Bettina Röhl direkt: Der Zug der Zeit fährt sanft nach links

ThemaWahlen 2016

kolumneBettina Röhl direkt: Der Zug der Zeit fährt sanft nach links

Kolumne von Bettina Röhl

Das linke Lager wird mehr Stimmen erreichen als das konservative, trotzdem hat Merkel Chancen, Kanzlerin zu bleiben. Die Konservativen müssen kämpfen und sich von Merkel emanzipieren, wenn sie die Wahl 2013 gewinnen wollen.

Eine recht satte Mehrheit der Deutschen lebt, denkt und fühlt konservativ. Dies gilt für die Gruppe der Wähler und möglicherweise verstärkt für die Gruppe der Nichtwähler - so die hier vertretene These. Allerdings bedeutet ein systemkonformes Leben, das vom Ganzen profitieren und sich im Kapitalismus eingerichtet haben, also das, was man gemeinhin als konservativ bezeichnet, noch lange nicht, dass die Mehrheit der Deutschen auch konservativ wählt.


Die Unionsparteien bringen plusminus 41 Prozent auf die Waage, die FDP vier Prozent. Eine hinreichend große Zahl von strategisch denkenden CDU-Wählern, die die FDP erhalten wollen, wird dafür sorgen, dass Schwarz-Gelb gemeinsam 45 oder vielleicht 46 Prozent der Stimmen in Summe erringen wird.
Die andere Hälfte, links der Mitte, wie Willy Brandt es einmal ausdrückte, hat eine gute Chance auf 48, wenn nicht gar 49-50 Prozent Stimmenanteil zu kommen, oder sogar 50 Prozent plus einem kleinen X. Die SPD ist für irgendetwas zwischen 28 und 33 Prozent gut. Die Grünen könnten mit 12-14 % dabei sein und die Linkspartei hat nach wie vor Chancen mit plusminus sechs Prozent in den Bundestag einzuziehen. Die Piraten werden, wenn nicht ein Wunder geschieht, in der Bedeutungslosigkeit versinken und die sonstigen Parteien auch.
Das linke Lager wird also im nächsten Bundestag, ob es sich einigt oder nicht, über die absolute Mehrheit der Sitze verfügen. Insofern scheint die Behauptung der meisten medialen Politprofis, dass Merkels Kanzlerschaft ein drittes Mal die Republik beglücken würde, von dem in Deutschland grassierenden Virus einer blindwütigen Merkel-Verfallenheit beseelt zu sein. Viele können sich offenbar nichts anderes mehr als Merkel vorstellen.

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Wie wird sich die SPD entscheiden?
Nein, Merkel ist nicht alternativlos, aber sie hat es geschafft, viele Menschen glauben zu machen, dass sie die Garantin für die beste Politik in Deutschland wäre. Merkel hat eigentlich kein Profil, das man sehr persönlich, sehr individuell, sehr authentisch nennen könnte. Normalerweise ist das für die Beliebtheit schädlich, aber Merkel wird, wenn auch in einem reduzierten Maß, doch von vielen Deutschen regelrecht unspektakulär und unemotional bewundert, überschätzt, als Regierungschefin geliebt.

Die Merkel-Macher

  • Beate Baumann

    Leitern des Kanzlerinnen-Büros, engste Vertraute

  • Eva Christiansen

    Planungsstab Kanzleramt, Meinungs-Führerin

  • Hermann Gröhe

    CDU-Generalsekretär, Kurswächter

  • Nikolaus Meyer-Landrut

    Leiter der Europaabteilung im Kanzleramt, EU-Navigator

  • Ronald Pofalla

    Chef des Kanzleramts, Regierungsingenieur

  • Volker Kauder

    Fraktionsvorsitzender, Machtgarant

Das alles nützt der CDU vergleichsweise wenig. Merkels dritte Kanzlerschaft wird also wahrscheinlich davon abhängen, wie sich die SPD entscheidet. Entscheidet sich die SPD für Rot-Rot-Grün sind Merkels Tage gezählt. Entscheidet sich die SPD für die große Koalition, wird ihr angesichts der Kräfteverhältnisse kaum etwas übrig bleiben, als erneut in die Rolle des Juniorpartners zu schlüpfen. Diese Rolle allerdings gefällt der SPD im Moment überhaupt nicht.

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