Beschäftigung: Wie lange der Arbeitsmarkt der Krise noch standhält

Beschäftigung: Wie lange der Arbeitsmarkt der Krise noch standhält

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Agentur für Arbeit in Gelsenkirchen: Der Arbeitsmarkt reagiert auf konjunkturelle Wendepunkte mit einer Verzögerung von rund sechs Monaten

Die konjunkturellen Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Wie lange hält der Arbeitsmarkt der Krise noch stand? Und welche Puffer haben die Unternehmen, um Entlassungen zu verhindern?

Einen solchen Ansturm hatten die Rechtsanwälte der Kanzlei Dr. Schreiner + Partner noch nie erlebt. Normalerweise dauert es gut zwei Monate, bis ihre Seminare voll sind. Doch die fünf Termine, die das Juristenteam aus dem sauerländischen Attendorn jetzt kurzfristig für Dezember ins Programm hob, waren innerhalb weniger Tage nahezu komplett belegt. Offenbar hatte die auf Arbeitgeberberatung spezialisierte Kanzlei den Nerv der Firmenchefs getroffen. Der Titel des neuen Seminars: „Arbeitsrechtliche Optionen in Krisenzeiten“.

Vor wenigen Monaten noch hätte sich kaum jemand für dieses Thema interessiert. Die Geschäfte brummten, und die Personalabteilungen hatten eher damit zu tun, neue Leute zu rekrutieren, als sich mit Kündigungsfristen, Abfindungsregeln und Sozialplänen auseinanderzusetzen. Doch seit der Krisenbazillus von der Bankenbranche auf die Realwirtschaft übergesprungen ist und seit sich immer klarer abzeichnet, dass Deutschland in die schlimmste Rezession der Nachkriegsgeschichte rutscht, überdenken viele Unternehmer ihren Personalbedarf. Arbeitsrechtler Dirk Schreiner, der schon in früheren Krisen einschlägige Erfahrung gesammelt hat, ist verblüfft: „Diesmal herrscht regelrecht Panik.“

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Fällt Deutschland in die Massenarbeitslosigkeit zurück?

Fällt Deutschland im Windschatten der globalen Wirtschaftskrise in schon überwunden geglaubte Zeiten der Massenarbeitslosigkeit zurück? Oder gelingt es dem Arbeitsmarkt, sich vom rapiden Abschwung abzukoppeln? „Dank der Strukturreformen der Regierung Schröder ist der deutsche Arbeitsmarkt weit widerstandsfähiger und besser gerüstet als in früheren Rezessionen“, sagt Wolfgang Franz, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR). Vor allem die strukturelle Arbeitslosigkeit sei „signifikant gesunken“.

In ihrem jüngst präsentierten Jahresgutachten sagen die „Fünf Weisen“ für 2009 nur einen verblüffend moderaten Anstieg der Arbeitslosenquote von 7,8 auf 7,9 Prozent voraus. Das entspricht einem minimalen Abbau von 36.000 Stellen. Doch seit dem 6. November, dem Redaktionsschluss der 595-Seiten-Expertise, hat sich die Lage zugespitzt. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte verheerende Wachstumszahlen für das dritte Quartal. Danach ist die deutsche Wirtschaft gegenüber der Vorperiode um 0,5 Prozent geschrumpft. Der ifo-Geschäftsklimaindex erreichte in der vorvergangenen Woche den niedrigsten Stand seit mehr als 15 Jahren. Wenig später sickerte durch, dass die Deutsche Bundesbank für 2009 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent rechnet – das wäre der stärkste Wirtschaftseinbruch der Nachkriegsgeschichte.

Diese neuen Erkenntnisse lassen ZEW-Chef Franz inzwischen von der Alles-halb-so-wild-Prognose des Sachverständigenrats abrücken. Die liege „angesichts der jüngsten Konjunkturdaten sicher an der oberen Optimismusgrenze“, sagte er der WirtschaftsWoche. „Wenn sich im Laufe des kommenden Jahres abzeichnet, dass die Rezession länger andauert, könnte das doch noch eine Entlassungswelle provozieren und zu weit höheren Arbeitslosenzahlen als die vorhergesagten 3,3 Millionen führen.“

Holger Schmieding, Chefökonom Europa bei der Bank of America, wird noch konkreter: Er hält 2009 einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen um 500.000 auf dann rund 3,8 Millionen für möglich. Den düstersten Ausblick schließlich liefern die Commerzbank und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD): Die OECD sagt für Deutschland 700.000 zusätzliche Arbeitslose bis Ende 2010 voraus – die Volkswirte der Commerzbank erwarten diesen Horrorwert bereits in den kommenden zwölf Monaten. Aus der Luft gegriffen sind solche Zahlen nicht: Während der letzten – milden – Rezessionsphase 2002/03 strichen die Unternehmen rund 600.000 Jobs.

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