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Kommentar Betreuungsgeld: Eltern gegen Eltern

von Roland Tichy

Es sind die kleinen Dinge, die manchmal so kompliziert sind. Etwa das geplante Betreuungsgeld: 100 Euro sollen Familien erhalten, die ihre Kinder zu Hause erziehen und nicht eine Kita in Anspruch nehmen.

Quelle: Klaus Stuttmann
Quelle: Klaus Stuttmann

Solche Familien kommen dem Staat billig – die 100 Euro Betreuungsgeld sind nur ein Bruchteil der Kosten, die in den Kitas entstehen. Kann man also dagegen sein?

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Man kann. Manuela Schwesig, SPD-Vize, findet das „rückwärtsgewandt“. Kinder zu Hause statt in staatlicher Betreuung ist bäh. Ganz furchtbar. Wo kämen wir dahin? Nur staatliche geprüfte Kita-Beamte können Kinder erziehen. Aus allen anderen kann nichts werden. Mittlerweile schließen sich auch CDU-Abgeordnete an wie Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher, und die Medienbeauftragte Monika Grütters. Für sie ist das ein „Unfug-Gesetz“. Die Begründung fehlt.

Eltern sollen gegen Eltern ausgespielt werden. Gute Eltern schicken ihre Kinder in die staatliche Betreuung und werden dafür unterstützt. Schlechte Eltern erziehen sie selber, und wenn es schon keine Kindererziehungsstrafsteuer gibt, dann hält man sie wenigstens kurz und knapp. Ich selbst gehörte zu den guten Eltern. Meine drei Kinder sind in unterschiedlichen Erziehungsformen groß geworden: Kita, gemeinsame Kinderschule, Tagesmutter. Wie viele Eltern haben wir mühsam einen Weg gesucht, um Beruf und Familie zu vereinen.

Das war nicht einfach. Das will ich meinen Kindern gern ersparen, wenn sie so weit sind. Denn: Meine Frau und ich wären dankbar gewesen für Hilfe, etwa das Betreuungsgeld. Ich freue mich, dass es in Zukunft anderen jungen Eltern helfen kann. Hoffentlich.

Deshalb wundert mich der Hass, der von SPD-, Grünen- und Unionspolitikern diesem Vorschlag entgegengebracht wird. Es wird auch Herd-Prämie genannt. Aber viele Mütter und Väter finden in der Situation mit mehr Kindern keinen adäquaten Job. So werden Kinder zum Armutsrisiko. Und machen wir uns nichts vor: Bei drei und mehr Kindern entsteht ein Stress, den sich viele heute nicht vorstellen können, die gerade ein Kind haben und meinen, das sei der Höhepunkt allen Übels – bei vielen Kindern ist eines immer krank, gerade schlecht drauf oder aus irgendeinem der vielen Kindergründe auf die Eltern angewiesen.

Gerade Viel-Kinder-Familien brauchen das Betreuungsgeld. Dem sollten wir nachgeben. Kinder zu haben ist keine Strafe, der nur mit einem Bewährungshelfer abgeholfen werden kann. Kinder sind Freude. Gönnen wir es Eltern, dass sie davon nicht genug kriegen können. Kinderzeit ist kurze Zeit. Die Berufszeit davor und danach wird vielen lange genug. Manche genießen, ja, liebe Kritiker, ihre Kinder. Gönnen wir ihnen das und helfen wir ihnen bei der Bewältigung.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.05.2012, 21:45 Uhrblauheuberg

    Man kann sich fragen, warum der Staat elterliche Kindererziehung mit einem Betreuungsgeld honorieren soll. Noch mehr muss man sich aber dann fragen, warum der Staat die Auslagerung der elterlichen Erziehungspflicht (Art. 6 GG) mit bis zum 1.000 EUR pro Kind und Monat subventioniert.

  • 04.04.2012, 19:31 UhrGottfried

    Wir haben drei Kinder, die mittlerweile erwachsen sind. Alle haben anständige Berufe und fallen unserem Staat nicht zur Last, im Gegenteil. Wie war das möglich ohne Kita? Die armen Kinder ohne soziale Kontakte in ihrer Kleinkindphase! Wir bekamen damals Erziehungs- und Landeserziehungsgeld. Ohne hätten wir uns die Kinder gar nicht leisten können. Und wie meine Frau mit drei Kindern Vollzeit hätte arbeiten sollen bleib´t mir auch ein Rätsel. Freilich braucht man auch Kitas. Das steht doch außer Frage. Aber die jungen Familien brauchen auch Geld um sich Kinder überhaupt leisten zu können. Unsere Geburtenrate ist nicht umsonst so niedrig. Viel wichtiger wäre es, wenn Väter oder Mütter nach den ersten Jahren der Kindererziehung wieder in den Beruf zurück können und wenn es mehr Teilzeitarbeitsplätze gäbe. Welche Mutter mit zwei oder drei Kinder kann denn Vollzeit arbeiten?

  • 04.04.2012, 04:15 Uhrrxm

    Die Kinder müssen überhaupt nicht in Betreuung gegeben werden. Das war und ist auch in Zukunft freiwillig. Es ist nur die Frage, ob dafür, dass ein Kind zuhause erzogen wird auch noch zusätzlich Geld gezahlt werden soll. Wenn ich mir diese Diskussion zum Betreuungsgeld so anschaue, dann frage ich mich, wie es bisher Eltern überhaupt geschafft haben, ihre Kinder zu erziehen. Ganz ohne zusätzliches Betreuungsgeld.

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