Bettina Röhl direkt: Die grüne Katastrophe

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kolumneBettina Röhl direkt: Die grüne Katastrophe

Kolumne von Bettina Röhl

30 Jahre grüne Partei im Bundestag haben der Republik schwer zu gesetzt. Grün zersplittert die Gesellschaft und hat sie anfällig für paranoide Reaktionen gemacht. Nur so konnte die Naturkatastrophe in Fukushima vor zwei Jahren zu einer undurchdachten und wirren Energiewende in Deutschland führen, die allerdings von den Konservativen administriert wird.

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Die Grünen feiern 30 Jahre Bundestag. In dieser Zeit haben sie der BRD mehr Schaden als Nutzen gebracht.

Der Stern der Zeit ist grün und das ist nicht gut so. Die Grünen tragen einen wesentlichen Teil der Verantwortung dafür, dass die Gesellschaft zerfleddert, sich in Parallelgesellschaften aufspaltet, und sich unregelmäßig rhythmisch mit einer gewissen manischen Selbstzerstörung befasst oder sich an nebensächlichen Sinnlos-Themen abarbeitet.

Der wesentliche Grund für die destruktive Wirkung der Grünen liegt gewiss darin, dass sie ihre politischen Entscheidungen zumeist nicht der Sache wegen treffen, sondern aus einer sachfremden Motivlage heraus. Die Welt auf den Kopf stellen, die Realität in ihr Gegenteil verkehren, Menschen oder Gruppen von Menschen provozieren, quälen, mobben, der Teufel sein, aber den moralistischen Natur-und Menschheitsretter geben - das alles ist die grüne höchste Wahrheit.

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Die Grünen sind in Durchmarschstimmung

Der 22.September 2013 kommt bestimmt. Und die Grünen sind auf eine eigenartig uneuphorische Weise in Durchmarschstimmung. Sie haben ihr Berliner Comeback vor Augen und träumen davon die eigentlichen Retter des linken Lagers zu werden. Was Peer mit einem unerschöpflichen Fettnäpfchen-Arsenal verbaselt, möchten sie mit einem entsprechenden Stimmenzuwachs gern überkompensieren. In Baden-Württemberg haben sie schließlich geschafft, was vor kurzem noch Niemand für möglich hielt. Sie haben die alte Volkspartei SPD auf die Plätze verwiesen.

Den Wahltag vor Augen und die grüne Selbstreflektierung aus Anlass ihres dreißigjährigen Bundestagsjubiläums im Ohr, ist es höchste Eisenbahn die Grünen politisch zu dekonstruieren. Das Tandem Brüderle/Rösler hat sich gerade in diesen Tagen mächtig aufgeplustert und zu einer Art Attacke gegen die Grünen mobil gemacht. Das ist hübsch, aber bisher substanzlos. Und die Aussichten einen Wähler dazu zu bewegen, FDP statt Grün zu wählen scheinen über die Null-Linie nicht groß hinaus zu kommen. Am tölpelhaftesten stellt sich jedoch die SPD an. Die schaut seit dreißig Jahren seelenruhig zu, wie sie an die Grünen verliert und verliert und verliert und verliert. Die Grünen kobern und locken die (eigentlich) nachwachsenden SPD-Wähler und die gute alte Tante SPD verhält sich gegenüber den Grünen wie in einer permanenten Schockstarre.

Die CDU kann ihr Potenzial nicht ausschöpfen

Die Unionsparteien, die seit Bestehen der Bundesrepublik ein Potenzial zur absoluten Mehrheit haben, können dieses Potenzial schon seit langem nicht mehr ausschöpfen. Der tragische Irrtum der CDU besteht darin, dass sie ihrer großen Vorsitzenden Angela Merkel wundersame Eigenschaften zuschreibt, die Merkel nicht hat. Die Mehrheitsmeinung in der CDU geht dahin, dass Merkel, die in diesen niedlichen kleinen Umfragen die beliebteste Politikerin Deutschlands wäre, unersetzlich und ein Glücksfall für die Partei sei. Merkel garantierte ihrer Partei, so die Meinung, singulär als einzige alternativlose Frontfrau ein Wahlergebnis bei plusminus 40 Prozent. Das ist die eine Betrachtungsweise.


Die andere Betrachtungsweise, die der Realität wesentlich näher kommt, basiert auf der Erkenntnis, dass Merkel ihre Partei um zehn Prozent-Punkte von der absoluten Mehrheit runter auf 40 Prozent drückt. Eine kühne These? Immerhin: Außer Adenauer hat noch nie ein CDU-Spitzenmann eine absolute Mehrheit für seine Partei generieren können. Dennoch: die Deutschen sind mehrheitlich konservativ, aber konservative Wähler sind verunsichert und viele wissen nicht einmal, dass sie konservativ sind. Sie trauen sich nicht konservativ zu sein. Die fehlende Traute besteht allerdings nicht darin, dass sie unfähig sind sich öffentlich zum Konservativsein zu bekennen, sondern komplexerweise darin, dass sich viele konservative Menschen vor sich selbst im stillsten Kämmerlein und eben nicht nur in der Wahlkabine nicht eingestehen mögen, dass sie konservativ sind. Viele Menschen haben verlernt, was konservativ ist.

Konservativ geht eigentlich gar nicht

150 Jahre Kommunismus, Sozialismus und oft genug auch Sozialdemokratismus haben viele Menschen verunsichert. Wertezerstörung und das permanente Werteinfragestellen, ohne werthaltige Alternativen zu liefern, permanentes Besserwissen und permanentes und sehr aggressives Zurschaustellen der eigenen moralischen Überlegenheit, haben in den Köpfen der Menschen gewirkt. Im Prinzip heißt die Gleichung: links ist gut, besser, am besten. Konservativ dagegen geht eigentlich gar nicht. Konservativ ist schlecht, böse und ewig gestrig.

Konservativ heißt im Prinzip wirtschaftliche und politische Unterdrückung der großen Mehrheiten bis hin zur Inkaufnahme von Mord und Völkermord, natürlich im Herzen immer eiskalt. Der Kapitalismus der Konservativen macht Kriege. Der Sozialismus schafft Gerechtigkeit und Frieden auf Erden.

Wer möchte da schon konservativ sein? Wer ist da in den letzten sechzig Jahren nicht gern zum linken Lager konvertiert? Konservativ ist im Prinzip ein Schimpfwort. Und die Paranoia, mit der der Konservativismus immer wieder regelrecht verfolgt wurde, hat in der Tat zu einer Sinnentleerung des Konservativismus bis zur Unkenntlichkeit geführt.
Dass die Kommunisten und Sozialisten in Sachen Völkermord selbst noch die Nationalsozialismus im vergangenen Jahrhundert in den Schatten gestellt haben, ist eine bekannte Tatsache, die frei nach Stalins Propagandaschule mit der Bemerkung herunter gefahren wird, dass über irgendwelche Verbrechen Stalins doch sowieso alles bekannt und dass das Wissen über ein paar Gulags nichts Neues sei. Aber ihr Kapitalisten seid die Bösen.

Die Grünen setzen die Themen

Die Grünen sind im Prinzip die heutige Erscheinungsform dessen, was in den späten Fünfzigern, frühen Sechzigern als New Left, als Westlinke entstand. Luxus-Revolutionäre, die die Schwelle zur Kriminalität gelegentlich zu überschreiten bereit waren. Es waren die ersten Taschengeld-Helden mit (in Wahrheit) weniger Sex, sehr viel mehr Drugs und viel Rock'n Roll. Und einer knallharten Bewusstseinserweiterung vermittels Mao Tse Tung, Che Guevara, Ho Tschi Minh (und natürlich Marx und Marcuse) im LSD-Flug. Irrsinn über Irrsinn. Viel Gewalt, auch untereinander. Verrohung und Destruktion um ihrer selbst Willen. Das war der große Bruch im linken Lager. Die konservativen Kommunisten und die konservativen SPD-Mitglieder verstanden die Welt nicht mehr. Es war die eigentliche Geburtsstunde der Grünen, die sich dann erst 1979 formierten und 1983 das erste Mal in den Bundestag einzogen.

Total abgedrehte Kampfmaschinen, wie einst Petra Kelly oder der der Gewaltfaszination erlegene Joschka Fischer oder militante Häuserkämpfer ala Daniel Cohn-Bendit, revolutionierten die Grünen an die Macht. Sterbende Lurche, und überhaupt die im Prinzip für gottlos erachtete göttliche Natur und die große Friedensengelei und sehr früh der Kampf gegen Atomkraftwerke, Startbahn West usw. - das war die Gemengelage, mit dem die Grünen den Urknall ihres Erfolges zu Wege brachten. Ein geschlossenes Gesellschaftskonzept hatten sie nicht, das entlehnten sie rudimentär den zahlreichen kommunistisch-maoistischen Gruppen, die unter den Grünen prominent und zahlreich vertreten waren. Die Grünen griffen sich stets situativ (als "Spontis") Themen heraus, schafften es diese wichtig zu machen und aus jedem übergeordneten Kontext heraus zu lösen.

Heute resümieren die Grünen gerne selbstkritisch: wir sind die Partei gewesen, die sich in ihren Anfängen oft irrte und die Irrtümer zugelassen hat. Sie seien die Partei der größtmöglichen Pluralität und höchster innerer Demokratie, die mit ihren Themen die heutige Welt geprägt hätte. Die Grünen hätten sich damals heldenmutig und heute erfolgreich für die gesellschaftliche Akzeptanz der Schwulen, der Abtreibung, der Gleichberechtigung der Frau, für die Migration, für die Eindeutschung der Migranten, für alle möglichen Minderheiten, gegen Rassismus, und in besonderer Weise gegen Atomkraft und für den Umweltschutz eingesetzt und könnten heute den Sieg auf allen gesellschaftlichen Feldern beanspruchen. Alles letzten Endes den Konservativen abgerungen. Die Grünen sind in der Tat die mächtigste Parteigruppierung in diesem Land. Sie setzen die Themen. Die Konservativen käuen nach und wieder und laufen hinterher. Blindwütig und unargumentativ.

Aussitzerin Merkel

Die Aussitzerin Merkel ist zum Kopieren der grünen Vorgaben übergegangen. Das vermindert das grüne Geheul und fährt auch der grünen Propaganda in die Parade. Mehr aber nicht. Die Grünen verkaufen die Merkelsche Energiewende als ihren Erfolg, die Kanzlerin erfülle die grünen Vorgaben und dass die Kanzlerin so funktionierte, sei ein Sieg der Grünen, sozusagen über die Bande gespielt.
Der Betroffenheitsfuror, den der mutigste Bundespräsident, den diese Republik je hatte, Joachim Gauck, der inzwischen allerdings auch schon einige Male eingeknickt ist, gerade monierte, ist eine urgrüne Erfindung. Und mit der spezifischen Mischung aus sachlich gebotener Empörung und der grünen Expertise, die das Heer wohlbestallter grüner Experten täglich im Überfluss liefert, haben sich die Grünen in die komfortable Situation gebracht, dass sie vor allem das Bildungsbürgertum grün gewendet haben: Lehrer, Richter, Journalisten, Geisteswissenschaftler, Theologen, Beamte, Ärzte, viele Gruppen ticken grün und fahren so in ihrer Selbstreflexion auf ihrer ganz persönlichen Vorfahrtsstraße, die ganz selbstverständlich an das einzig wahre richtige Ziel führte. Auch die Managerkaste hat längst einen Grünstich, nicht zu verwechseln mit Umweltbewusstein.

Das Koordinatenkreuz ist grün

Das Koordinatenkreuz dieser Gesellschaft ist inzwischen grün. Es gibt also kaum noch eine realistische intellektuelle Chance das schief hängende Koordinatenkreuz gerade zu hängen, ohne mit der grünen (unsichtbaren, aber allgegenwärtigen) Mainstream-Diktatur zu kollidieren: grün ist politisch korrekt, ergo ist alles, was nicht grün ist, inkorrekt.
Wenn das bürgerliche Lager die Bundestagswahl für sich entscheiden will, was schwerer werden könnte, als gemeinhin angenommen, dann müssen sich die konservativen Parteien aus der intellektuellen Falle und dem intellektuellen grünen Würgegriff befreien. Selbst da, wo die Grünen richtige Politik machen, gerät oft alles in Schieflage und das liegt an der abwegigen Motivlage, mit der Grüne Politik machen. Das muss erkannt und in der politischen Auseinandersetzung in die Strategie eingepreist werden, um es neudeutsch zu sagen.

Ein Beispiel ist der von der Verfassung gebotene Minderheitenschutz, der bei den Grünen allzu oft ein Alibi ist, um die Gesellschaft, um die Mehrheit der Menschen zu diskreditieren, und sie so gefügig zu machen und zu manipulieren. Die Grünen sind die einzige kampagnenfähige Partei, worauf sie ja auch stolz sind. Zu recht. Doch der blinde Fleck der Grünen besteht darin, dass sie die Realität oft genug nicht erkennen und immer wieder ignorieren und dass sie der Gesellschaft ihre potemkinsche Realität als Substitut aufzwingen. Wie gesagt, die Diskurshoheit der Grünen ist beherrschend und sie ist realitätsgestaltend. Und es ist ihnen bisher noch stets gelungen über die Mangelhaftigkeit ihrer politischen Angebote oder besser ihrer politischen Imperative hinweg zu täuschen. Beispiel: Energiewende.

Das Wunder von Fukushima

Hätten die Grünen, die über die Energiewende seit Jahrzehnten angeblich nachdenken, brauchbare Rezepte entwickelt, Merkel hätte sie gewiss erfolgreich kopiert und die Republik wäre ein sauberes grünes Paradies. Die Grünen bemäkeln - und Mäkeln ist eine der Hauptsäulen der grünen Politik und Strategie - den konservativ administrierten Versuch einer Energiewende, aber sie sind realiter in erschütternder Weise naiv, ignorant und hilflos in Sachen Energie.

Seit zwei Jahren ist die Energiewende ein peinliches und kindisches Durcheinander. Statt von Schätzungen lebt das Ganze regelmäßig von Verschätzungen, fehlerhaften Annahmen, Illusionen, Schönrednerei und verschwenderischer Subventionierung von allen möglichen Ideen und Interessen.

Fukushima war das gefundene Fressen der Grünen und der grün dominierten Medien. Die Lesart in diesen Tagen, wo sich die Katastrophe von Fukushima das zweite Mal jährt, geht so: Es gab ein Seebeben, das baute einen Tsunami auf. Der krachte auf Atomkraftwerke, die explodierten und verseuchten die Umwelt radioaktiv, wodurch fast 19.000 Menschen zu Tode kamen.

Zwei Jahre nach Fukushima-Katastrophe Von Normalität keine Spur

Der Eindruck von Normalität zwei Jahre nach der Atomkatastrophe täuscht. Betreiber Tepco und seine strahlenden Reaktorruinen werden Japan noch Jahrzehnte schwer belasten.

Das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Dai-ichi Quelle: dpa

Klar, diese Gleichung ist falsch. Die Naturkatastrophe, der Tsunami, tötete die knapp 19 000 Menschen und der Tsunami erzeugte den Supergau in den Atomkraftwerken von Fukushima, nämlich eine Kernschmelze. Das Wunder von Fukushima besteht darin, dass die Kernschmelze nicht nur nicht bewirkte, dass die Brennstäbe auf der anderen Seite der Erde wieder zum Vorschein kamen (China-Syndrom), sondern dass eben diese Kernschmelze sich als beherrschbarer darstellte, als von den Grünen für solche Fälle vorhergesagt. Und das eigentliche Wunder ist, dass der Supergau bisher keine Toten erzeugte.

Das eiskalte Instrumentalisieren der Todesopfer

Die Havarie der Meiler in Fukushima löste eine Umweltkatastrophe aus und soll hier nicht klein geredet werden. Nur ein eiskaltes, politisches Instrumentalisieren von 19.000 Todesopfern einer Naturkatastrophe und eines nuklearen Unfalls muss als das gegeißelt werden, was es ist, nämlich furchtbare menschenverachtende Politik.
Fukushima war ungeeignet eine Hauruck-Energiewende auf blauen Dunst hin einzuleiten. Heute exportiert die Bundesrepublik minderwertigen sprich wertlosen Windstrom, für dessen "Entsorgung" letzten Endes dieses Land noch Geld bezahlen muss, statt Geld einzunehmen. Und die Bundesrepublik importiert Strom, der nicht mehr aus deutschen Meilern stammt, sondern aus Atomkraftwerken jenseits der Grenzen vor allem jenseits der französischen Grenze. Das ist nicht der Regelfall, aber es dürfte auch nicht selten sein. Wieviel Atomstrom durch die deutschen Netze fließt, würde man als einfacher Bürger gern wissen, aber das System ist so angelegt, dass es keine Chance gibt dies zu erfahren.

Wer liebt schon Atomkraftwerke?

Eine chaotische Energiewende, deren Kosten für die deutsche Wirtschaft und deren Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft durchaus erheblich sein wird, ist bei realistischer Betrachtungsweise kein Glanzstück grüner Politik oder grüner Diskurshoheit. Die Bürger sind weichgespült und akzeptieren die Mehrkosten der Energiewende. Noch. Warum, fragt man sich, schweigen die Protagonisten des konservativen Lagers. Warum sitzen sie nur aus? Warum greifen sie politisch nicht an? Warum erklären sie den Bürgern ihre Politik nicht? Warum lassen sie sich politisch immer in die Defensive drängen? Und warum fahren sie keine Kampagnen grünen Unsinn zu dekuvrieren.

Die Energiewende und der Sand im Getriebe

  • Wo liegen aktuell die drängendsten Probleme?

    Der Netzausbau ist weit hinter dem Plan zurück. Die Betreiber der teuren Offshore-Windsparks in Nord- und Ostsee sind verärgert, dass es immer neue Verzögerungen gibt, beim Energiesparen gibt es kaum Fortschritte, die Debatte über die Ökostromförderung entwickelt sich zum Dauerbrenner - die Liste ließe sich fortsetzen. Die Regierung muss an zahlreichen Stellschrauben drehen, ein abgestimmtes Konzept ist in vielen Bereichen aber noch nicht erkennbar.

  • Welche Erfolge gibt es?

    Der Ausbau der erneuerbaren Energie liegt nicht nur im Plan, er übertrifft sogar die Erwartungen. Im ersten Halbjahr 2012 machte Ökostrom erstmals mehr als 25 Prozent am deutschen Strommix aus, insgesamt wurden knapp 68 Milliarden Kilowattstunden ins Stromnetz eingespeist. Die Windkraft hat mit 9,2 Prozent den größten Anteil, vor der Bioenergie mit 5,7 Prozent. Der Anteil der Solarenergie hat sich binnen Jahresfrist fast verdoppelt und liegt nun mit 5,3 Prozent auf dem dritten Platz, vor der Wasserkraft mit vier Prozent.

  • Was bedeutet das für die Verbraucher?

    Der Anstieg der erneuerbaren Energien kann für die Stromkunden teuer werden. Wenn mehr Ökostrom produziert wird, steigt auch die Umlage zur Förderung der Energie aus Sonne, Wind oder Wasserkraft, die über den Strompreis gezahlt wird. Diese ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt und liegt aktuell bei 3,59 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet für einen Durchschnittshaushalt rund 125 Euro Zusatzkosten pro Jahr. Der Aufschlag dürfte sich nun deutlich erhöhen. Spekuliert wird bereits über einen Anstieg auf 5,3 Cent zum Jahreswechsel, was die Kosten für einen Durchschnittshaushalt auf 185 Euro hochtreiben würde.

  • Wird der drohende Anstieg der EEG-Umlage Konsequenzen haben?

    Das ist noch offen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warnt immer wieder, dass hohe Strompreise die Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnten. Er fordert deshalb eine Reform der Förderung. Die Regierung hat jedoch erst 2011 eine Reform des EEG auf den Weg gebracht, die Anfang 2012 in Kraft trat und bei der Solarförderung nochmals verändert wurde. Außerdem ist der Strompreis viel stärker gestiegen als die Ökoenergieförderung. Umweltschützer halten mangelhaftes Energiesparen und pauschale Befreiungen für die stromintensive Industrie für die eigentlichen Preistreiber.

  • Wie weit ist der Ausbau der Windenergie?

    Neben dem Ausbau der Windkraftanlagen an Land gilt der Ausbau der Offshore-Windenergie, also der Windkraftanlagen im Meer, als wichtiger Pfeiler der Energiewende. Bis zum Jahr 2020 sollen vor den Küsten Windenergieanlagen mit einer Kapazität von 10 000 Megawatt zur deutschen Stromerzeugung beitragen. Das sind ungefähr 2000 Windkraftwerke. Gegenwärtig arbeiten in der Nordsee aber erst 28 Anlagen mit 140 Megawatt Leistung. Dazu kommen noch 21 kleinere Windkraftwerke in der Ostsee - macht zusammen gerade einmal 180 bis 190 Megawatt.

  • Woran hakt es?

    Das größte Problem ist nach wie vor die Anbindung der Anlagen in Nord- und Ostsee an das Festlands-Stromnetz. Zudem reichen die Leitungen an Land nicht für den Weitertransport des Windstroms in den Süden Deutschlands. Die Stromerzeuger sehen wegen der Verzögerungen beim Netzanschluss inzwischen die ganze Energiewende in Gefahr. Sie verlangen dringend Klarheit, wer dafür haftet, wenn die Windparks stehen, aber nicht ans Netz gehen können. Wirtschaftsminister Rösler und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) haben vorgeschlagen, dass die Verbraucher die Kosten für Verzögerungen über den Strompreis mittragen sollen. Rösler hofft auf eine endgültige Regelung noch im Sommer.

  • Wie weit ist der Netzausbau insgesamt?

    Für die Energiewende werden laut Bundesregierung 3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen benötigt. Weitere 4400 Kilometer des bestehenden Netzes sollen fit gemacht werden für die schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie. Die Netzbetreiber haben einen Entwurf für einen Netzentwicklungsplan vorgelegt, bis Mitte August soll eine zweite Version fertig sein. Die Bundesnetzagentur verlangt nun, der Ausbau müsse viel schneller gehen. Rösler fordert deshalb bereits, vorübergehend Umweltstandards außer Kraft zu setzen, so dass zum Beispiel bei Klagen gegen den Bau von Leitungen eine Gerichtsinstanz ausreicht.

Hier soll nicht verschwiegen werden, dass es bei den Grünen einen Umbruch gibt; ein junger kapitalistisch orientierter smarter karriereristischer Bürgertypus, der die grünen Wurzeln kaum noch kennt und sich noch weniger für sie interessiert, nutzt die grüne Plattform für seine eigenen Interessen. Für diesen Typus ist grün vor allem Attitüde, Stallgeruch und Schick. Aber die Schwerkraft der grünen Partei und der Druck der altgrünen Erblasser auf die Jüngeren ihr Werk fortzuführen, sollte man nicht unterschätzen. Noch ist grün ein Lebensgefühl, das zieht. Das anzieht und dem alle anderen Parteien nichts entgegensetzen.

Konservative Stammwähler nicht vergraulen?

Es heißt, man sollte die konservativen Stammwähler nicht vergraulen. Doch die rot-grünen Attacken der letzten Jahrzehnte haben einen Zustimmungsverlust der konservativen Parteien verursacht, der mit einem Vergraulen durch die eigene Partei gar nichts zu tun hat. Die Frage, warum sollte man konservativ sein, wird von den konservativen Parteien gemieden, wie der Teufel das Weihwasser meidet und eine Antwort haben sie erst recht nicht parat. Es gibt keine ideelle Bindungswirkung. Eine solche Bindungswirkung haben die Grünen allerdings in ihren eigenen Reihen mit den irrsinnigsten Ideen und den abwegigsten Taten in den letzten Jahren anschwellend und im Überfluss generieren und aufbauen können.
Tatsächlich sind die Grünen intern schwächer denn je und sie verfügen weniger als früher über charismatisch wirkende Leitwölfe. Die altvorderen Altgrünen schwelgen heute unter sich und oft auch provokant öffentlich, wie viele Fehler und wie viele Verrücktheiten sie gleichwohl erfolgreich produziert hätten. Die Konservativen nehmen all dies staunend zur Kenntnis und sagen, dass sie das alles schon immer gewusst hätten, aber sie machen nichts draus.

Der grüne Saldo ist eher negativ

Die Notstandgesetze von 1968 haben nach vierzig Jahren einen grünen Ministerpräsidenten, aber keinen zweiten Hitler gebracht. Der Wald ist nicht gestorben, der Frankfurter Flughafen hat Flora und Fauna nicht vernichtet, die pädophilen Verirrungen der Grünen sind peinlich, aber vergessen, man wollte nur provozieren. Und die aktuellen pädagogischen Konzepte der Grün-Roten, die das Bildungssystem massakrieren und ideologisch verzerren, sind eine neue Zeche, die die heutigen Schüler, die Lerndefizite verkraften müssen und die in ideologische Verblendungen hinein getrieben werden, dann als Erwachsene in zwanzig oder dreißig Jahren zahlen müssen, wenn die heutigen Fanatiker von der Bühne abgetreten und vergessen sind.
Merkwürdig: es gibt so viele vernünftige, sympathische und nette Grüne, dass es Wunder nimmt, dass die Partei meistens ein eher scharfmacherisches Führungspersonal bestimmt.

Die demokratische Katastrophe dieser Zeit

Wie schön könnte die Welt sein, wenn die Gesellschaft den grünen Irrsinn abschütteln könnte. Hilfreich wäre gewiss, wenn der politische Gegner, sprich das konservative Lager, den Mythos, das die Welt vor dreißig Jahren ohne die Grünen stehen geblieben wäre und dass der von ihnen aufgegriffene ökologische Zeitgeist ohne die Grünen nicht hätte wirken können und dass emanzipatorische Entwicklungen ohne die Grünen nicht Platz gegriffen hätten, zerstören würde. Der grüne Saldo aus positiven und negativen Wirkungen für die Gesellschaft ist eher negativ als positiv.

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Die demokratische Katastrophe dieser Zeit besteht darin, dass die Diskurshoheit der Grünen auch die Hoheit der Bewertung ihrer selbst einschließt. Die Grünen diktieren, was die Gesellschaft von ihnen zu halten hat, was die Gesellschaft ihnen verdankte. Und da die vierte Gewalt in Gestalt der Medien mehrheitlich grün fühlt, ist der gesamte öffentliche Diskurs zu einem gewissen Grad eine grüne Gespensterveranstaltung. Der intellektuelle Horizont dieser Gesellschaft ist grün verengt. Das ist der "grüne Star" dieser Gesellschaft.

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