Berlins neuer Bürgermeister: Stimmenauszählung zur Wowereit-Nachfolge läuft

Berlins neuer Bürgermeister: Stimmenauszählung zur Wowereit-Nachfolge läuft

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Bei dem Mitgliederentscheid zur Wowereit-Nachfolge ist eine absolute Mehrheit nötig.

Wenn die Stimmen des Mitgliedervotums ausgezählt sind, könnte feststehen, wer neuer Regierungschef in der Hauptstadt wird. Doch womöglich muss die Entscheidung vertagt werden.

In Berlin hat am Samstagvormittag die Auszählung des Mitgliedervotums für die Nachfolge des scheidenden Regierungschefs Klaus Wowereit (SPD) begonnen. Am Morgen seien 50 Kisten mit Stimmbriefen angekommen, sagte SPD-Landessprecherin Josephine Steffen. Um die Nachfolge haben sich der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß, Stadtentwicklungssenator Michael Müller und Fraktionschef Raed Saleh beworben.

Fast zwei Drittel der rund 17.200 Berliner Sozialdemokraten beteiligten sich am Votum für die Nachfolge des scheidenden Regierungschefs. Es seien etwa 11.000 Stimmen eingegangen, also 63,95 Prozent, sagte Steffen.

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Das Ergebnis des Mitgliedervotums will die SPD am Nachmittag bekanntgeben. Eine Stichwahl zwischen zwei Kandidaten gilt als wahrscheinlich. Der 61 Jahre alte Wowereit hatte nach gut 13 Jahren als Regierender Bürgermeister seinen Rücktritt zum 11. Dezember angekündigt - zwei Jahre vor Ablauf seiner Amtszeit und der nächsten Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl im Herbst 2016.

Wer wird Wowereits Nachfolger?

  • Hintergrund

    Berlins Regierungschef Klaus Wowereit will am 11. Dezember, knapp zwei Jahre vor Ablauf seiner dritten Amtszeit, zurücktreten. Die Berliner SPD sucht einen Nachfolger - und tut sich damit schwer. Die rund 17 200 Parteimitglieder dürfen entscheiden, wen die Partei als künftigen Regierenden Bürgermeister nominiert, der sich dann auch mit dem Pannenflughafen Schönefeld herumschlagen darf.

  • Jan Stöß

    Der 41-Jährige ist Landeschef der Berliner SPD. Er inszeniert sich als Intellektueller, ein wenig schon jetzt als Regierungschef. Sein Leitsatz: „Mut zur Veränderung“. Als Einziger legte Stöß ein Programm vor: Mit einem milliardenschweren „Zukunftsinvestitionsprogramm“ in die öffentliche Infrastruktur und Personal verspricht er wesentlich mehr als die anderen. Unklar bleibt, wie er das finanzieren will. Stöß will die SPD mehr nach links rücken. Erfahrung im Parlament hat der kurzzeitige Stadtrat nicht. Für den Wahlkampf ließ sich der promovierte Verwaltungsrichter beurlauben.

  • Michael Müller

    Wowereits ehemaliger Kronprinz Michael Müller, 49,  will an die Arbeit des Noch-Regierenden anknüpfen. „Ich lasse mir unsere Erfolge nicht kleinreden“, sagt er. Dick auftragen ist dabei nicht seine Art. Er betont stattdessen die Erfahrung von mehr als zehn Jahren als SPD-Partei- und Fraktionschef und drei Jahren als Senator. Oft wurde ihm Blässe nachgesagt - das münzt Müller jetzt in Verlässlichkeit um. „Regieren muss man auch können“, sagte er leicht süffisant in Richtung der weniger erfahrenen Konkurrenz. Selbstkritisch gibt er zu, beim Glamourfaktor „noch Luft nach oben“ zu haben.

  • Raed Saleh

    Fraktionschef Raed Saleh spielt die Migrantenkarte und setzt auf Emotionen. Er sei ein „waschechter Berliner“, versichert der gebürtige Palästinenser, der als Fünfjähriger in die Stadt kam. Saleh will der erste deutsche Ministerpräsident mit ausländischen Wurzeln werden und Wowereits Erfolgsgeschichte von der weltoffenen Metropole weiterschreiben. Sozialer Aufstieg und Bildung sind Salehs Themen. Dabei scheut er sich auch nicht, in Debatten die Ratschläge seiner Grundschullehrerin und seines bereits gestorbenen Vaters zu beschwören: „Arbeite hart, Raed!“ Und: „Achte die deutschen Gesetze!“.

Rund 17 200 SPD-Mitglieder konnten seit dem 20. September darüber abstimmen, wer nächster Regierungschef in der Hauptstadt werden soll. Das Ergebnis gilt auch parteiintern als weitgehend offen. Sieger ist, wer im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erringt, also mehr als 50 Prozent der Stimmen. Das gilt bei drei Kandidaten als eher unwahrscheinlich.

Vorteile wurden Müller eingeräumt, der lange Zeit als engster Vertrauter Wowereits und „Kronprinz“ galt und die meiste Erfahrung vorweisen kann. Der langjährige SPD-Partei- und Fraktionschef wurde jedoch im Juni 2012 von seinen beiden jetzigen Konkurrenten Stöß und Saleh entmachtet.

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Der Nachfolger von Klaus Wowereit könnte bereits an diesem Wochenende feststehen.  Wer auch immer neuer Bürgermeister in der Hauptstadt werden sollte: Es bleibt reichlich zu tun.

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Das Ergebnis eines zweiten Wahlgangs soll am 6. November ausgezählt werden. Bei einem SPD-Parteitag am 8. November soll der siegreiche Kandidat dann offiziell gekürt werden. Er muss sich am 11. Dezember im Abgeordnetenhaus zur Wahl stellen. Die rot-schwarze Koalition in Berlin hat eine Mehrheit von 22 Stimmen im Parlament.

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