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exklusiv Bernd Schlömer: Piraten-Chef plädiert für radikales Steuersystem

von Max Haerder und Oliver Voß

Der Bundesvorsitzende der Piraten, Bernd Schlömer, schärft das wirtschaftspolitische Profil seiner Partei und plädiert für ein radikal neues Steuersystem nach dem Vorbild des Heidelberger Professors Paul Kirchhof.

Bernd Schlömer Quelle: dapd
Der Bundesvorsitzende der Piraten Bernd Schlömer Quelle: dapd

Dieses sieht den umfassenden Abbau von Ausnahmeregeln und einheitliche Sätze bei der Einkommensteuer vor. „Wir diskutieren ein einfaches, klares und transparentes System; eines, das jeder Bürger in diesem Land verstehen kann“, sagte Schlömer im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Dazu sollten auch Subventionen abgebaut und Schlupflöcher geschlossen werden. Das geht wohl in die Richtung eines Kirchhof-Modells.“

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Schlömer wirbt zudem für ein Ende der staatlichen Defizitpolitik: „Wir wollen die Schuldenbremse“, sagte er der WirtschaftsWoche. „Der enormen Schuldenlast von mehr als 2000 Milliarden Euro muss begegnet werden. Wir können nur mit dem wirtschaften, was uns zur Verfügung steht.“

Die Piratenpartei arbeite an einem Modell eines Universal-Transfersystems, bei dem jeder Bürger ohne Prüfung Anspruch auf Geld des Staates habe. „Die Piraten sagen: Lasst uns aussteigen aus dem Generationenvertrag, weil er nicht mehr zukunftsfähig ist! Sichere staatliche Rente oder ein festes Renteneintrittsalter – daran glaubt kein junger Mensch mehr“, begründete Schlömer die Pläne.

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Treffen mit Telekom-Chef Obermann

Die Piratenpartei will auch persönliche Kontakte zur Wirtschaft aufbauen. Dazu ist ein baldiges Treffen mit dem Chef der Deutschen Telekom, René Obermann, und weiteren Vorstandsmitgliedern geplant, kündigte Schlömer an. „Die haben ein starkes Interesse“, sagte der Parteichef. Bei den Gesprächen soll es um den Aufbau von Netzen und anderer technischer Infrastrukturen gehen. Auch mit Vertretern des Deutschen Industrie- und Handelskammertages werde es im Juni Gespräche geben. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen sich sehr für uns interessieren“, sagte Schlömer.

Die Piraten strebten eine Wirtschafts- und Wettbewerbsordnung an, „die ich persönlich als zivilisierte Marktwirtschaft bezeichne“, sagte Schlömer der WirtschaftsWoche. Sie seien „eine liberale Partei, mit sozialer und bürgerrechtlicher Ausprägung“. Als „Linkspartei mit Internet-Anschluss“, wie sie von der FDP genannt wurden, wollen die Piraten nicht dastehen. Schlömer: „Das weise ich von uns. Wir werden immer noch ganz falsch eingeschätzt.“

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.06.2012, 15:01 Uhrshadowdancer

    Jeder muß zunächst mal für sich selber sorgen - bei der demographischen Entwicklung sollte das ja auch bald möglich sein !
    Es gibt schon genug Familien, die von Generation zu Generation immer weiter dem Steuerzahler auf der Tasche liegen, weil sie nicht arbeiten wollen. Nur wer wirklich in Not ist, sollte Unterstützung erfahren - dann auch gerne mehr als nur der Regelsatz !

  • 17.06.2012, 14:25 UhrWiwoWast

    "Die Piratenpartei arbeite an einem Modell eines Universal-Transfersystems, bei dem jeder Bürger ohne Prüfung Anspruch auf Geld des Staates habe."

    Mit dieser Aussage disqualifiziert sich diese Partei selber!
    Der übrige Text liest sich sehr vernünftig, den könnte ich inhaltlich auch akzeptieren. Aber "ohne Prüfung" kennen wir bereits aus dem EURO-Beitritt Griechenlands, der diese großartige Aktion jetzt im Treibsand verschwinden lässt. Nachdem ich die "Piraten" noch in der Entwicklungsphase sehe, hoffe ich doch, dass sie unüberlegte Strategien noch einmal überdenken.

  • 17.06.2012, 05:46 UhrSommer

    Man kann nur hoffen, dass diese wohltuend unbeeinflusste Sicht der neuen Politiker der Piratenpartei noch lange erhalten bleibt. Das hätte auch ein ganz normaler, liberaler Bürger sagen können, dem die Realwirtschaft in Deutschland, der soziale Frieden und ein gesunder Staatshaushalt am Herzen liegt. Ich kann nichts von der sogenannten Spaß- und Gratiskultur entdecken, die man dieser neuen Bewegung immer wieder vorwirft. Endlich gibt es eine themenorientierte Partei, die nicht nur eine bestimmte Clientel bedient, sondern bei jedem sich stellenden Problem die jeweils vernünftigste Lösung anstrebt, getragen von der Mehrheit der Bürger.

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