Berthold Huber im Interview: "Jetzt sind wir dran!"

Berthold Huber im Interview: "Jetzt sind wir dran!"

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Berthold Huber, 58, ist seit November 2007 Vorsitzender der IG Metall

IG-Metall-Chef Berthold Huber über den anstehenden Showdown in der Tarifrunde – und den härteren Kurs der Gewerkschaften in den Aufsichtsräten.

Berthold Huber ist ein kluger Kopf, aber ein ziemlich lausiger Festredner. Als er jüngst auf einem Kongress in Frankfurt über „Globalisierung und Gerechtigkeit“ spricht, kommt er immer wieder ins Stocken. Bisweilen sind die Pausen zwischen den mehr gekrächzten als gesprochenen Sätzen so lang, dass sich die gut 150 Zuhörer fragen, ob der IG-Metall-Vorsitzende nur überlegt – oder soeben den Faden verloren hat.

Seine Metaller stört das wenig. Denn organisationspolitisch hält Huber mittlerweile alle Fäden in der Hand. Seit einem Jahr ist der Kettenraucher und passionierte Klavierspieler Chef der weltgrößten Gewerkschaft. In dieser Zeit hat er die unter der Ägide seines Vorgängers Jürgen Peters in Flügelkämpfen zerrissene Gewerkschaft befriedet – und will nun in seiner ersten Tarifrunde als Gewerkschaftsboss den Arbeitgebern satte Lohnprozente abtrotzen.

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Huber stammt aus Ulm. Nach Abitur und Zivildienst machte er eine Ausbildung als Werkzeugmacher beim Bushersteller Kässbohrer. Mit 35 Jahren begann er in Frankfurt ein spätes Philosophie- und Geschichtsstudium, fünf Jahre später ging er als Aufbauhelfer nach Ostdeutschland. 1991 wechselte er in die Zentrale, 1998 wurde er Bezirksleiter in Baden-Württemberg, 2003 Vize-Chef in der Zentrale.

Huber, der im Aufsichtsrat von Siemens und Audi sitzt, hat eine Herkulesaufgabe vor sich: Seit 2000 hat die IG Metall über 400.000 Beitragszahler verloren und zählt nur noch 2,3 Millionen Mitglieder. Die Gewerkschaft ist immer noch ein Spiegelbild des Industriezeitalters – das typische Mitglied ist männlich und Arbeiter.

Ob Huber die Gewerkschaft langfristig stabilisieren kann, hängt auch davon ab, ob sich mehr Angestellte, junge Arbeitnehmer und Frauen gewinnen lassen. Immerhin: Die Zahl der Mitglieder in den Betrieben wird 2008 erstmals seit Jahren zulegen.

Die Tarifrunde indes läuft für Huber nicht wie erhofft. Angestachelt von hohen Abschlüssen in anderen Branchen, lehnte sich die IG Metall früh mit einer abenteuerlichen Acht-Prozent-Forderung aus dem Fenster. Dann eskalierte die Finanzkrise, viele Experten rechnen nun mit einer Rezession. Huber verteidigt den Kurs der IG Metall – bietet den Arbeitgebern aber auch Kompromisse an.

WirtschaftsWoche: Herr Huber, in dieser Woche kommt es in der Tarifrunde zum Showdown. Am Dienstag treffen sich die Tarifpartner in Baden-Württemberg zur letzten Verhandlungsrunde. Wie hoch sind die Chancen für eine Einigung?

Huber: Bisher ist der Verhandlungsstand sehr bescheiden. Das Angebot der Arbeitgeber von 2,1 Prozent für 2009 ist ein Witz. Wir wollen eine schnelle Einigung. Sollte es jedoch bei diesem Angebot bleiben, müssen wir am Dienstag gar nicht mehr weiterreden

Und dann?

Wir haben ein klares Eskalationsszenario. Kommt es zu keiner Einigung, wird der IG-Metall-Vorstand am Mittwoch das Scheitern der Verhandlungen beschließen und am Donnerstag die Urabstimmung einleiten. Am darauffolgenden Montag beginnt dann der Arbeitskampf.

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