Betreuungsgeld und Co.: Das Versagen der Familienpolitik

04. Februar 2013

Die Familienleistungen des Staates sind teuer und weitgehend erfolglos. Zu diesem – wenig überraschenden – Befund kommt eine Gruppe von Forschern. Die Opposition jubelt, doch auch sie trägt Mitschuld.

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Familienpolitik in Deutschland ist teuer und erfolglos. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Bundesregierung, aus der erste Details durchsickerten. Überraschend ist das Resultat nicht, wer einen Blick auf die Geburtenraten in Deutschland wirft, muss zu dem gleichen Ergebnis kommen. 1,36 Kinder bekommt eine Frau in Deutschland im Schnitt. Die Fertilitätsrate hat sich damit innerhalb von 20 Jahren kaum verändert (1990: 1,45 Geburten pro Frau) – trotz der Erhöhung des Kindergeldes oder der Einführung des Elterngeldes.  

Auch der Zwischenbericht der Forscher aus dem der „Spiegel“ zitiert, stellt fest, dass ein großer Teil der 200 Milliarden Euro an Geldtransfers, Steuernachlässen und Versicherungsleistungen Jahr für Jahr recht wirkungslos verpufft. Das Kindergeld: „wenig effektiv“. Das Ehegattensplitting: „ziemlich unwirksam“. Die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung: „besonders unwirksam“.


Eine interne Bestandsaufnahme des Familienministeriums von 2010 umfasst 156 ehe- und familienbezogene Einzelmaßnahmen mit einem Volumen von 200,3 Milliarden Euro. Darunter fallen aber auch Leistungen wie die Witwenrente. Knapp 40 Milliarden kostet das Kindergeld und 4,9 Milliarden das Elterngeld. Fast 150.000 Euro zahlt der Staat im Schnitt pro Kind bis zum 18. Lebensjahr. Dennoch liegt die Geburtenrate klar unter dem EU-Schnitt.
Demnach gibt es insgesamt ein Versagen in der Familienpolitik in den letzten Jahrzehnten, zu verantworten also von Union, FDP, SPD und Grünen gleichermaßen. Ein Befund der Forscher ist, dass bestens ausgebildete Frauen vom Job ferngehalten würden - und mangels Rentenbeiträgen die Altersarmut von morgen so noch gefördert werde.

Die Kritik geht Richtung Union, die mit dem ab August ausgezahlten Betreuungsgeld das Erziehen daheim stärken will. Eltern, die für ihr Kind im zweiten und dritten Lebensjahr keinen Kita-Platz oder eine staatlich bezahlte Tagesmutter in Anspruch nehmen, erhalten dann monatlich erst 100, später 150 Euro. Die Koalition rechnet mit 1,1 Milliarden Euro Kosten pro Jahr, die Opposition mit zwei Milliarden.

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Kommentare | 7Alle Kommentare
  • 04.02.2013, 16:24 UhrVwt

    Hier schütten einige "Experten" das Kind mit dem Bad aus! Wurde der Wert der Familie im Alltag untersucht? Sofern Frauen arbeiten wollen, sollten sie den Einfluss der Familie auf ihren Job minimieren - aus Sicht vieler Arbeitgeber!! Hier muss mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt politisch durchgesetzt werden, sonst ändert sich nichts! Der Kinderhort - als moderne Aufbewahrungsanstalt - ist keine Lösung! Die Tante aus der KiTa soll da die Mutter ersetzen?? Theorie !
    Hat die o.g. Expertengruppe die extreme Stressbelastung von G8-Schülern betrachtet?? In die Schule eingesperrt, staut sich da einiges auf. Wer steht hier als Vertrauensperson und Ansprechpartner zur Verfügung - außer den Eltern wohl kaum jemand.
    Auffälliges asoziales Verhalten und Gewaltbereitschaft an den Schulen hat extrem zugenommen. Hier fehlen Wertmaßstäbe und soziale Fixpunkte, an denen sich Jugendliche orientieren können.
    Diese Probleme lösen sich nicht durch theoretisch höhere Rentenbeiträge von Müttern!! Was soll der asoziale Schwachsinn mit den 450€ Jobs?? Durch systematischen Missbrauch verlieren die Rentenkassen hier Milliarden und die Betroffenen streben mit Sicherheit in die Altersarmut.
    Dass Kinder und Familie unzureichend gefördert werden, ist unstrittig und die verheerenden sozialen Folgen der zu geringen Kinderzahl sind Familienökonomen bestens bekannt. Für Familien fehlt noch heute die notwendige soziale Sicherheit, nicht nur die Aufbewahrung von Kleinkindern! Hier müssen soziale Schutzmechanismen installiert werden, die jungen Eltern die notwendige Sicherheit geben. Mit Geld allein ist das nicht zu machen. Allerdings sollte man intensiv über die unsicheren Verhältnisse am Arbeitsmarkt und deren Reduzierung nachdenken!
    Vor ca. 30 Jahren habe ich meine Diplomarbeit in diesem Fachgebiet abgeschlossen. Schon der damalige Forschungsstand wurde bis heute kaum umgesetzt, stattdessen die Arbeitswelt mit neoliberalen Dogmen auf den Kopf gestellt.
    ein Volkswirt mit Lebenserfahrung

  • 04.02.2013, 16:40 UhrCarla

    Es sollte nicht sein, daß Kleinstkinder (Säuglinge und Kinder bis 2 Jahren)in Aufbewahrungseinrichungen versorgt werden . Dies ist keine akzeptabele Lösung für Familien , denn den Kindern wird die Liebe entzogen - es geht in dieser Sache tatsächlich um Liebesentzug .Die Folgen werden nicht gesehen - des Arbeitsmarktes wegen ausgeblendet.
    Mütter und Väter gehören während dieser Kleinstkinderzeit unterstützt , die Familien besser informiert, und sämtliche Angebote zur ordentlichen, besten Erziehung angeboten.

  • 04.02.2013, 17:04 Uhrweseemann

    Leider wieder eine der vielen wertlosen Studien, die wahrscheinlich von einigen Pisa-Verlierern verfasst wurde. In Deutschland scheint sich die Meinung zu manifestieren, dass junge Erwachsene durch finanzielle Anreize mehr Kinder bekommen. Dieses System wird nicht funktionieren. Eine andere Frage, die sich mir stellt: Wer hat die Studie verfasst? Waren da Kinderpsychologen beteiligt? Stattdessen denkt man daran, das Ehegattensplitting abzuschaffen. Aus eigener Erfahrung: ohne Kindergeld hätten wir trotzdem Kinder gehabt, ohne Ehegattensplitting wäre es aber nur schwer möglich gewesen. Die Autoren hätten sich lieber die Frage stellen sollen, welche Massnahmen den größten Effekt auf die Zahl der Kinder hat. Ich bin sicher: ohne Ehegattensplitting liegt die Zahl der Kinder pro Paar bei knapp über 1. Weitere Auswirkung des Ehegattensplittings: Dies impliziert, dass jeder Ehepartner selbst für die Finanzierung der Familie verantwortlich ist, was im Umkehrschluss heisst, dass nach einer Scheidung an den Ehepartner kein Unterhalt mehr gezahlt werden muss. Will das die Politik?
    Insgesamt erscheint mir das an Angriff auf ein bewährtes System, in dem uns unterschwellig die alte DDR-Ideologie untergeschoben werden soll.
    Langfristig wird sich zeigen, welches Gesellschaftssystem das stabilere ist: Ein Gesellschaftssystem, wie es hier propagiert wird, oder ein Gesellschaftssystem wie es eher in südlich gelegenen, religiös anders orientierten Ländern vorherrscht. Da sollte sich jeder seine Gedanken machen.

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