Betriebsräte: Gewerkschaften wollen von Betriebsratswahlen profitieren

Betriebsräte: Gewerkschaften wollen von Betriebsratswahlen profitieren

von Bert Losse

Bei den anstehenden Betriebsratswahlen wollen die DGB-Gewerkschaften ihre Vormachtstellung ausbauen – und ganz nebenbei ihren Mitgliederschwund bremsen.

Die Unternehmen Bippus und Erfi haben eigentlich wenig gemeinsam. Paul Bippus ist ein Automobilzulieferer in Oberndorf. Erfi stellt in Freudenstadt unter anderem Messgeräte her. Was die beiden Mittelständler eint: Sie haben neuerdings einen Betriebsrat.

Damit befinden sie sich in guter Gesellschaft: Zwischen März und Mai stehen in der deutschen Wirtschaft – wie alle vier Jahre – Betriebsratswahlen auf dem Programm. In dieser Zeit wählen die Beschäftigten von rund 40 000 Unternehmen mehr als 105 000 Betriebsratsgremien. Allein in der Metall- und Elektroindustrie können 3,1 Millionen Wahlberechtigte in 10 000 Betrieben rund 70 000 Betriebsratsmitglieder küren.

Anzeige

Die Wahlen seien „von herausragender Bedeutung“ und „müssen zu einem organisationspolitischen Erfolg werden“, stimmt Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, seine Organisation auf den Urnengang ein. Der Hintergrund: Betriebsräte spielen eine Schlüsselrolle beim Anwerben neuer Mitglieder.

Umfragen des gewerkschaftsnahen Wirtschafts-und Sozialwissenschaftlichen Instituts zeigen, dass sich die Hälfte der gewerkschaftlich organisierten Betriebsräte aktiv in der Mitgliederakquise engagiert – und solche Hilfsdienste haben die Gewerkschaften bitter nötig. 2009 verloren die DGB-Gewerkschaften 107 000 Kunden, ein Minus von 1,7 Prozent. In diesem Jahr, wenn die Arbeitslosenzahlen steigen, könnten es deutlich mehr werden. Die „schwarze Null“ jedenfalls, die die IG Metall erstmals seit der Wiedervereinigung erreichen will, ist in weite Ferne gerückt.

Präsenz in kleinen Betrieben verstärken

Vor allem in kleinen und mittleren Betrieben, etwa im Handwerk, kriegen die Gewerkschaften nach wie vor keinen Fuß in die Tür. Und das, da sind sich die Funktionäre sicher, liegt vor allem daran, dass es in nur rund sechs Prozent aller Kleinbetriebe einen Betriebsrat gibt. Zum Vergleich: In Großunternehmen sind es knapp 90 Prozent.

„Wir wollen über neue Betriebsräte unsere Präsenz in kleineren und mittleren Betrieben verstärken“, kündigt Metaller Wetzel nun an. Bundesweit fahnden IG-Metall-Sekretäre derzeit nach Unternehmen, in denen sich eine Betriebsratswahl organisieren lässt. Insgesamt, so die interne Vorgabe, sollen 2010 in der Branche 1500 neue Betriebsräte installiert werden. In rund 300 Fällen sei dies schon geschehen, heißt es in der IG Metall.

Auch die Kollegen von Verdi treiben die Gründung von Betriebsräten voran – neuerdings sogar per Tarifvertrag: Ein im Februar geschlossener Deal mit dem Discounter Netto sieht nicht nur den Eintritt in den Flächentarifvertrag vor, sondern sichert auch flächendeckende Betriebsratswahlen in dem Handelsunternehmen mit seinen rund 55 000 Beschäftigten ab.

IG Metall will 75 Prozent

Darüber hinaus geht es den Gewerkschaften bei den Wahlen darum, ihre Dominanz in bestehenden Betriebsräten ausbauen. Während der DGB für den Urnengang 2006 ein Ergebnis von 73 Prozent für seine Gewerkschaften reklamiert, geht das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) von rund 50 Prozent aus. Der Rest verteilt sich auf unabhängige Kandidaten. Einig sind sich die Experten nur in einem: Die Stimmenzahl der Gewerkschaften erodiert seit mehreren Wahlperioden. Diesen Trend wollen die Gewerkschaften nun mithilfe eines aufwendigen Wahlkampfes umdrehen, die IG Metall etwa will laut Wetzel „mindestens 75 Prozent“ holen.

Ein Selbstläufer wird die Wahl trotzdem nicht. Gegen die Allmacht der gewerkschaftlich organisierten Betriebsräte rührt sich mancherorts Widerstand. Bei Daimler in Untertürkheim treten bei der Wahl neben der IG Metall gleich vier konkurrierende Listen an. Auch die skandalumwitterte „Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger“ (AUB) will es noch mal wissen. Die in die Siemensaffäre verwickelte Organisation, deren Ex-Chef Wilhelm Schelsky von Siemens über 50 Millionen Euro erhalten haben soll, hat sich nach eigenen Angaben komplett neu aufgestellt; Schelsky wurde rausgeworfen. „Wir wollen Arbeitnehmer ansprechen, die mit den Gewerkschaften und ihrer Ideologie nichts zu tun haben wollen“, sagt der AUB-Vorsitzende Rainer Knoob.

Und die Arbeitgeber? Die Ansicht von IG-Metall-Vize Wetzel, dass „der Nutzen eines Betriebsrats für das Unternehmen höher ist als der Aufwand“, dürften nicht alle teilen. Je nach Unternehmensgröße müssen bis zu zwölf Betriebsratsmitglieder von ihrer normalen Tätigkeit entbunden werden und dürfen sich voll der Gremienarbeit widmen. Nach älteren IW-Umfragen von 2004 kostet ein Betriebsrat pro Mitarbeiter und Jahr 338 Euro – bei einem Unternehmen mit 200 Beschäftigten also schon knapp 68 000 Euro.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%