steht der Koloss (das Haus natürlich) unter Denkmalschutz, schließlich war er 1931 eines der ersten Stahlskelett- Bürohochhäuser der Stadt. Aus der 10. Etage blickt der Ressortchef von Süden Richtung Regierungsviertel und Reichstag. Zwar hat Niebel seine umstrittene Kopfbedeckung aus Bundeswehrzeiten dem Haus der Geschichte vermacht. Aber da er in einem Regal seines Kontors seine Mützensammlung aufbewahrte, bleibt noch genügend Auswahl, um jetzt den Hut zu nehmen.

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