Bernd Lucke gründet AfD-Ableger Alfa: Alfa-Tiere unter sich

KommentarBernd Lucke gründet AfD-Ableger Alfa: Alfa-Tiere unter sich

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Bernd Lucke (l) und sein Stellvertreter Bernd Kölmel (r) nach der Gründung der neuen Partei Alfa.

von Konrad Fischer

Nur eine Woche nach seinem AfD-Abgang gründet Bernd Lucke eine neue Partei: Alfa heißt sie - und wird es schwer haben.

So eine Unterwanderung von Rechtsaußen, das wird Bernd Lucke nicht noch einmal passieren, soviel ist klar. In der Satzung seiner neuen Partei Alfa („Allianz für Freiheit und Aufbruch“) hat der ehemalige Vorsitzende der AfD dafür ausführliche Vorkehrungen getroffen. Gleich am Anfang widmet sich das Papier auf acht Seiten den verschiedenen Anforderungen, die eine Person zu erfüllen hat, bevor sie in Luckes Partei eintreten kann. Wie sie wieder ausgeschlossen werden kann, wenn sie sich dennoch unbotmäßig verhält. Und wie mit ganzen Landesverbänden umzugehen ist, wenn die sich gegen die Linie der Zentrale stellen.

Es liest sich wie ein Wunschzettel, den Lucke in seinen letzten Monaten als AfD-Chef geschrieben haben könnte. Wie Mitgliederwerbung klingt es nicht.

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Und genau das dürfte das Problem von Luckes neuer Partei werden. Die verfügt auf den ersten Blick über gute Startbedingungen. Drei Europaabgeordnete sind von Anfang an dabei, mit Hans-Olaf Henkel und Joachim dürften weitere Mandate folgen. Auch ein Thüringer Landtagsabgeordneter hat sich Alfa angeschlossen. Die Finanzmittel, um vom Start weg kampagnenfähig zu sein, sind also da.

Ehemaliger AfD-Chef Lucke gründet neue Partei mit Namen ALFA

Um „Fortschritt und Aufbruch“ soll es bei der neuen Partei von Ex-AfD-Chef Bernd Lucke gehen. Die Neugründung mit dem Kürzel ALFA wurde am Sonntag beschlossen. Die nächste Bundestagswahl hat sie bereits fest im Blick.

Lucke gründet neue Partei mit Namen ALFA Quelle: dpa

Doch der Partei fehlt das, was die AfD in ihrer Gründungsphase für so viele Menschen attraktiv gemacht hat: Der Eindruck, dass sich hier eine Stimmung aus der Mitte der Gesellschaft zu einer politischen Initiative verdichtet. Als sich die AfD Anfang 2013 zur ersten öffentlichen Versammlung in Oberursel versammelte, wurde sie von ihrem eigenen Erfolg geradezu überrannt. Anstatt ein paar Dutzend Interessenten kamen mehr als 1000, die einfach nur dabei sein wollten. Wer sich immer schon gefragt hatte, was das Wort „Aufbruchstimmung“ eigentlich bedeuten soll, in Oberursel war sie live zu erleben.

Ganz anders jetzt die Gründung von Alfa. Nur 70 Auserwählte saßen da in Kassel zusammen, mit Ach und Krach waren überhaupt alle Bundesländer vertreten. Anstatt nach Aufbruch schmeckte dieses Treffen nach Nostalgie: Wir wollen die gute alte AfD zurück, so wie sie mal war, als sie noch unsere war. Im besten Falle gelingt es mit dieser Botschaft, viele der Kämpfer der ersten Stunde auf Seiten der Alfa zu ziehen. Im besten Falle wären das jene knapp 5000 Mitglieder, die Luckes Reformaufruf „Weckruf 2015“ unterzeichnet hatten und jetzt nach und nach die Partei verlassen.

Das wäre eine stattliche Zahl Mitglieder, doch um eine erfolgreiche Partei zu werden, braucht es mehr. Es braucht den Schwung der passiven Unterstützer, die nicht dabei sind, aber bei Wahlen, Petitionen und an Stammtischen für die Partei kämpfen. Und die gewinnt eine neue Partei nicht damit, dass sie sich von Beginn an als geschlossener Club verkauft.

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Vielleicht wäre es deshalb erfolgversprechender gewesen, wenn Lucke sich mit der Neugründung ein bisschen mehr Zeit gelassen hätte. Gerade neun Tage nach seinem AfD-Parteiaustritt stehen Satzung und Programm der Alternative zur Alternative schon im Netz. Die Hektik der Gründung ist den Dokumenten selbst anzusehen. Anstatt einer Überschrift prangt da auf jeder Seite der Hinweis: „Error! Use the Home tab to apply Überschrift 1 to the text that you want to appear here.” Ein Formatierungsfehler wie ihn Professor Lucke aus schludrig verfassten Hausarbeiten kennen dürfte.

Genau diese ungute Eile ist es auch, die sich bei der Parteigründung als entscheidender Fehler erweisen dürfte. Aufgrund des geringen zeitlichen Abstands wirkt die Alfa-Gründung von außen betrachtet wie die Fortführung des parteiinternen Scharmützels. Hier haben sich nicht ein paar Bürger mit gemeinsamen Ansichten zusammen getan, sondern Mandatsträger mit Mangel an Fußvolk. Solche Scharmützel schaut sich der Wähler im besten Falle distanziert an. Zum politischen Engagement aber reizen sie keinen. Denn solche Machtkämpfe sind genau das, was viele Menschen am politischen System so stört. Manche dieser Enttäuschten setzten mal große Hoffnungen in die AfD. Das ist lange her.

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