Bestseller-Alarm: Guttenberg-Buch stürmt die Verkaufscharts

Bestseller-Alarm: Guttenberg-Buch stürmt die Verkaufscharts

, aktualisiert 29. November 2011, 16:54 Uhr
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"Vorerst gescheitert" heißt das Buch, in dem "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) interviewt.

von Andreas NiesmannQuelle:Handelsblatt Online

Das Guttenberg-Comeback ist schon jetzt ein großer Erfolg – zumindest wirtschaftlich gesehen. Sein Buch „Vorerst gescheitert“ stürmt die Verkaufscharts. Das politische Echo hingegen ist verheerend.

DüsseldorfViel wurde darüber geschrieben, ab heute liegt es in den Buchhandlungen: 208 Seiten dick, in einem leuchtend roten Einband und für 19,99 Euro zu haben. „Vorerst gescheitert“ heißt das Buch, in dem Giovanni di Lorenzo Deutschlands gefallenen Polit-Star Karl-Theodor zu Guttenberg interviewt. Drei Tage lang haben sich der Chefredakteur der Zeit und der ehemalige Verteidigungsminister in ein Londoner Hotel zurückgezogen, und einen der märchenhaftesten politischen Aufstiege sowie einen der brutalsten Abstürze aufgearbeitet, die das Land je erlebt hat.

Schon jetzt kann man sagen: Der Aufwand hat sich gelohnt: Für den Chefredakteur der Wochenzeitung allemal, denn er konnte sein Blatt mit dem Exklusiv-Gespräch aufmachen und gleich mehrere Seiten mit Auszügen daraus füllen. Und auch beim Herder-Verlag ist man glücklich: 80.000 Exemplare ließ das Freiburger Verlagshaus für die erste Auflage drucken, ein Großteil davon war bereits vor der Veröffentlichung von Buchhändlern oder Online-Kunden vorbestellt worden. Auf der Bestseller-Liste des Online-Händlers Amazon schoss das Buch am Dienstag auf Platz vier vor, bei den politischen Büchern belegt es bereits Rang eins.

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„Mit der Nachfrage sind wir sehr zufrieden“, bestätigte eine Herder- Sprecherin auf Anfrage von Handelsblatt Online. Zahlen, wie der Verkauf im Handel angelaufen ist, veröffentlicht der Verlag zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Man werde die ersten Verkaufstage beobachten und dann zügig entscheiden, ob und wann eine zweite Auflage erscheine. „Wenn nötig, bekommen wir das sehr schnell hin“, sagte die Sprecherin.

Wirtschaftlich gesehen ist der Comeback-Versuch des frühren Verteidigungsministers ein großer Erfolg, auch die mediale Aufmerksamkeit ist dem früheren CSU-Hoffnungsträger gewiss. Ob sich das sorgfältig inszenierte Comeback des neun Monaten von der Bildfläche verschwundenen Guttenbergs allerdings auch politisch für ihn auszahlen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt zumindest zweifelhaft. Denn Guttenberg nutzte das Buch auch, um die eine oder andere offenen Rechnung zu begleichen. Die Opposition, die eigene Partei und das ganze politische System – ihnen allen verpasst der Freiherr eine Abreibung. Selbst vor der Universität Bayreuth, die sich in der Plagiats-Affäre lange vor  ihren berühmten Doktoranden gestellt hatte, macht Guttenberg nicht halt.

Doch die Gescholtenen lassen das nicht auf sich sitzen – holen zum Gegenschlag aus. Es sei kein guter Stil, „wenn alles und jeder herabgesetzt wird, um selbst erhöht zu werden“, watschte der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer Guttenberg in der vergangenen Woche ab und bat ihn höhnisch, die „Wortgirlanden zu beenden“ und Rücksicht zu nehmen auf die Tausenden, die sich in deutschen Parteien täglich für die Zukunft des Landes engagierten.


„Entweder er lügt, oder er hat einen Realitätsverlust erlitten.“

Am Dienstag legte die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär nach und wies die Guttenbergsche Frontalkritik an ihrer Partei zurück. Sie könne seine Behauptung, die Christsozialen seien keine Volkspartei mehr, nicht nachvollziehen, sagte Bär im ZDF-„Morgenmagazin“. Die CSU sei auch „ein Stück Heimatgefühl“, weshalb es „schon ein bisschen schade“ sei, wenn die über 200.000 Mitglieder sich jetzt so belehren lassen müssten. In dem neuen Buch wirft Guttenberg der Parteiführung schwere Versäumnisse vor. Es drohe die Gefahr, dass die CSU zu einer Regionalpartei absteige.

Auch mit der Universität Bayreuth, die Guttenberg in Folge der Plagiatsaffäre seinen Doktortitel aberkennen musste, geht der ehemalige Verteidigungsminister hart ins Gericht. „Die Universität war in dieser Sache leider nicht unabhängig, wie etwa die Staatsanwaltschaft, sondern immer Partei“, antwortet der 39-Jährige in dem Buch auf eine Frage. Der Kommission, die seine Doktorarbeit geprüft habe, sei es um den drohenden Verlust von Forschungsgeldern gegangen. „Ich bin nicht bereit, mir von einer Kommission, die noch nicht einmal mehrheitlich mit Juristen besetzt gewesen ist, eine rechtlich relevante vorsätzliche Täuschung vorwerfen zu lassen“, fügte Guttenberg hinzu.

Die Kommission der Universität Bayreuth war zu dem Schluss gekommen, dass Guttenberg die Standards wissenschaftlicher Arbeit grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht habe. Guttenberg wirft dem Gremium vor, ein Urteil schon vor Beginn der eigentlichen Prüfung gefällt zu haben. „Bevor sie mich gehört hat, hat mich die Universität über Durchstechereien an die Medien wissen lassen, wie das Ergebnis ausfallen wird.“ Die Kommission habe eine Indizien-Annahme aufgestellt, ohne sie sauber zu begründen.

Damit brachte er den bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) gegen sich auf. „Die Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft der Universität Bayreuth hat hier sorgfältig und unabhängig geprüft und ist zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen“, wies er die Vorwürfe energisch zurück. Daran gebe es nichts zu deuten. „Hier geht es allein um die Grundsätze guten wissenschaftlichen Arbeitens, die ganz selbstverständlich auch Grundlage für die Gewährung von Forschungsgeldern sind und sein müssen“, schrieb Heubisch in einer Mitteilung.

Noch deutlicher wurde der bayreuther Rechtsprofessor Oliver Lepsius. Dass Guttenberg die vorsätzliche Täuschung nicht wahrhaben wolle, sei „juristisch gesehen absurd“, sagte der Nachfolger von Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Einer Strafe entgehe Guttenberg nur deshalb, weil das Urheberrecht sich an Vermögensschäden orientiere, sagte Lepsius. „Sich nun darauf auszuruhen, finde ich unbillig“, fügte der Jurist hinzu. Dass Guttenberg absichtslos seitenweise Ausarbeitungen des Deutschen Bundestags übernommen habe, glaube kein Mensch, so der Professor. „Seine jüngsten Äußerungen lassen offen, ob er schlicht lügt oder einen Realitätsverlust erlitten hat.“

 

Mit Material von dapd und dpa

Quelle:  Handelsblatt Online
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