Berlin-Wahl: Wowereits ungefährdete Wiederwahl

Berlin-Wahl: Wowereits ungefährdete Wiederwahl

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Plakatkleber bringen in Berlin ein Wahlplakat mit einem Großporträt des Regierenden Bürgermeisters und SPD-Spiztenkandidaten Klaus Wowereit an. Am 18. September wird in der Hauptstadt eine neues Abgeordnetenhaus gewählt. Foto: Sebastian Kahnert dpa/lbn

von Henning Krumrey und Cornelia Schmergal

Missstände und Versäumnisse gibt es genug, doch Bürgermeister Klaus Wowereit kann ruhig bleiben. Warum eigentlich?

Gut 100 000 Fotokarten hat er für den Wahlkampf drucken lassen, aber jetzt gehen die Vorräte zur Neige. Sonja Neugebauer zum Beispiel hätte gern gleich drei Autogramme. Für Julia, für Asoll und für Peter, ihre Kinder. Wenn Klaus Wowereit wolle, könne er gern ein paar Exemplare mehr dalassen, sagt Neugebauer. „Die könnte ich vielleicht noch verkaufen.“

Eigentlich ist Berlins Regierender Bürgermeister gekommen, um ein Projekt der Städtischen Wohnungsgesellschaft Degewo anzuschauen. Damit Senioren länger in ihren vier Wänden leben können, bekommen sie ein Alarm-Armband; täglich rufen Ehrenamtliche an, ob es ihnen gut geht. Aber Wowereit ist abgelenkt, als der Geschäftsführer die Idee vorstellt. Er blättert in seinen Unterlagen, kritzelt in einem Redemanuskript. Erst als die Degewo-Beschäftigten um Autogramme bitten, kommt er wieder in Fahrt. Wie ein träger Bernhardiner, der den Kopf nur hebt, wenn’s um die Wurst geht. „Haben wir genug Karten? Oder holt die noch einer aus dem Auto?“, raunt er einem Mitarbeiter zu.

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Wahlprogramm Klaus Wowereit

Am Sonntag wählt Berlin das Landesparlament und damit indirekt das Stadtoberhaupt. 100 Problemlösungen präsentiert die Berliner CDU, auch die Grünen haben ein dickes Konzept vorgelegt. Das Programm der Sozialdemokraten ist mit den Jahren auch fülliger geworden. Es heißt Klaus Wowereit. Die Botschaft der SPD reduziert sich auf sein Gesicht und den Slogan „Berlin verstehen“. Er ist der hochhaushohe Favorit, wird sich als Partner Schwarze, Grüne oder Linke aussuchen können. Persönlicher hat die SPD noch nie wahlgekämpft. Inhaltsleerer auch nicht.

Wowereit sieht das natürlich anders: Wirtschaft sei diesmal das wichtigste Thema. Was noch niemandem aufgefallen ist und vielleicht daran liegt, dass es in Berlin so wenig Wirtschaft gibt, wenn man die kreativen Kleinstunternehmer der Kategorie Was-mit-Mode-oder-Medien mal außer Acht lässt. Der Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten bei der IHK bleibt der Regierende fern.

Hartz-IV-Hochburg

Berlin ist noch immer das ökonomische Sorgenkind der Republik. Nirgendwo sonst leben so viele Menschen von staatlicher Stütze, keine Großstadt zählt mehr Arbeitslose. Die Industrie hat hier weder nach Kriegsende noch nach dem Untergang der DDR-Diktatur wieder Fuß gefasst, von ausgeglichenen Haushalten sind die Berliner allen Sparmühen zum Trotz etliche Jahre entfernt.

Sozialdemokratische Wahlkämpfer können die Erfolgszahlen des rot-roten Senats nur so herunterrattern: dass die Wirtschaft in den vergangenen fünf Jahren doppelt so stark wie der Bundesdurchschnitt gewachsen ist. Dass in zehn Jahren 118 000 Arbeitsplätze hinzukamen. Dass die Aufträge der Industrie im Vorjahresvergleich um 16,2 Prozent gestiegen sind. Was genau Wowereit damit zu tun haben soll, können sie aber nicht so genau sagen.

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